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Kann Eddy Cue Apples Flaute beenden?

Apple stellt seine Gesundheitsstrategie neu auf und stoppt offenbar den Start eines neuen Abo-Angebots. Dahinter steht ausgerechnet der Services-Chef Eddy Cue.

Gesundheitsteam unter neuer Führung

Bloombergs Mark Gurman berichtete Anfang Februar, dass Apple seine Pläne für einen neuen Dienst namens Health+ zurückgefahren hat und die gesamte Fitness- und Gesundheitsstrategie überdenkt. Das passiert vor dem Hintergrund anhaltender Kritik, Apple bekomme angekündigte KI-Funktionen auch nach fast zwei Jahren noch nicht in den Griff.

Statt eines weiteren Anzeichens für Probleme bei Apple lässt sich dieser Schritt aber auch anders lesen: als Hinweis darauf, dass das Management erkennt, wie hoch der Preis für den aggressiven Ausbau des Service-Geschäfts sein könnte. Eine zentrale Rolle spielt dabei ein eigentlich unerwarteter Akteur: Eddy Cue, langjähriger Chef des Servicebereichs.

Seit dem Abschied des früheren COO Jeff Williams Ende vergangenen Jahres verantwortet Cue zusätzlich die Gesundheits-Sparte von Apple. Er ist zwar Urgestein im Unternehmen, aber neu in diesem Bereich, was offenbar Bewegung in festgefahrene Strukturen gebracht hat. Ein neuer Verantwortlicher ist nicht persönlich mit früheren Projekten verbunden und kann Entscheidungen mit frischem Blick treffen.

Cue traf auf ein Team, das einen neuen Dienst Health+ vorbereitete, der KI-basiertes Coaching auf Basis von Apple-Health-Daten bieten sollte. Sein Fazit scheint gewesen zu sein: Selbst aus Sicht des Service-Chefs war dieses Angebot nicht überzeugend genug für einen Marktstart.

Basisfunktionen statt Abo-Pflicht

Die Überlegungen gehen offenbar weiter: Im App Store gibt es bereits einige Anwendungen, die Health-Daten auswerten und mit KI anreichern. Was früher wie ein Zusatz wirkte, gehört inzwischen eher zum Pflichtprogramm für Apples eigene Gesundheits-App. Laut Gurman soll Cue einen Teil der geplanten Health+-Funktionen direkt in die Health-App überführen lassen.

Die Frage, ob Apple damit andere Apps aus dem Store „wegschaufelt“, steht schnell im Raum. Doch Apple muss eine gewisse Grundfunktionalität auf allen Geräten gewährleisten. Das Unternehmen verspricht hochwertige, oft teurere Produkte, bei denen Kund:innen einen entsprechenden Leistungsumfang erwarten. Im Bereich Gesundheitsstrategie und Fitness droht sonst der Eindruck, iPhone und Apple Watch lohnten sich erst mit zusätzlichem Abo – egal ob von Apple oder Dritten.

Cues Entscheidungen lassen erkennen, dass Services die Basis-Erfahrung ergänzen und nicht ersetzen sollen. Drittanbieter:innen wissen, dass Apple jederzeit ähnliche Funktionen ins System integrieren kann, und richten ihre Angebote meist auf spezifische oder besonders anspruchsvolle Nutzergruppen aus. Apple zielt dagegen auf ein breites Publikum, dafür braucht es eine solide Grundausstattung ohne Abo-Hürde.

Aktuell wirkt Apple Health jedoch eher wie ein leerer Behälter: viele Daten, wenig Einordnung. Auch wenn Gesundheitsinformationen komplex und stark reguliert sind, muss Apple die gesammelten Daten verständlich und nutzbar machen – ohne diese Verständlichkeit hinter einer monatlichen Gebühr zu verstecken.

Führungswechsel als Chance für Apple

Apple steht zugleich vor einem größeren personellen Umbruch im Top-Management. Einige Führungskräfte wie Jeff Williams sind bereits gegangen, weitere werden folgen, auch Tim Cooks Zeit an der Spitze dürfte begrenzt sein. Viele leitende Personen sind lange dabei, finanziell abgesichert und werden das Unternehmen nicht ewig begleiten.

Das birgt Risiken, kann aber auch eine große Chance sein. Jede neue Zuständigkeit – auch für erfahrene Manager:innen wie Eddy Cue – eröffnet die Möglichkeit, alte Entscheidungen zu hinterfragen und Kurskorrekturen vorzunehmen. Tim Cook hat nach der Übergabe von Steve Jobs ebenfalls schnell eigene Akzente gesetzt, etwa bei gemeinnützigem Engagement.

Neue Verantwortliche können gewachsene Strukturen aufbrechen, wenn „das war schon immer so“ bislang Veränderungen blockiert hat. Wer neu antritt, trägt nicht die Last vergangener Entscheidungen und kann eher eingreifen, wenn etwas nicht funktioniert. Wenn Eddy Cue ein Projekt stoppt, an dem Apple jahrelang gearbeitet hat und das neue Einnahmen versprach, sagt das viel über den Spielraum für Veränderungen aus.

Apple hat lange von personeller Stabilität profitiert. Nun könnte das Unternehmen davon profitieren, diese Phase zu beenden und Wandel aktiv zu nutzen.

Via: https://www.macworld.com

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Andreas Vogel

Autor Apfeltalk

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