Amazon kauft den Satellitenanbieter Globalstar und übernimmt dabei auch Apples Anteil. Für iPhone- und Apple-Watch-Nutzer:innen sollen bestehende Satellitenfunktionen weiterlaufen und perspektivisch ausgebaut werden.
Übernahme von Globalstar und Apples Beteiligung
Amazon will Globalstar für rund 11,6 Milliarden US‑Dollar (ca. 10,7 Milliarden Euro) übernehmen. Details zu der Transaktion gehen aus einer Einreichung bei der US-Telekommunikationsbehörde FCC hervor, die von PCMag entdeckt wurde. Im Rahmen der Übernahmestruktur gründet Amazon eine Tochtergesellschaft namens „Grapefruit Acquisition Sub II“, die die operativen Geschäfte von Globalstar aufnehmen soll. Anschließend wird diese Gesellschaft auch den Anteil übernehmen, den Apple an Globalstar hält.
Apple besitzt 20 Prozent Eigenkapital und 20 Prozent Stimmrechte an Globalstar Licensee LLC, einer Globalstar-Tochter, die das Satellitensystem für iPhone-Nutzer:innen in den USA betreibt. 2022 hatte Apple 450 Millionen US‑Dollar (ca. 414 Millionen Euro) in Globalstar investiert, um den Aufbau der Satelliten für die Funktion „Notruf SOS via Satellit“ zu finanzieren. Im Gegenzug erhielt Apple 20 Prozent Eigenkapital und Zugriff auf 85 Prozent der Netzkapazität von Globalstar.
Da Apples Beteiligung separat geregelt werden musste, haben Apple und Amazon eigene Verhandlungen geführt. Beide Unternehmen haben sich auf eine Lösung geeinigt, die es Amazon erlaubt, Apples Anteil im Zuge der Globalstar-Übernahme zu übernehmen. Laut den vorliegenden Informationen wird Apple aus dem Deal voraussichtlich mehr erlösen, als ursprünglich investiert wurde, und zugleich eine Partnerschaft mit einem größeren Satellitenbetreiber sichern.
Fortbestand und Ausbau von iPhone- und Apple-Watch-Funktionen
Amazon betont in der FCC-Einreichung, dass die bisherigen Apple-Funktionen über Globalstar nicht eingestellt werden sollen. Das Unternehmen plant, die Infrastruktur hinter „Notruf SOS via Satellit“ und „Nachrichten via Satellit“ für iPhone-Nutzer:innen weiter zu unterstützen und zu verbessern. Zudem soll Amazons Satellitennetz in niedriger Erdumlaufbahn künftig auch weitere Dienste wie „Wo ist?“, „Pannenhilfe via Satellit“ und andere bestehende Satellitenfunktionen für iPhone und Apple Watch mitversorgen.
Amazon will dazu die bestehende Globalstar-Konstellation in niedriger Erdumlaufbahn weiter nutzen und gemeinsam mit Apple an künftigen Satellitendiensten arbeiten, die auf einem erweiterten Netzwerk von Amazon aufsetzen. Die geplanten Investitionen und technischen Upgrades sollen das derzeit von Millionen iPhone-Besitzer:innen in Gebieten ohne Mobilfunkversorgung genutzte Satellitennetz im 1,6/2,4‑Gigahertz-Bereich stärken.
Neue Satellitenkonstellation und Direktverbindungen zum Smartphone
Neben der Integration der Apple-Dienste verfolgt Amazon mit Globalstar weitergehende Pläne. Das Unternehmen will die geplante C‑3‑Konstellation mit 48 Satelliten weiterentwickeln und gleichzeitig ein Satellitennetz der nächsten Generation mit Direktverbindung zu Endgeräten aufbauen. Dieses Netz soll parallel zu den bestehenden Globalstar-Systemen HIBLEO‑4 und HIBLEO‑X arbeiten.
Das neue System wird laut Einreichung darauf ausgelegt, schnellere Verbindungsaufbauzeiten, höhere Kapazität, bessere Signalqualität und eine größere Abdeckung zu bieten. Amazon setzt dabei auf Phased-Array-Antennentechnik im L‑Band- und S‑Band-Frequenzspektrum. Langfristiges Ziel ist es, Sprach‑, Text- und Datendienste für kompatible Mobiltelefone und IoT‑Geräte bereitzustellen, ohne dass spezielle Hardware erforderlich ist.
Mit diesen Plänen positioniert sich Amazon stärker im wachsenden Markt für Satellitenverbindungen direkt zum Smartphone und tritt damit gegen Anbieter wie SpaceX, AST SpaceMobile und Lynk an. Gegenüber den Aufsichtsbehörden kündigt das Unternehmen an, Satellitenkonnektivität für Smartphones und mobile Geräte weltweit „über mehrere Mobilfunkanbieter und Hersteller hinweg“ anbieten zu wollen. Der Abschluss der Globalstar-Übernahme wird für 2027 erwartet, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen.
