Elon Musks KI-Firma xAI steckt nach nur drei Jahren erneut im Umbau. Mehrere Mitgründer:innen haben das Unternehmen verlassen, Grok hängt hinterher, und die Organisation wird schon wieder neu aufgestellt.
Gründerteam weg, Personalabbau läuft
Im März 2023 startete Elon Musk xAI mit zwölf Mitgründer:innen und dem erklärten Ziel, „die leistungsstärkste KI der Welt“ zu entwickeln. Drei Jahre später sind zehn dieser ursprünglichen Gründer:innen nicht mehr an Bord. Das Unternehmen streicht Stellen, und Musks zentraler Chatbot Grok liegt nach eigener Einschätzung hinter den wichtigsten Wettbewerbern.
Musk erklärte in dieser Woche, xAI müsse „von den Grundlagen auf“ neu aufgebaut werden, weil es beim ersten Mal nicht richtig aufgebaut worden sei. Diese Aussage erfolgte weniger als sechs Wochen nach dem Abschluss einer Fusion zwischen xAI und SpaceX im Volumen von 1,25 Billionen US-Dollar (rund 1,14 Billionen Euro).
Parallel dazu bestätigten Berichte der Financial Times und von CNBC eine Welle von Abgängen im leitenden Engineering-Team von xAI. Demnach wurden Führungskräfte von Tesla und SpaceX ins Unternehmen geschickt, um Teams zu prüfen und leistungsschwache Bereiche zu identifizieren.
Zu den jüngsten Abgängen zählen der Forscher Zihang Dai und der Ingenieur Guodong Zhang, die kurz nach dem Weggang des renommierten KI-Forschers Jimmy Ba im Februar das Unternehmen verließen. Laut Insider:innen ist eine Mischung aus Überlastung und Musks Führungsstil für die Entwicklung verantwortlich, was die Stimmung im Unternehmen deutlich belastet haben soll.
Grok schwächelt bei Programmieraufgaben
Auslöser der aktuellen Umbrüche scheint Groks Leistung bei Programmieraufgaben zu sein. Musk sagte auf einer Konferenz, „Grok liegt beim Programmieren derzeit zurück“, eine bemerkenswert offene Einschätzung angesichts der Bedeutung von KI-gestützter Softwareentwicklung als kurzfristig besonders lukrativer Einsatz von großen Sprachmodellen.
Nach Angaben von xAI-Mitarbeiter:innen, auf die sich die Financial Times beruft, liegt Grok in einschlägigen Programmier-Benchmarks hinter Claude Code von Anthropic und Codex von OpenAI. Das sorgt intern für Frust: Ingenieur:innen, die bei xAI an der Spitze der Entwicklung arbeiten wollten, sehen sich nun gezwungen, hinter einer Konkurrenz herzurennen, die über mehr Daten, mehr Investitionen und weniger Personalfluktuation verfügt.
Um die Lücke zu schließen, meldete xAI Neueinstellungen von Cursor, einer KI-gestützten Programmierumgebung mit treuer Entwickler:innen-Community. Ob der Wechsel von Fachkräften allein ausreicht, um offenbar tiefer liegende strukturelle und kulturelle Probleme bei xAI zu lösen, ist jedoch offen.
Riesendeal, Regulierung und offener Ausgang
Die Lage ist auch finanziell heikel. Die Fusion von SpaceX und xAI im Wert von 1,25 Billionen US-Dollar (rund 1,14 Billionen Euro) sollte die Ambitionen von xAI absichern, unter anderem durch den Zugang zu Kapital, Recheninfrastruktur und Ingenieurspower von SpaceX. Tesla investierte zudem 2 Milliarden US-Dollar (rund 1,82 Milliarden Euro) in xAI. Vor dem Hintergrund eines erneuten Komplettumbaus und anhaltender Personalprobleme wirken diese Investitionen nun komplexer.
Hinzu kommt regulatorischer Druck in mehreren Ländern, nachdem der Grok-Bildgenerator ohne größere Schutzmechanismen nicht-einvernehmliche intime Bilder erzeugt hatte. xAI hat einige dieser Bedenken adressiert, doch der Imageschaden erschwert den Zugang zu Unternehmenskund:innen, die Grok ansonsten vielleicht als Alternative zu Angeboten von OpenAI oder Anthropic geprüft hätten.
Musks Firmen wurden schon mehrfach neu aufgestellt. Tesla stand kurz vor der Insolvenz, als das Model 3 auf den Markt kam. SpaceX hatte drei Fehlstarts, bevor eine vierte Mission gelang. Ob sich dieses Muster in einem KI-Labor wiederholen lässt, in dem sich das Wettbewerbsumfeld alle paar Monate verschiebt, bleibt die zentrale offene Frage für den nächsten Abschnitt von xAI.
