Apple bereitet Nutzer:innen auf höhere Preise vor: Tim Cook spricht im „Wall Street Journal“ von unvermeidbaren Preiserhöhungen aufgrund explodierender Speicher- und RAM-Kosten. Auslöser ist eine anhaltende, KI-getriebene globale Speicherklemme.
„Unvermeidbare“ Preiserhöhungen durch Speicherkrise
In mehreren Berichten wird ein Interview mit Tim Cook zitiert, in dem der scheidende Apple-Chef deutliche Worte findet. „Leider sind Preiserhöhungen unvermeidbar“, sagt er und erklärt, Apple habe versucht, Kund:innen so lange wie möglich vor den Kostensteigerungen zu schützen, doch die Lage sei inzwischen „unhaltbar“. Er beschreibt die aktuellen Marktverwerfungen bei Speicherchips als eine Art „Hundertjahrflut“, wie er sie in über 40 Jahren in der Elektronikbranche noch nicht erlebt habe.
Apple begründet die geplanten Preisanpassungen mit stark steigenden Preisen für DRAM-Arbeitsspeicher und NAND-Flash-Speicher. Die Nachfrage von KI-Unternehmen nach spezialisierten Chips für Rechenzentren zieht große Teile der verfügbaren Kapazitäten ab. Zulieferer wie Samsung, SK Hynix und Micron priorisieren Hardware für KI-Server, was die Preise im klassischen Konsumentenmarkt stark nach oben treibt. Laut Branchenanalyst:innen haben sich die Kosten für Speicherkomponenten innerhalb eines Jahres vervierfacht.
Konkrete Auswirkungen auf Produkte noch offen
Cook macht im Interview keine Angaben dazu, welche Apple-Produkte teurer werden oder wann genau Preiserhöhungen greifen sollen. Verschiedene Berichte gehen jedoch davon aus, dass iPhone, iPad und Mac besonders betroffen sein könnten. Mit Blick auf die iPhone-18-Reihe, die später im Jahr erwartet wird, schätzen das „Wall Street Journal“ und andere Medien, dass das iPhone 18 Pro bei 1.299 US-Dollar (rund 1.200 Euro) starten könnte, nach zuvor 1.099 US-Dollar (rund 1.020 Euro) für das iPhone 17 Pro. TechInsights errechnet, dass die Sicherung aktueller Margen wegen der Speicherkosten etwa 270 US-Dollar (rund 250 Euro) auf den Preis eines kommenden iPhone-Pro-Modells schlagen könnte.
Bereits sichtbar sind Anpassungen im Mac-Portfolio. Apple hat im März den Mac Studio mit 512 GB Speicher gestrichen und kurze Zeit später den Einstiegspreis des Mac mini auf 949 Euro angehoben, nachdem die frühere 699-Euro-Variante aus dem Programm genommen wurde. Analyst Tim Culpan rechnet zudem damit, dass Apple die Basiskonfiguration des MacBook Neo streichen und nur das Modell mit 512 GB Speicher für 799 Euro weiterführen könnte.
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KI-Boom verschärft Engpässe – Apple sucht Gegenmaßnahmen
Cook verweist auf ein strukturelles Problem: „Es gibt weniger Angebot in einer Phase, in der Verbraucher:innen Geräte wollen, und die Speicherhersteller geben enorme Preiserhöhungen weiter.“ Besonders die massiv steigende Nachfrage von KI-Unternehmen nach RAM und Speicher in Rechenzentren belaste den Markt. Das treffe nicht nur Apple, sondern auch andere große Technikanbieter wie Samsung, HP, Microsoft, Nintendo und Valve, die sich öffentlich zu den Auswirkungen der Kostenexplosion geäußert haben.
Apple rechnet damit, dass die globale Speichersituation den Konsumgütermarkt mindestens bis 2027 beeinflusst. Morgan Stanley schätzt, dass Silizium-Wafer für Unterhaltungselektronik trotz Ausbauplänen bis zu 15 Prozent unter dem Bedarf liegen könnten, weil mehr Produktionskapazität in KI-spezifische Speicher fließt. Gleichzeitig wachsen bei Apple selbst die Speicheranforderungen, etwa durch erweiterte „Apple Intelligence“-Funktionen und die überarbeitete Siri-Version, die auf der WWDC 2026 vorgestellt wurde.
Um gegenzusteuern, ist Apple laut Cook bereit, seine Finanzreserven zu nutzen, um Kapazitäten bei Partnern auszubauen. Der Aufbau eigener Speicherfabriken sei jedoch nicht geplant. Cook bringt außerdem alle möglichen Bezugsquellen ins Spiel, einschließlich chinesischer Speicherhersteller, für die aktuell US-Lizenzauflagen für die Zusammenarbeit mit amerikanischen Unternehmen gelten. Regulierung und mögliche Lockerungen dieser Vorgaben könnten daher eine Rolle spielen.
Wie stark Apple einzelne Produktlinien letztlich verteuert oder über höhere Aufpreise für größere Speicheroptionen gegensteuert, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die anhaltende RAM- und Speicherklemme wird sich in den kommenden Produktgenerationen im Preis bemerkbar machen.
Via: www.iClarified.com · www.engadget.com · www.theverge.com · appleinsider.com
