Apple gilt seit Jahren als harter Verhandlungspartner in der Lieferkette. Jetzt gerät der Konzern beim Einkauf von LPDDR-Speicher zunehmend unter Druck – vor allem durch die Nachfrage aus dem KI-Sektor.
LPDDR5X-Speicher wird zum Standard im KI-Rechenzentrum
Apple war lange dafür bekannt, durch seine Größe und Marktmacht frühzeitig große Speicherkontingente zu sichern und dafür hohe Vorabzahlungen zu leisten, die viele Wettbewerber nicht stemmen konnten. Inzwischen hat sich die Lage jedoch gedreht: Kund:innen, die LPDDR-Speicher in deutlich größeren Stückzahlen benötigen, zahlen höhere Preise und erhalten dennoch bevorzugt Ware.
Besonders gefragt ist aktuell LPDDR5X-SOCAMM2-Speicher. Unternehmen wie Nvidia, Micron, AMD, Qualcomm und weitere Käufer:innen setzen massiv auf diesen Speichertyp, weil Effizienz in KI-Rechenzentren an Bedeutung gewinnt. LPDDR5X verdrängt DDR5 in vielen Szenarien, da er zwei zentrale Vorteile bietet: geringeren Energieverbrauch und höhere Datenraten.
Nach Branchenangaben benötigt LPDDR5X nur rund ein Drittel der Leistung von DDR5 und macht etwa sieben Prozent der gesamten Leistungsaufnahme aus. Gerade in dicht bestückten Racks von KI-Rechenzentren ist dieser Unterschied entscheidend, weshalb LPDDR5X bei vielen Speicherabnehmer:innen oberste Priorität hat. Die höhere Bandbreite unterstützt zudem die KI-Inferenzleistung, etwa beim Verarbeiten großer Kontextfenster und beim Handling von KV-Caches.
Serverracks bestellen mehr Speicher als alle iPhones
Ein einzelner Server mit CPU in einem Rack kann typischerweise mit bis zu 2 Terabyte LPDDR5X-RAM bestückt werden. Das entspricht dem 170-Fachen der 12 Gigabyte Arbeitsspeicher, die Apple in das iPhone 17 Pro und iPhone 17 Pro Max einbaut. In großen Rechenzentren stehen davon hunderte oder tausende Racks – ein enormes Volumen, mit dem Apple im Wettbewerb um begrenzte DRAM-Kapazitäten konkurriert.
Vor diesem Hintergrund wirkt Apples Position geschwächt. Konzernchef Tim Cook hat bereits gewarnt, dass die DRAM-Reserven des Unternehmens schrumpfen. Weitere Hinweise auf die schwierige Lage liefert die jüngste Ankündigung von Preiserhöhungen bei mehreren Produkten, darunter auch Macs. Angesichts der hohen Margen hätte Apple die gestiegenen Kosten theoretisch selbst tragen können, entschied sich aber dafür, sie an Käufer:innen weiterzugeben.
Daten von Trade Whisperer deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach DRAM und NAND aus dem Mobilbereich weiter abnimmt. Serveranwendungen sollen demnach künftig rund 50 Prozent des gesamten Angebots nutzen. Das schwächt Apples Verhandlungsposition zusätzlich, da der Konzern im Vergleich zu großen Rechenzentrums-Betreiber:innen weniger Volumen abnimmt.
Abhängigkeit von chinesischen Speicherherstellern wächst
Einst galt Apple als dominanter Kunde, der mit seinem Preisdruck die Marge von Speicheranbietern massiv beeinträchtigte. So äußerte sich etwa Micron kritisch darüber, wie stark das Geschäft unter Apples Konditionen litt. Diese Zeit scheint vorbei zu sein: Im aktuellen DRAM-Engpass kann das Unternehmen seine frühere Marktmacht nicht mehr in gleichem Maß ausspielen.
Apple versucht nun, verstärkt auf chinesische Speicherhersteller zu setzen. Dazu zählen Unternehmen wie CXMT und YMTC. Allerdings zeigt sich laut Berichten, dass diese Anbieter selbst große inländische Konzerne wie Huawei nur eingeschränkt bedienen und eher wie Kund:innen zweiter Klasse behandeln. Es ist daher fraglich, ob Apple über diesen Weg verlässlich an zusätzliche Speicherressourcen gelangen kann.
Damit steht Apple vor einer Situation, die es in dieser Form in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht erlebt hat: Das Unternehmen muss sich mit Kund:innen messen, die denselben LPDDR-Speicher benötigen, aber bereit sind, höhere Preise zu zahlen – und dafür teilweise bessere Konditionen erhalten.
Via: https://wccftech.com
