John Ternus galt lange als wahrscheinlichster Kandidat für die Nachfolge von Tim Cook – nun steht fest: Er wird Apples neuer CEO. Wer ist der Ingenieur, der Apple in die nächste Ära führen soll?
Vom Maschinenbaustudium zu Apple
Ternus stammt aus Kalifornien und schloss 1997 sein Maschinenbaustudium an der University of Pennsylvania ab, wo er auch im Schwimmteam aktiv war. Sein Abschlussprojekt war ein mechanischer Fütterungsarm, der sich per Kopfbewegung steuern ließ und Menschen mit Querschnittslähmung oder eingeschränkter Mobilität unterstützen sollte. Danach arbeitete er bei Virtual Research Systems, einem Start-up für VR-Headsets und Zubehör.
Nur wenige Jahre nach dem Studium wechselte Ternus 2001 zu Apple in das Produktdesign-Team. Dort arbeitete er zunächst unter anderem am Apple Cinema Display. Bereits nach rund drei Jahren stieg er zum Manager auf. Sein damaliger Chef Steve Siefert berichtete der „New York Times“, Ternus habe bewusst auf ein eigenes Büro verzichtet, um im Großraumbüro näher bei seinem Team zu bleiben – selbst als ihm 2011 nach Sieferts Ruhestand erneut ein Büro angeboten wurde.
Aufstieg zum Hardware-Chef und künftigen CEO
Ab 2005 leitete Ternus eine Hardware-Engineering-Gruppe für iMacs der G5-Serie und verbrachte viel Zeit bei Zulieferern in Asien. Diese Erfahrungen mit Fertigung und Lieferketten prägten seine weitere Arbeit. 2013 wurde er Vizepräsident für Hardware-Entwicklung und Stellvertreter von Dan Riccio. Neben dem Mac-Team übernahm er auch Verantwortung für das iPad und war laut Apple an jeder iPad-Generation beteiligt.
Laut einem „Bloomberg“-Porträt war Ternus eine treibende Kraft hinter iPadOS, weil iOS das Potenzial der größeren Bildschirme und leistungsfähigeren Prozessoren nicht ausschöpfte. Er setzte zudem Funktionen wie den Apple Pencil mit magnetischem Laden und Koppeln durch. Zu den Projekten unter seiner Verantwortung zählen außerdem iPhone 12, AirPods sowie die Einführung von LiDAR in den Pro-iPhones, das er aus Kostengründen bewusst auf diese Modelle beschränken wollte.
Eine Schlüsselrolle spielte Ternus beim Übergang von Intel-Prozessoren zu Apple-Chips. In Präsentationen und Interviews erklärte er die Vorteile von Apple Silicon und wurde zu einem der sichtbaren Gesichter dieser Strategie. Im Januar 2021 löste er Dan Riccio als Senior Vice President Hardware Engineering ab und übernahm die Verantwortung für iPhone-, iPad-, Mac- und AirPods-Teams, direkt unterstellt an Tim Cook.
Erfolge, Fehlentscheidungen und wachsender Einfluss
Ternus’ Bilanz ist nicht makellos. Er unterstützte die Touch Bar im MacBook Pro und drängte auf die Butterfly-Tastatur, die später zu zahlreichen Beschwerden und Klagen führte. Sein Fokus auf Kostensenkung belastete zeitweise das Verhältnis zum Industrial Design Team, das zeitweise andere Nachfolgepläne favorisieren wollte. Beim HomePod sprach er sich gegen eine Kamera aus, übernahm aber Verantwortung für Apples Rückstand bei smarten Lautsprechern und treibt neue Geräte für den Heimgebrauch voran.
Gelegentlich wich er von seinem sonst als nahbar beschriebenen Führungsstil ab, etwa bei Problemen mit niedriger Latenz zwischen Apple Vision Pro und AirPods Pro, als er intern stärker nach Schuldigen suchte statt nach Lösungen. Gleichzeitig tritt Ternus seit seiner Beförderung häufiger öffentlich auf: in Produktpräsentationen, TV-Interviews und Gesprächen über Themen wie Apple Silicon, Reparierbarkeit und Haltbarkeit von Geräten. Er verteidigte dabei etwa das Konzept der Teile-Kopplung und betonte, Ziel seien langlebige Produkte statt maximale Reparierbarkeit um jeden Preis.
Sein Verantwortungsbereich wuchs weiter: 2024 übernahm er nach der schleppenden Einführung von Apple Intelligence die Hardware-nahe Robotik, einschließlich Projekten wie einem smarten Haushaltsroboter. Anfang 2026 kam die Rolle als „Executive Sponsor“ für das Design-Team hinzu, das zuvor bei Jeff Williams lag. Offiziell blieb die Designorganisation zwar Tim Cook unterstellt, doch Ternus vertritt Hardware- und Softwaredesign in der Geschäftsleitung.
Mit 50 Jahren gehört Ternus zu den jüngeren Führungskräften bei Apple und kann die Rolle des CEO voraussichtlich über viele Jahre ausfüllen. Intern genießt er breite Unterstützung und gilt als kommunikativer Manager, der Teams befähigt und an Cooks Führungsstil anknüpft. Apple erhält mit ihm einen CEO, der tief im Hardware- und Technologie-Bereich verwurzelt ist und auf bestehende Stärken in Design und Fertigung aufbauen kann.
Tim Cook hat damit frühzeitig für Kontinuität an der Spitze gesorgt. John Ternus wird nun die Aufgabe haben, Apple langfristig zu prägen und die nächste Entwicklungsphase des Unternehmens zu gestalten.
