Apple geht aktuell strikt gegen sogenannte Vibe‑Coding‑Apps vor und blockiert Updates oder entfernt entsprechende Anwendungen aus dem App Store. Betroffen sind unter anderem Replit, Vibecode und Anything.
Zweimaliger Rauswurf aus dem App Store
Während bei Replit und Vibecode lediglich Updates gestoppt wurden, ist die App von Anything bereits zweimal komplett aus dem App Store geflogen. Das Startup sucht nun nach neuen Wegen, um Nutzer:innen weiterhin Apps für Mobilgeräte bauen zu lassen, etwa über eine Desktop‑Variante des Dienstes.
Anything‑Mitgründer Dhruv Amin erklärte im Gespräch mit TechCrunch, Apple habe die App am 26. März entfernt. Seitdem sei es dem Unternehmen nicht gelungen, eine erneute Freigabe zu erhalten – trotz einer kurzen Phase, in der die App zwischendurch wieder verfügbar war.
Laut Amin wurde Anything ursprünglich als mobile Anwendung entwickelt, damit Nutzer:innen, die iOS‑Apps bauen, ihre eigenen Apps direkt auf dem eigenen Gerät während der Entwicklung testen können. Bis Dezember habe es dabei keine Probleme gegeben, erst danach seien bei Anything und vergleichbaren Apps Updates blockiert worden.
Apple verwies das Unternehmen demnach auf Klausel 2.5.2 der Entwicklervereinbarung. Diese untersagt Apps, Code herunterzuladen, zu installieren oder auszuführen. In einer von Anything auf X geteilten E‑Mail heißt es, die App vermarkte sich als mobiler App‑Baukasten für das iPhone und bewerbe das Erstellen nativer iOS‑Apps mit Funktionen wie Ein‑Tap‑App‑Store‑Einreichung, Code‑Export und Bearbeitung des vollständigen Quellcodes.
Sicherheitsbedenken und Marketingverbot
Amin berichtet weiter, dass Apple im Rahmen eines Telefonats argumentiert habe, die Vibe‑Coding‑App könne potenziell genutzt werden, um schädlichen Code herunterzuladen. Außerdem könne ein:e Nutzer:in eine schadhafte App erstellen, sie per Sideloading auf dem eigenen iPhone installieren und anschließend behaupten, sie habe Apples App‑Review‑Prozess durchlaufen.
Am 3. April wurde die Anything‑App zunächst wiederhergestellt, kurz darauf aber erneut entfernt. Apple teilte dem Unternehmen mit, die Anwendung dürfe sich nicht als App‑Baukasten vermarkten.
TechCrunch hat Apple um eine Stellungnahme zu den Vorgängen gebeten und will den Bericht aktualisieren, sobald eine Antwort vorliegt.
Ausweichstrategien: iMessage, Desktop und Android
Nach dem Konflikt mit Apple sucht Anything nach alternativen Wegen, Euch den Bau mobiler Apps zu ermöglichen. Bereits Anfang des Monats hat das Unternehmen eine Funktion gestartet, mit der Nutzer:innen Apps über die iMessage‑Plattform erstellen können. Außerdem soll eine Desktop‑Begleitapp entstehen, mit der sich mobile Apps per Vibe‑Coding am Computer entwickeln lassen.
Darüber hinaus könnte sich Anything künftig stärker auf Googles Betriebssystem Android konzentrieren, das nach Einschätzung von Amin offener ist als iOS.
Neben den Vibe‑Coding‑Anbietern äußert sich auch Epic‑Games‑Chef Tim Sweeney kritisch zu Apples Vorgehen. In einer Antwort an Replit‑Gründer Amjad Masad auf X schrieb Sweeney, Apple müsse „Entwicklungstools‑Apps sofort nicht mehr blockieren“. Diese Praxis widerspreche den von Steve Wozniak formulierten Grundprinzipien von Apple, nach denen jeder Apple‑II‑Computer direkt in eine Programmierumgebung gebootet habe und Nutzung sowie Erstellung von Software gleich behandelt worden seien.
Laut einem Bericht von The Information hat Apple im Zuge KI‑gestützter Programmierwerkzeuge in einem Quartal einen Anstieg der App‑Einreichungen um 84 Prozent verzeichnet. Das könnte das Unternehmen zwingen, seine bislang stark menschengetriebene Prüfprozesse anzupassen. Gleichzeitig könnten Nutzer:innen mit dem Aufschwung KI‑gestützter Programmierung verstärkt verlangen, dass Plattformen wie Apple ihnen erlauben, eigene Apps zu erstellen.
