Apple sieht sich in den USA erneut mit einer Klage konfrontiert. Eine Menschenrechtsorganisation wirft dem Konzern vor, Konfliktmineralien aus Zentralafrika in seinen Produkten zu verwenden.
Menschenrechtsorganisation greift Apple erneut an
Die in Washington ansässige Organisation International Rights Advocates (IRAdvocates) hat eine neue Klage gegen Apple eingereicht. Sie behauptet, Apple nutze Mineralien, die mit Menschenrechtsverletzungen und bewaffneten Konflikten in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) und in Ruanda in Verbindung stehen.
IRAdvocates fordert das Gericht auf zu prüfen, ob Apples angebliche Nutzung von Konfliktmineralien gegen Verbraucherschutzgesetze verstößt. Laut der von der Nachrichtenagentur Reuters entdeckten Klageschrift sollen drei chinesische Schmelzbetriebe – Ningxia Orient, JiuJiang JinXin und Jiujiang Tanbre – Coltan verarbeitet haben, das nach der Übernahme von Minen im Osten der DR Kongo durch bewaffnete Gruppen über Ruanda geschmuggelt wurde.
Coltan, kurz für Columbit-Tantalit, ist ein Erz, aus dem unter anderem Tantal gewonnen wird. Dieses wird in Komponenten von Apple-Geräten wie dem iPhone eingesetzt. In Apples Lieferantenliste für 2024 führt der Konzern alle drei genannten Schmelzen als Zulieferer.
IRAdvocates ist nicht zum ersten Mal juristisch gegen Apple vorgegangen. Bereits 2019 versuchte die Organisation, Apple zusammen mit Tesla, Alphabet, Microsoft und Dell wegen der Beschaffung von Kobalt zu verklagen. Dieses Verfahren wurde 2024 jedoch abgewiesen. Die Gerichte entschieden, dass der Einkauf von Kobalt auf dem Weltmarkt Apple und die anderen Unternehmen nicht automatisch zu Mitverantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen mache.
Wie Reuters berichtet, erklärte Berufungsrichterin Neomi Rao damals, ohne „konkretere Vorwürfe“ bestehe lediglich eine Käufer-Verkäufer-Beziehung zu den Zulieferern. Das Gericht sah keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass die Unternehmen die Macht hätten, den Einsatz von Kinderarbeit zu verhindern.
Unklar ist bislang, worin sich die neue Argumentation von IRAdvocates wesentlich unterscheidet. Coltan und ähnliche Rohstoffe werden in der Lieferkette von der Förderung über die Aufbereitung bis hin zu den Komponentenhersteller:innen nachverfolgt.
Hintergrund: Konfliktmineralien in der Elektronikindustrie
Konfliktmineralien gelten als problematische Folge des Wachstums der Elektronikindustrie. Gemeint sind Zinn, Wolfram, Tantal und Gold, die gemeinsam als 3TG bezeichnet werden. Zinn findet sich unter anderem in Widerständen, Lötverbindungen und Batterien. Tantal wird häufig legiert und ist ein wichtiges Material in der Chipfertigung.
Wolfram wird breit in der Elektronik eingesetzt. Gold, das als korrosionsbeständig gilt, kommt in Leiterplatten, Kameramodulen und internen Steckverbindern zum Einsatz. 3TG-Mineralien stammen häufig aus der Demokratischen Republik Kongo, einer Region, in der sich die bergbaubedingte Gewalt verstärkt hat. In vielen Minen werden Zwangsarbeit und Kinderarbeit eingesetzt.
Für diese Rohstoffe existieren keine direkten technischen Ersatzstoffe, nur alternative Bezugsquellen. Deshalb gilt es als besonders wichtig, dass die Technikbranche auf Lieferketten setzt, die nicht von Sklavenarbeit abhängen oder Konflikte wie in der DR Kongo befeuern.
Apples Umgang mit Konfliktmineralien
Apple versichert Verbraucher:innen und Aktionär:innen, das Thema ernst zu nehmen. Der Konzern veröffentlicht jährlich einen Bericht zu Konfliktmineralien sowie eine Liste der eingesetzten Schmelzen und Raffinerien.
Im Jahr 2020 meldete Apple, sich von 18 Zulieferern getrennt zu haben, die gegen den Verhaltenskodex zu Konfliktmineralien verstoßen hatten. 2022 stellte das Unternehmen die Zusammenarbeit mit weiteren zwölf Zulieferern ein.
In den vergangenen Jahren sah sich Apple jedoch auch mit dem Vorwurf konfrontiert, wissentlich Mineralien aus der DR Kongo zu verwenden, die mit Zwangsarbeit und Gewalt in Verbindung stehen. In diesem Zusammenhang wird argumentiert, Apple sei damit an mutmaßlichen Kriegsverbrechen beteiligt und müsse zur Rechenschaft gezogen werden. Wie das Gericht die neue Klage bewertet, bleibt vorerst offen.
Via: https://appleinsider.com
Titelbild KI (Zur Illustration)