Apple prüft offenbar neue Möglichkeiten, mehr wiederkehrende Einnahmen mit dem App Store zu erzielen. Unter dem neuen CEO John Ternus rückt der Marktplatz noch stärker ins Zentrum der Services-Strategie.
Strategiewechsel nach Schillers Rückzug
Laut einem Bericht des Bloomberg-Journalisten Mark Gurman arbeiten John Ternus und der für Dienste zuständige Manager Eddy Cue daran, die Marge des App Store zu erhöhen und zusätzliche regelmäßige Einnahmen zu schaffen. Der App Store soll Apple derzeit schätzungsweise 30 Milliarden US‑Dollar (rund 27,7 Milliarden Euro) pro Jahr bringen, bleibt also ein Kernstück des wachsenden Dienste-Geschäfts mit Angeboten wie Apple Music, iCloud+, Apple TV und AppleCare.
Der neue Kurs fällt in die Zeit nach dem Rückzug von Phil Schiller aus der operativen Verantwortung für den App Store. Schiller hatte den Store seit 2015 geleitet, nachdem Cue die Zuständigkeit abgegeben hatte, und blieb auch nach seinem Wechsel vom Marketingchef zum „Apple Fellow“ im Jahr 2020 für das Tagesgeschäft zuständig. Nun soll Cue den App Store wieder auf höherer Ebene verantworten, während Carson Oliver die tägliche Leitung übernimmt.
Wie genau Apple zusätzliche Einnahmen aus dem App Store generieren will, ist bisher nicht bekannt. Bisher verdient das Unternehmen vor allem über Provisionen auf App-Käufe und Abos sowie durch Werbung, mit der Entwickler:innen ihre Apps sichtbarer platzieren können. In den vergangenen Jahren hat Apple die Werbemöglichkeiten bereits ausgebaut, etwa durch zusätzliche Anzeigenplätze im Heute-Tab und in den Suchergebnissen.
Schillers Bedenken und rechtliche Konflikte
Gurman stellt einen Zusammenhang zwischen Schillers Entscheidung und den neuen Monetarisierungsplänen her. Interne Quellen hätten berichtet, es habe keinen Streit gegeben, Schiller habe jedoch bei bestimmten Maßnahmen „kein Teil davon“ sein wollen, weil sie Entwickler:innen und Regierungen verärgern könnten. Seine Bedenken wurden bereits im Rechtsstreit mit Epic Games deutlich, als er im Februar 2025 vor Gericht aussagte.
Damals erklärte Schiller, er habe die ursprünglich geplante Provision von 27 Prozent auf Käufe außerhalb des App Store abgelehnt. Er warnte vor einem „antagonistischen Verhältnis“ zu Entwickler:innen und sah die Gefahr, dass Apple zu einer Art Inkassobüro würde, das säumige Entwickler:innen prüfen müsste. Ein US-Gericht untersagte Apple später, diese 27-Prozent-Gebühr auf sogenannte Link-outs zu erheben, und stellte das Unternehmen wegen Missachtung der Auflagen unter Androhung weiterer Konsequenzen. Seit April 2025 erhebt Apple in den USA keine solchen Gebühren mehr. Der Oberste Gerichtshof hat zwar Berufung gegen die Missachtungsentscheidung zugelassen, aber noch nicht darüber entschieden.
Druck durch Regulierung und sinkende Provisionserlöse
Die Monetarisierungspläne kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der App Store weltweit stark unter regulatorischem Druck steht. Behörden und Gerichte greifen Apples Regeln für App-Vertrieb, Zahlungen und Provisionen an, was das Unternehmen in mehreren Märkten zu Anpassungen zwingt. In der Folge hat Apple bei seiner Quartalsbilanz im Juli eingeräumt, dass regulatorische Änderungen das Wachstum im Dienste-Bereich belasten. Zwar erzielten die Dienste mit 30,7 Milliarden US‑Dollar (rund 28,4 Milliarden Euro) im Juniquartal einen Rekordwert für diesen Zeitraum, blieben aber unter den Erwartungen der Analyst:innen von 31,4 Milliarden US‑Dollar (rund 29,0 Milliarden Euro).
Ein Bericht der Analysefirma Appfigures vom August zeigt zudem rückläufige Provisionsumsätze aus dem App Store. Demnach sind die Kommissionserlöse in den USA seit Jahresbeginn 2026 um 18 Prozent gesunken. Auch in Brasilien und Japan gingen die Einnahmen zurück, nachdem beide Länder neue Vorschriften eingeführt hatten. Vor diesem Hintergrund könnte jeder Versuch, Entwickler:innen deutlich stärker zur Kasse zu bitten, zusätzliche Kritik hervorrufen. Für Ternus ist der Umgang mit dem App Store und den Diensten damit ein frühes Signal, wie er den Konzern nach seiner Ernennung zum CEO am 1. September ausrichten will.
