Ich habe den Insta360 Wave während stundenlanger Teams Meetings ausprobiert. Was der Zylinder taugt und wer davon wirklich profitiert, werde ich Euch beschreiben.
Es gibt Gadgets, die man sieht und sofort denkt: „Nettes Spielzeug“. Und dann gibt es Geräte, die man auspackt und sich fragt, wie man den Arbeitsalltag im Home Office bisher ohne sie auskommen konnte. Insta360, bekannt für 360-Grad-Kameras und Actioncams, wildert neuerdings im Audio-Segment. Mit dem Insta360 Wave steht ein KI-gestütztes Speakerphone auf dem Schreibtisch, das nicht nur gut aussehen, sondern auch das leidige Protokollführen überflüssig machen will. Ich habe mir den schwarzen Zylinder mal genauer angesehen.
Sind wir ehrlich: Die Zeit der schlechten Laptop-Webcams und blechernen Mikrofone sollte 2025 eigentlich vorbei sein. Dennoch quälen wir uns täglich durch Teams- und Zoom-Calls, in denen Kollegen klingen, als säßen sie in einer Blechtonne am Ende des Flurs. Genau hier setzt Insta360 an. Der Hersteller verspricht mit dem Wave nicht weniger als professionelle Audioqualität gepaart mit künstlicher Intelligenz, die uns den Rücken freihalten soll. Ein Konferenzlautsprecher, der zuhört, mitschreibt und Störgeräusche killt. Ob das im Apple-Ökosystem so reibungslos funktioniert wie versprochen, habe ich ausprobiert.
Schon beim Unboxing merkt man: Hier hat sich jemand Gedanken gemacht. Die Verpackung ist schlicht, aber wertig – ganz so, wie wir es als Apple-Nutzer mögen.
Im Karton finden wir neben dem Wave selbst ein ordentliches USB-C auf USB-C Kabel, einen USB-A Adapter und – sehr löblich – eine kleine, gepolsterte Tragetasche.
Das Gerät selbst bringt satte 490 Gramm auf die Waage. Das ist schwerer, als es aussieht, sorgt aber zusammen mit der gummierten Unterseite für einen extrem sicheren Stand. Ein nettes Detail: Die Unterseite saugt sich förmlich auf glatten Oberflächen fest, lässt sich aber durch einfaches Kippen leicht wieder lösen.
Der wahre „Magic Moment“ kommt aber beim Einschalten. Drückt man den Power-Button, fährt der obere Teil des Zylinders motorisiert nach oben und enthüllt ein 1,82 Zoll großes Touch-Display. Das hat fast schon etwas von Science-Fiction und erinnert an Requisiten aus Star Trek. Gleichzeitig erfüllt es einen Zweck: Im ausgeschalteten Zustand ist der Screen geschützt. Oben auf dem Gerät sitzt eine magnetische Abdeckung. Darunter verbirgt sich ein cleveres Fach für den winzigen USB-Dongle, damit dieser unterwegs nicht verloren geht. Die Haptik ist durchweg „Premium“ – hier knarzt nichts, das mattschwarze Finish -es gibt auch Weiß- fügt sich perfekt neben einem MacBook Pro oder Studio Display ein.
Bevor wir das Gerät in den Alltag entlassen, ein Blick auf das Datenblatt. Insta360 verbaut hier ein Array aus acht MEMS-Mikrofonen, die 360 Grad-Audio erfassen können. Die Sampling-Rate liegt bei 48 kHz, was für Sprache mehr als ausreichend ist. Spannend sind die fünf verschiedenen Aufnahmemodi: Omni (360°), Cardioid (Niere, für Einzelpersonen), Super-Cardioid (starker Fokus nach vorne), Acht (für Interviews gegenüber) und Stereo. Letzteres funktioniert kurioserweise nur via USB-Kabel, während die anderen Modi auch standalone arbeiten.
Der interne Akku fasst 9800 mAh und soll bis zu 12 Stunden durchhalten – genug für den längsten Konferenzmarathon. Im Inneren werkelt zudem ein 32 GB großer Speicher. Das bedeutet: Ihr könnt Meetings aufzeichnen, ohne dass das Wave überhaupt an einem Mac hängen muss. Die Verbindung erfolgt wahlweise über USB-C, Bluetooth 5.1 oder den besagten Dongle für eine latenzfreie Funkverbindung. Das Herzstück ist jedoch die Software: Eine KI gestützte Rauschunterdrückung soll über 300 verschiedene Störgeräusche herausfiltern können, während die „InSight“ KI Meetings transkribiert und zusammenfasst.
Bei Amazon kostet der Insta360 Wave 319 Euro. Es existiert ein WaveLink Bundle inklusive des Insta360 Link 2 Pro für 465 Euro. Hier spart man 15 Prozent gegenüber dem Einzelkauf.
