Apple und Microsoft müssen in Russland Kommunikationsdaten ihrer Nutzer:innen drei Jahre lang speichern. Russische Behörden können die Herausgabe von Nachrichten, Anrufaufzeichnungen und Videoübertragungen verlangen.
Speicherpflicht für Kommunikationsdaten
Wie Bloomberg berichtet, nahm die russische Kommunikationsaufsicht Roskomnadsor beide Unternehmen am 2. Oktober 2026 in ein offizielles Register auf. Die Eintragung verpflichtet Anbieter digitaler Kommunikation, bestimmte Kundendaten und Aufzeichnungen über den Verlauf ihrer Kommunikation zu sichern.
Die Daten müssen drei Jahre lang aufbewahrt werden. Außerdem schreibt das russische Recht vor, dass sie innerhalb des Landes gespeichert werden. Zu den Informationen, die Behörden anfordern können, gehören Korrespondenz, Sprachaufzeichnungen und Videoaustausch über die Dienste der Unternehmen.
Unternehmen, die sich nicht an die Vorgaben halten, müssen mit Geldstrafen rechnen. Bei wiederholten Verstößen können die Behörden ihre Dienste in Russland sperren. Neben Apple und Microsoft stehen unter anderem Google Meet, WhatsApp, Telegram, Snapchat, Cloudflare und Blizzard Entertainment auf der Liste. Google und sein Videokonferenzdienst wurden bereits im Januar aufgenommen.
Gleichzeitig schränkt der Kreml den Zugang zu mehreren Kommunikationsdiensten ein. Betroffen sind WhatsApp, Telegram, Signal und Apples FaceTime. Die Maßnahmen betreffen Plattformen für private Nachrichten sowie Sprach- und Videoanrufe.
Weitere Konflikte zwischen Apple und Russland
Die neuen Anforderungen kommen zu bereits bestehenden Auseinandersetzungen hinzu. Apple setzte nach Beginn des Kriegs in der Ukraine 2022 den Verkauf und Export von Produkten nach Russland aus. Auch das Geschäft im Land wurde durch weitere Einschränkungen beeinträchtigt, darunter Beschränkungen für Apple Pay.
Im April 2026 konnten Kund:innen in Russland keine neuen Inhalte im App Store mehr kaufen und Abonnements nicht verlängern, wenn ihr Apple-Konto nicht über genügend Guthaben verfügte. Übliche Zahlungsmethoden standen dafür nicht mehr zur Verfügung.
Im Juni 2026 forderte der Kreml eine Erklärung, nachdem Apple mehrere Anwendungen des staatlich kontrollierten Technologieunternehmens VK entfernt hatte. Im selben Zeitraum nahm Apple auch Banking-Apps russischer Finanzinstitute aus dem App Store, die von internationalen Sanktionen betroffen waren.
Im August 2026 leitete Russlands Kartellbehörde ein Verfahren gegen Apple ein. Anlass war, dass das Unternehmen den staatlich unterstützten Messenger MAX und den App-Marktplatz RuStore nicht auf seinen Geräten vorinstalliert hatte. Russland hat entsprechende Vorgaben zur Softwareverteilung für Technologieunternehmen eingeführt, die im Land tätig sind.
Unternehmen äußern sich bislang nicht
Bislang haben weder Apple noch Microsoft öffentlich erklärt, wie sie mit den neuen Anforderungen umgehen wollen oder ob sie den russischen Behörden Daten übermitteln werden. Die Unternehmen haben auch nicht mitgeteilt, ob die Aufnahme in das Register Auswirkungen auf ihre bestehenden Dienste oder Geschäftsaktivitäten in Russland hat.
