Manche Altersprüfungen im Netz lassen sich offenbar überraschend leicht umgehen. Eine aktuelle Befragung aus dem Vereinigten Königreich zeigt, wie erfinderisch Kinder dabei vorgehen.
Umfrage: Alterskontrollen gelten als leicht zu umgehen
Die britische gemeinnützige Organisation Internet Matters hat rund tausend Kinder zu Alterskontrollen im Internet befragt. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, dass sich diese Prüfungen problemlos umgehen lassen.
Laut Bericht wissen Kinder sehr genau, wie sie Altersabfragen aushebeln können – entweder aus eigener Erfahrung oder über Tipps von anderen. Eine Methode sticht besonders heraus: Kinder malen sich mit einem Make-up-Stift einen falschen Schnurrbart ins Gesicht, damit Systeme zur Altersverifikation sie für älter halten. Diese Technik soll dem Bericht zufolge in mehreren Fällen erfolgreich gewesen sein.
Altersnachweise per Ausweis-Upload unter Kritik
Immer mehr Länder führen Gesetze zur Altersverifikation ein, meist mit dem Ziel, Kinder vor nicht jugendfreien Inhalten zu schützen. Erwachsene müssen dann ihr Alter nachweisen, häufig indem sie Führerschein oder Reisepass an einen externen Dienst hochladen, bevor sie auf entsprechende Webseiten zugreifen können.
Kritiker:innen warnen, dass solche Vorgaben große Datenbanken mit sensiblen Ausweisdaten entstehen lassen, die gehackt oder geleakt werden könnten. Sie sehen zudem die Offenheit und Dezentralität des Internets gefährdet, wenn Zugänge immer stärker reguliert und zentral kontrolliert werden.
In den USA haben inzwischen etwa die Hälfte aller Bundesstaaten entsprechende Gesetze beschlossen. Auch das Vereinigte Königreich verfügt über eine Altersnachweis-Regelung und gilt als einer der Treiber dieser weltweiten Entwicklung.
Software-Updates und fehleranfällige KI-Schätzungen
Technologieunternehmen reagieren auf den wachsenden Regulierungsdruck mit technischen Anpassungen. Apple liefert beispielsweise Software-Updates für Geräte aus, um die neuen Vorgaben zur Altersverifikation zu unterstützen.
Webplattformen wie Reddit und Meta setzen auf einen Mix aus Ausweis-Uploads und automatisierten Schätzverfahren, bei denen Algorithmen das Alter einer Person nur anhand ihres Aussehens erraten sollen. Andere Dienste, darunter Discord, haben die Einführung ihrer Altersprüfungen nach Protesten aus der Community und wegen Sicherheitsbedenken verschoben.
Die Sache mit dem falschen Schnurrbart ist dabei keineswegs der einzige bekannte Umgehungstrick. Seit der verstärkten Einführung von Alterskontrollen haben Kinder weitere kreative Methoden gefunden. Manche richten ihre Webcam auf erwachsen wirkende Spielfiguren in Videospielen, um die Systeme zu täuschen. In anderen Fällen reichen offenbar schon absurde Grimassen oder ungewöhnliche Gesichtsausdrücke, um die Prüfmechanismen aus dem Tritt zu bringen.
Die Beispiele machen deutlich, wie leicht aktuelle Altersverifikationssysteme manipulierbar sind – und wie groß die Kluft zwischen gesetzlichen Vorgaben und technischer Umsetzung bislang bleibt.
Via: https://techcrunch.com
Titelbild KI (Zur Illustration)
