Die Konzert-Erkennung in Apple Fotos soll Eure Bilder automatisch passenden Live‑Shows zuordnen. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass die Funktion häufig danebenliegt.
Wie Apple Fotos Konzerte erkennen soll
Apple Fotos versucht, Aufnahmen von Musikveranstaltungen automatisch mit dem Namen des Konzerts zu versehen. Technikprofi Chris Devers hat sich diese Funktion im Detail angesehen und zahlreiche Ungenauigkeiten dokumentiert. Ein zentrales Problem: Die Software hat Schwierigkeiten zu erkennen, welche Band tatsächlich der Hauptact ist, wenn mehrere Gruppen an einem Abend auftreten.
Die Ursache liegt offenbar auch in unübersichtlichen Metadaten rund um Konzerte. Auf Plakaten, Schildern oder Webseiten stehen die Namen der beteiligten Acts häufig in sehr unterschiedlicher Reihenfolge. Der Headliner kann oben auf einem Schild, unten auf einem Poster oder mittig in großer Schrift auf einer Webseite auftauchen. Apple Fotos verwechselt in solchen Fällen häufig Vorgruppe und Hauptact.
Devers beschreibt unter anderem Konzerte der Pixies, bei denen die Zuordnung in seiner Mediathek immer wieder falsch ist. In einem Beispiel eröffnete Franz Ferdinand den Abend, wird in Apple Fotos aber als Hauptact geführt, während die eigentlichen Stars des Abends nicht korrekt erkannt werden.
Fehler bei Festivals, Orten und parallelen Events
Die Probleme beschränken sich nicht auf einzelne Konzertabende mit mehreren Bands. Laut Devers werden ganze Musikfestivals teilweise so behandelt, als handle es sich um eine Show einer einzelnen Künstlerin oder eines einzelnen Künstlers. Das führt zu irreführenden Beschriftungen, die der tatsächlichen Veranstaltung nicht entsprechen.
Hinzu kommen Verwechslungen von Konzerten an benachbarten Orten oder in Veranstaltungsstätten mit mehreren Räumen. Fotos werden dann einem falschen Saal oder einem anderen Auftritt in unmittelbarer Nähe zugeordnet. Außerdem geht Apple Fotos offenbar oft davon aus, dass alle Fotos eines Datums zum gleichen Event gehören, selbst wenn mehrere unterschiedliche Veranstaltungen besucht wurden.
Devers liefert zahlreiche Bildbeispiele mit fehlerhaften Bildunterschriften, die diese Schwächen der Erkennung zeigen. Damit werden die automatischen Konzert‑Tags in vielen Fällen eher zur Quelle von Verwirrung als zur Hilfe bei der Sortierung.
Wenig verlässliche Erkennung und keine Korrekturmöglichkeit
Auch wenn manche Konzerte korrekt erkannt werden, scheinen diese Treffer eher die Ausnahme zu sein. In einer Mediathek fand sich etwa ein richtig identifiziertes Guster‑Konzert aus dem Juni 2023, allerdings ohne Hinweis auf den Auftritt mit dem Boston Symphony Orchestra. Die meisten anderen Konzert‑Tags waren dagegen falsch. So wurden beispielsweise Fotos der Relay‑10‑Feier in London im Juli 2024 als „Liang Lawrence Konzert“ gekennzeichnet, offenbar weil ein Konzert dieses Namens am selben Abend in einem nahegelegenen Veranstaltungsort stattfand.
Insgesamt wirkt die Funktion wie ein typisches maschinelles Lernsystem, das auf Basis verfügbarer Daten eine möglichst wahrscheinliche Zuordnung versucht, ohne die Richtigkeit überprüfen zu können. Das Ergebnis ist in der Praxis häufig nicht zuverlässig oder besonders nützlich.
Das eigentliche Problem liegt aus Sicht von Devers jedoch woanders: Apple bietet Benutzer:innen bislang keine Möglichkeit, diese falschen Konzert‑Tags manuell zu korrigieren oder zumindest zu entfernen. Weder ein nachträgliches Neutaggen noch das einfache Löschen des falschen Ereignisnamens ist vorgesehen. Diese fehlende Bearbeitungsoption lässt die Funktion unausgereift wirken und macht sie für viele von Euch eher frustrierend als hilfreich.
Via: https://sixcolors.com
Titelbild: Apfeltalk / Michael Reimann