Einstecken, Mac erkennt das Gerät, fertig. So muss Plug-and-Play sein. Im Test zeigte sich schnell: Die Audioqualität ist beeindruckend. Stimmen werden voll und natürlich übertragen. Selbst wenn man im Raum umherläuft – die Mikrofone fangen einen bis zu einer Distanz von etwa 5 Metern
zuverlässig ein. Besonders die KI-Rauschunterdrückung leistet ganze Arbeit. Egal ob klappernde Tastaturen, ein laufender Ventilator oder ein Hund, der im Hintergrund mit Spielzeug quietscht: Das Gegenüber hört davon fast nichts. Die Stimme bleibt im Vordergrund.Ein Highlight, das manchen Blogger als Mittel gegen „Meeting Fatigue“, also Meeting-Müdigkeit, beschreiben, ist die Transkriptionsfunktion. Man tippt auf den Record-Button am Touchscreen, und das Gerät schneidet mit. Nach dem Meeting lädt das Wave die Datei via Wi-Fi, dem eigenen WLAN, in die Insta360 Cloud hoch. Kurz darauf erhält man eine Zusammenfassung, To-Dos und das komplette Transkript. Das funktioniert erstaunlich gut und nimmt einem den Stress, jedes Wort mitschreiben zu müssen.
Mehr als ein nettes Gimmick für alle, die schon eine Insta360 Link 2 Webcam besitzen: Die Kamera lässt sich oben auf das Wave aufstecken. Die beiden Geräte kommunizieren dann miteinander. Spricht jemand im Raum, dreht sich die Webcam dank der Audio-Ortung des Wave automatisch zum Sprecher. Ein kleines „Tower of Power“ Setup für den Konferenztisch. Allerdings ist der Mechanismus der oberen Abdeckkappe etwas fummelig – hier hätten wir uns eine intuitivere Lösung gewünscht, wie nicht nur mir, sondern einigen YouTubern ebensfalls auffiel.
Ich habe hier den Insta360 Link 2 ausprobiert. Vorab so viel: Ich habe bsilang keine bessere Webcam gesehen oder genutzt!
Kritik gibt es auch: Die KI-Zusammenfassungen können zwar hilfreich sein, neigen aber inhaltlich dazu, etwas geschwätzig zu sein. Man muss die KI also ein wenig „erziehen“ oder die passenden Templates wählen. Zusätzlich stellt er Upload in die Insta360 Cloud in vielen beruflichen Kontexten ein rechtliches Problem dar. Kaum ein Unternehmen lässt es zu, dass interne Meetings, auch wegen nötiger Zustimmung der Beteiligten, in eine unzertifizierte Cloud geladen werden. Damit beschränkt sich die KI- und Cloud-Funktionalität auf private Kontexte. Zudem ist das Gerät mit knapp 320 Euro kein Schnäppchen. Für den Preis bekommt man schon sehr gute reine Mikrofone.
Das Insta360 Wave ist mehr als nur ein Mikrofon – es ist ein echter Assistent für den modernen Arbeitsplatz. Die Kombination aus hervorragender Audioqualität, dem cleveren Standalone-Recording und den wirklich nützlichen KI-Funktionen -wenn dies rechtlich sicher nutzbar ist- macht es zu einem mächtigen Werkzeug für alle, die viel Zeit in Calls verbringen. Die Verarbeitung ist top, die Integration in den Alltag seamless.
Dennoch:
Der Preis ist ambitioniert, gerade für alle, denen die Nutzung der KI-Funktionalität wegen Unternehmensvorgaben unmöglich ist. Zugleich reletiviert sich der Preis, wenn man den Wave für virtuelle Gruppenmeetings und im mobilen Besprechungseinsatz nutzt.
Der Wechsel der oberen Kappe für die Webcam Montage ist unnötig kompliziert gelöst.
Stereo-Aufnahmen sind unverständlicherweise auf den Kabelbetrieb beschränkt.
Wer aber bereit ist, das Geld in die Hand zu nehmen, bekommt mit dem Wave einen Konferenzlautsprecher, der nicht nur optisch durch den „Levitation-Effekt“ etwas hermacht, sondern einem tatsächlich Arbeit abnimmt. Für Viel-Telefonierer, Content Creator und Podcaster, die eine All-in-One Lösung suchen, ist das Wave definitiv einen Blick wert.
Ich empfinde den Insta360 Wave, gerade auch mit der Insta360 Link 2 Webcam als sehr empfehlenswertes Tool im berufslichen Alltag. Wer nur hin und wieder oder gar ausschließlich privat hierfür Verwendung hätte, wird sich sicherlich nicht direkt für das Gerät entscheiden.
Der Insta360 Wave wurde uns von Insta360 für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an den Hersteller.
Bilder Autor und Insta360
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