Kaum ein Land in Europa hängt so inbrünstig am Bargeld wie Deutschland. Dabei wäre eine Pflicht zum Angebot zur Kartenzahlung für alle ein erster Schritt zu mehr Verbraucher:innenzufriedenheit.
Um es vorweg zu nehmen: Bargeld ganz abzuschaffen macht aus verschiedenen Gründen wenig Sinn. Es geht hier nur darum, nie wieder „Nur Barzahlung möglich“ lesen zu müssen. Warum? Weil sich der Umgang mit Bargeld spätestens in den letzten fünf Jahren deutlich verändert hat.
Apple Pay als Türöffner
Apple Pay wurde im Oktober 2014 in den USA parallel zur Einführung des iPhone 6 gestartet. Seit 11. Dezember 2018 ist der Dienst auch in Deutschland verfügbar.
Erst als am 25. August 2020 Apple gemeinsam mit den Sparkassen die urdeutsche Girocard in Apple Pay integrierte, war für viele Deutsche der Dienst wirklich hierzulande gestartet. Selbst die international übliche Kreditkarte erreichte bis 2021 kaum die Hälfte der Deutschen. Insofern war Apple Pay für das Land von Sparbuch und Scheck eine Revolution. Vereinfacht kann man sagen, dass Bargeld das Faxgerät des „kleinen Mannes“ ist.
Also ab 2020 die Corona Pandemie weite Teile des Handels, des lokalen Konsums lahmlegte, wurden viele Menschen hierzulande erstmalig mit der alltäglichen Notwendigkeit von bargeldlosem Bezahlen konfrontiert. Egal ob es vermehrtes Online-Bestellen ging oder die hygienischere Kartenzahlung vor Ort, Bargeld galt teilweise als kontaminiert. Plötzlich begannen die ersten mit ihren Smartphones oder gar Uhren zu zahlen.
Meinung und Umfragen
Rund zwei Drittel der Deutschen (67 Prozent) wollen immer und überall eine bargeldlose Zahlungsmöglichkeit. Zugleich lehnen 86 Prozent aller Mitbürger die Abschaffung von Bargeld ab. 80 Prozent würden jedoch gerne auf Kleingeld, die verschiedenen Centmünzen, verzichten. Wenn es um eine Obergrenze für Bargeldzahlungen geht, sind sich unsere Mitbürger eher uneinig. 53 Prozent befürworten eine 10.000 Euro Obergrenze für Bargeldzahlungen, 40 Prozent lehnen diese ab.
Ganz klar! Alle wollen etwas weniger Bargeld im Alltag, aber weiterhin die Möglichkeit Scheine unter dem Kopfkissen zur Beruhigung – vor was auch immer.
Parallel zum Meinungsbild der Deutschen liest man immer noch „Nur Barzahlung möglich“ an vielen Kiosken, kleineren Geschäften und bei mobilen Händlern. Lassen wir die generelle Unterstellung von Steuerbetrug mal außen vor! Wer kein Bargeld bei sich führt, kann bei diesen Geschäften nicht einkaufen.
Wer nun argumentiert, bargeldloses Zahlen verteuere Waren übersieht, dass dort wo man bargeldlos zahlen kann, Waren eben nicht teurer sind! Dies ist also eine Ausrede und kein Argument.

Andere ergehen sich in skruden und obskuren Phantasien von Überwachung und Big Brother. Hier geht es zumeist darum, dass man beim bargeldlosen Bezahlen digitale Spuren hinterlässt und Nutzer:innen so gläsern würden. Auch dieses Argument ist im Ergebnis falsch. Allein durch all die digitalen Spuren, die wir alle von Payback über die Nutzung des Internets bis zu unserer SteuerID und der gesetzlichen Krankenversicherung hinterlassen, könnten wir gläsern sein.
Apple Pay übrigens entkoppelt -vereinfacht gesagt- Verkäufer und Nutzenden, so dass Apple der Auswertbarkeit der Zahlungsdaten deutlich erschwert. Ganz im Gegenteil zu Payback und anderen Belohnungssystemen.

Dadurch dass wir aber in Deutschland und der EU sehr strikte Gesetze haben, die die wahllose Verknüpfung unserer Daten verhindern, ist diese häufig geunkte Gläsernheit im rechtstaatlichen Kontext unmöglich.
Bargeldlos überall – JETZT!
Es wird Zeit, dass Deutschland und seine Verbände verpflichtend für alle Gewerbetreibenden bargeldloses Zahlen umsetzt. Nicht nur, dass Tourist:innen aus aller Welt verwundert den Kopf schütteln, wenn sie hier zur Barzahlung genötigt werden, es erleichtert den Alltag aller Konsumenten. Außerdem werden Diebstahldelikte rund um Bargeld weniger und die persönliche Sicherheit steigt.
Apple Pay wiederum hat gezeigt, wie man ein niederschwelliges Zahlsystem umsetzen kann, das Datensparsamkeit genauso verpflichtet ist wie Transparenz den Nutzenden gegenüber.
