Am 6. Juni vor 54 Jahren wurde das Patent für die Diskette erteilt. Was als flexible Magnetscheibe begann, prägte jahrzehntelang, wie wir Daten speichern und austauschen.
Das IBM-Patent und die ersten 8-Zoll-Disketten
Am 6. Juni 1972 bekamen zwei IBM-Ingenieure das US-Patent mit der Nummer 3.668.658A für eine „magnetische Aufzeichnungsscheibenhülle“. Die Erfindung beschrieb ein rotierendes magnetisches Speichermedium in einer schützenden Hülle, die die Oberfläche gleichzeitig schützen und reinigen sollte. Diese ersten Disketten hatten einen Durchmesser von 8 Zoll und boten nur 80 Kilobyte Speicherplatz, nahmen also für heutige Verhältnisse sehr viel Platz ein.
Im Gegensatz zu den später verbreiteten, starren 3,5-Zoll-Datenträgern waren die 8-Zoll- und auch die 5,25-Zoll-Disketten tatsächlich flexibel und gaben der „Floppy-Disk“ ihren Namen. Betrachtet man das Erteilungs- und Veröffentlichungsdatum des Patents, sind Disketten damit offiziell 54 Jahre alt. Die Entwicklungsarbeit an diesem tragbaren Speichermedium startete jedoch schon 1967 im Rahmen von IBMs Projekt „Minnow.
In diesem Projekt schlug IBM eine flexible Mylar-Scheibe vor, beschichtet mit magnetischem Material, die über einen Schlitz in ein Laufwerk eingeführt und auf einer Spindel gedreht werden konnte. Sie sollte als tragbares, entfernbares Speichermedium dienen und Magnetbänder oder Lochkarten ersetzen. Zudem setzte sich IBM ehrgeizige Kostenziele: Unter 200 US-Dollar (rund 185 Euro) für das Laufwerk und unter 5 US-Dollar (rund 4,60 Euro) pro Diskette.
Von Lochkartenersatz zum Standardmedium
IBM brachte die ersten 8-Zoll-Disketten bereits 1971 in die Produktion, also ein Jahr vor dem nun gefeierten Patentdatum, zusammen mit passenden Laufwerken. Nutzer:innen konnten das System somit schon einige Monate vor der formellen Patenterteilung einsetzen. Sowohl die Disketten als auch die Laufwerke erhielten ihre US-Patente im Jahr 1972.
Trotz der Größe war die Speicherkapazität der frühen 8-Zoll-Formate begrenzt, besonders im Vergleich mit späteren, kleineren Disketten. IBM bewarb sie zunächst mit dem Hinweis, dass eine Diskette so viele Daten wie 3.000 Lochkarten speichern könne. Das passte zur damaligen Rechenzentrumswelt, entsprach aber laut anderen Quellen lediglich etwa 80 Kilobyte.
Ein wichtiger Meilenstein folgte 1977, als laut IBM-Blog der Apple II mit 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken auf den Markt kam. Steve Wozniak entwickelte dafür ein Aufzeichnungsverfahren namens gruppencodierte Aufzeichnung, mit dem 140 Kilobyte pro Diskette möglich waren, deutlich mehr als die üblichen 90 Kilobyte in einfacher Dichte. 1978 führte Tandon dann ein zweiseitiges Laufwerk ein, das mit doppelseitigen Disketten bis zu 360 Kilobyte speichern konnte.
Vom Höhenflug zum nostalgischen Relikt
1984 erhöhte IBM die Kapazität weiter und brachte ein hochdichtes 5,25-Zoll-Format mit bis zu 1,2 Megabyte Speicherplatz heraus. Im selben Jahr führte Apple den ersten Macintosh ein, ausgestattet mit einem 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk von Sony, das 400 Kilobyte speichern konnte. IBM verfeinerte dieses kompaktere, starre Diskettenformat 1986 mit der 1,44-Megabyte-Standard-3,5-Zoll-Diskette.
Disketten hatten für Computertechnik eine bemerkenswert lange Lebensdauer. IBM schätzt, dass auf dem Höhepunkt jährlich mehr als 5 Milliarden Disketten verkauft wurden. Einen Wendepunkt markierte 1998 Apple mit dem ersten iMac, der ohne eingebautes Diskettenlaufwerk auskommen musste und viele Technikjournalist:innen damals überraschte.
Im Jahr 2026 sind Disketten für die meisten Computerfans vor allem ein nostalgisches Symbol für die Frühzeit der Personal Computer. Dennoch tauchen gelegentlich noch Einsatzgebiete auf, die von moderner Technik weitgehend unberührt geblieben sind, etwa im Nahverkehr der Stadtbahn San Francisco, in Gefängnissen in New Jersey oder bei der Deutschen Marine.
Via: https://www.tomshardware.com
tTitelbild KI (Zur Illustration)
