Amazon stärkt sein Satelliteninternet-Projekt Leo mit einer Übernahme von Globalstar. Der Konzern sichert sich damit auch den Dienstleister hinter Apples Notruffunktion per Satellit.
Globalstar: Bekannter Dienst, unbekannter Name
Amazon hat bekannt gegeben, dass es mit dem Satelliteninternet-Anbieter Globalstar Inc. fusioniert, um sein Starlink-Konkurrenzprojekt Leo auszubauen. Globalstar ist zwar kein Name, den viele von Euch kennen, doch die Dienste der Firma nutzen zahlreiche Apple-Benutzer:innen bereits heute. Das Unternehmen stellt die Notfall-Satellitenverbindung für kompatible iPhones und Apple Watches bereit.
In der Mitteilung von Amazon heißt es, der Zusammenschluss solle die satellitengestützte Reichweite von Leo vergrößern. Außerdem soll er direkte Verbindungen zu Geräten ermöglichen, also einen Dienst, bei dem Endgeräte ohne separate Bodenstation direkt Satelliten kontaktieren können. So will Amazon sein eigenes Satellitennetz schrittweise zu einem umfassenden Kommunikationssystem ausbauen.
Apple hält 20 Prozent – aber ohne Erwähnung
Eine interessante Besonderheit: Apple besitzt seit 2024 einen Anteil von 20 Prozent an Globalstar, den das Unternehmen damals für 1,5 Milliarden US-Dollar (ca. 1,4 Milliarden Euro) erworben hat. In der aktuellen Ankündigung von Amazon wird dieser Anteil aber nicht thematisiert. Stattdessen betont Amazon, man habe mit Apple vereinbart, dass Leo künftig die Satellitendienste für unterstützte iPhone- und Apple-Watch-Modelle bereitstellen soll.
Diese Unterstützung soll laut Mitteilung auch dann fortgeführt werden, wenn sich das Leo-Netzwerk weiterentwickelt und ausgebaut wird. Gleichzeitig stellt Amazon eine weitere Zusammenarbeit mit Apple bei zukünftigen Satellitendiensten in Aussicht, die auf dem erweiterten Leo-Netz basieren sollen. Damit bleibt die bestehende Notruf-Funktion per Satellit in Apples Ökosystem an das kombinierte Netzwerk aus Leo und Globalstar angebunden.
Start erst 2028, Regulierungsdruck bis 2026
Amazon macht in seiner Ankündigung auch deutlich, dass der direkte Satellit-zu-Gerät-Dienst von Leo nicht vor 2028 starten wird. Zudem soll der Zusammenschluss mit Globalstar voraussichtlich erst 2027 abgeschlossen sein. Bis dahin muss Amazon noch eine andere Herausforderung bewältigen: die Auflagen der US-Regulierungsbehörde FCC.
Die FCC hat Amazon eine Frist bis Juli 2026 gesetzt, bis zu der 1.600 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht sein müssen. Aktuell geht das Unternehmen aber davon aus, zu diesem Zeitpunkt nur rund 700 aktive Satelliten im All zu haben. Damit Amazon seine Pläne einhalten kann, müsste die Behörde der Verlängerung dieser Frist zustimmen oder Amazon erheblich schneller beim Ausbau seines Netzes werden.
Die Fusion mit Globalstar ist damit nur ein Baustein in Amazons Strategie, sich im Wettbewerb um Satelliteninternet und Direktverbindungen zu mobilen Geräten zu positionieren. Für Euch als Nutzer:innen von iPhone und Apple Watch bedeutet der Schritt vor allem Kontinuität: Die bekannten Notfallfunktionen per Satellit sollen auch im wachsenden Leo-Netz weiterlaufen und perspektivisch um neue Dienste ergänzt werden.
