Acht Monate nach der Ankündigung einer Chip-Kooperation zeigen OpenAI und Broadcom nun ihren ersten gemeinsamen Baustein: den KI-Beschleuniger Jalapeño. Damit setzt OpenAI seinen Plan um, die gesamte technische Infrastruktur für eigene Modelle stärker selbst zu kontrollieren.
OpenAI und Broadcom präsentieren mit Jalapeño den ersten maßgeschneiderten Chip, den das ChatGPT-Unternehmen für den Einsatz in der eigenen KI-Infrastruktur entwickelt hat. Gefertigt wird Jalapeño von Broadcom, zum Einsatz kommt er bei OpenAI für Inferenz, also für die rechenintensive Bereitstellung der KI-Modelle in ChatGPT und anderen Anwendungen.
In ihrer gemeinsamen Mitteilung bezeichnen die Unternehmen Jalapeño als „Intelligenz-Prozessor“ und als ersten „KI-Beschleuniger“ einer neuen Plattform. Diese Plattform soll moderne KI laut OpenAI schneller und zuverlässiger machen und gleichzeitig mehr Menschen zugänglich werden lassen. Der Chip ist als anwendungsspezifische integrierte Schaltung (ASIC) ausgelegt, die sich stärker auf bestimmte Aufgaben zuschneiden lässt als herkömmliche Prozessoren.
OpenAI gibt an, Jalapeño in nur neun Monaten entworfen zu haben. Neben dem Chip selbst habe das Unternehmen auch große Teile des Computersystems gestaltet, in dem der Beschleuniger später laufen soll. Ein physisches Muster des neuen Chips soll OpenAI noch am heutigen Mittwoch erhalten.
Mit Jalapeño verfolgt OpenAI das Ziel, möglichst viele Ebenen der eigenen Infrastruktur selbst zu gestalten. In der Ankündigung heißt es, das Unternehmen wolle den gesamten Stapel hinter seinen Modellen und Produkten aufbauen. OpenAI-Präsident Greg Brockman erklärt, dass sich durch die eigene Entwicklung mehr „Intelligenz“ effizienter bereitstellen lasse und sich fortgeschrittene KI breiter zugänglich machen solle.
Bereits im Oktober hatten OpenAI und Broadcom nach 18 Monaten gemeinsamer Arbeit öffentlich gemacht, dass sie ab Ende dieses Jahres Racks mit OpenAI-entworfenen Chips aufbauen wollen. Langfristig streben beide Partner an, so viele Einheiten zu produzieren, dass dafür eine Anschlussleistung von 10 Gigawatt erforderlich wäre.
Die Börse reagierte unmittelbar auf die Vorstellung: Die Broadcom-Aktie legte nach der Ankündigung um rund 2 Prozent zu. Das Unternehmen gehört zu den größten Profiteur:innen des Booms rund um generative KI, da es Hyperscaler und Forschungslabore beim Aufbau eigener Spezialchips unterstützt.
Seit dem Start des Hypes um generative KI im Jahr 2022 zählt OpenAI zu den größten Abnehmer:innen von Nvidias Grafikprozessoren, die als zentrale Bausteine für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle gelten. Der enorme Nachfrageschub zwingt OpenAI jedoch dazu, neben Nvidia weitere Quellen für leistungsfähige Chips zu erschließen.
Zu Beginn dieses Jahres hat OpenAI deshalb eine Vereinbarung mit Amazon Web Services geschlossen, die auch den Einsatz der Trainium-KI-Chips von AWS umfasst. Außerdem bestehen Vereinbarungen mit dem Nvidia-Konkurrenten Advanced Micro Devices sowie mit dem spezialisierten KI-Chip-Anbieter Cerebras, der im Mai seinen Börsengang abgeschlossen hat.
Im Vergleich zu Nvidias Grafikprozessoren gelten ASICs wie Jalapeño in der Branche als weniger flexibel, dafür aber kostengünstiger und gezielter auf bestimmte KI-Aufgaben optimierbar. OpenAI und Broadcom planen, die ersten Jalapeño-Chips bis Ende 2026 in Betrieb zu nehmen und den Einsatz in den folgenden Jahren auszuweiten. Die Broadcom-Aktie hat sich seit Ende 2022 fast versiebenfacht und liegt im laufenden Jahr bislang rund 10 Prozent im Plus.
Via: https://www.cnbc.com
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