US-Präsident Donald Trump hat überraschend verkündet, dass Apple künftig gemeinsam mit Intel Chips in den USA entwickeln und herstellen will. Apple und Intel selbst schweigen bislang zu den Details.
Präsident macht Deal öffentlich, Firmen bleiben stumm
Die Nachricht stammt nicht von Apple oder Intel, sondern von einem Beitrag Trumps auf der Plattform Truth Social. Darin kündigte er an, Apple habe zugestimmt, mit Intel zusammenzuarbeiten, um Chips in den Vereinigten Staaten zu entwerfen und zu fertigen. Weder Apple noch Intel hatten den angeblichen Deal zu diesem Zeitpunkt bestätigt.
Bemerkenswert ist vor allem, dass eine kommerzielle Vereinbarung zwischen dem derzeit wertvollsten Unternehmen der Welt und einem teilweise staatlich gehaltenen Chipkonzern vom Präsidenten öffentlich gemacht wird, nicht von den beteiligten Firmen. Trumps Beitrag blieb zudem vage: Es gab keine Angaben zu Stückzahlen, Zeitplan, betroffenen Chiptypen oder Investitionssummen.
Bekannt ist lediglich der Weg bis hierher. Intel und Apple sprechen seit mehr als einem Jahr miteinander. Im Mai berichtete das „Wall Street Journal“, die Unternehmen hätten eine vorläufige Vereinbarung geschlossen, nach der Intel einige Chips für Apple fertigen soll. Trumps Post wirkt daher eher wie der öffentliche Anspruch auf bereits laufende Verhandlungen, passend zu den Interessen seiner Regierung.
Regierung als Anteilseignerin – und lauteste Werbestimme
Diese Interessen sind erheblich. Die Trump-Regierung hat im vergangenen Jahr rund 10 Prozent an Intel übernommen und sich verpflichtet, etwa 10 Milliarden US‑Dollar (rund 9,3 Milliarden Euro) in den Ausbau von Fabriken in den USA zu investieren. Damit ist Washington zugleich Anteilseignerin und wichtigste Fürsprecherin des Konzerns.
Trump hat laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen persönlich bei Apple-Chef Tim Cook für Intel geworben, unter anderem in einem Treffen im Weißen Haus. Eine Regierung, die am Zulieferer beteiligt ist, hat ein starkes Interesse daran, die Kundengewinne öffentlich hervorzuheben.
Für Apple geht es dabei weniger um Patriotismus als um Versorgungssicherheit. Der Konzern ist bei seinen fortschrittlichsten Prozessoren fast vollständig von TSMC in Taiwan abhängig. Deren modernste Fertigungslinien sind stark ausgelastet, unter anderem durch Nvidia und AMD, deren KI-Beschleuniger dieselben knappen Kapazitäten benötigen.
Eine zweite Quelle könnte Apple gegen diese Engpässe absichern. Das Unternehmen hat dazu bereits Sondierungsgespräche mit Intel und Samsung geführt. Intels Fertigungsprozess 18A gilt als erster US-basierter Technologieknoten, der die Anforderungen theoretisch erfüllen könnte.
Hohe Kosten, offene Fragen und politischer Druck
Der Begriff „theoretisch“ ist jedoch entscheidend. Intels Kosten pro Chip liegen ungefähr beim Dreifachen von TSMC, und auch die Ausbeute ist deutlich schlechter. Dennoch hat sich der Intel-Aktienkurs in diesem Jahr verdreifacht – getragen von staatlicher Unterstützung und den Gesprächen mit Apple, weniger von bereits bewiesener Fertigungsleistung im großen Maßstab.
Innerhalb von Apple gibt es Zweifel, ob Silizium außerhalb von TSMC bei Ausbeute, Leistung und Zeitplänen mithalten kann, auf denen die Produktplanung des Konzerns basiert. Gleichzeitig umwirbt Intel weitere Großkund:innen: Google und Nvidia sehen den Hersteller als mögliche Absicherung für KI-Chips, während die Dominanz Taiwans zunehmend als strategisches Risiko betrachtet wird. Ob Apple zum Referenzkunden wird, der Intels Auftragsfertigung den Durchbruch bringt, oder nur ein weiterer Name auf einer Liste von Gesprächen bleibt, entscheidet letztlich die Produktionsleistung.
Die politische Dimension rund um Intel ist inzwischen ungewöhnlich persönlich. Die Aktie des Unternehmens hat sich unter Vorstandschef Lip-Bu Tan in diesem Jahr mehr als verdreifacht. Der Anstieg wird ebenso stark Tans Beziehungen zu Trump, Elon Musk und Apple zugeschrieben wie konkreten Fortschritten in den Fabriken. Diese Lücke zwischen Erzählung und tatsächlicher Umsetzung ist das Risiko hinter der Ankündigung.
Unklar ist auch, welche „Apple-Chips“ überhaupt gemeint sind. Die fortschrittlichsten Prozessoren in aktuellen iPhones und Macs lassen sich am schwersten von TSMC lösen, weil Apple seine Produkt-Roadmaps eng an die dort erzielten Ausbeuten und Zeitpläne gekoppelt hat. Ein erster Intel-Auftrag, falls er zustande kommt, dürfte eher weniger anspruchsvolle Bauteile betreffen, um die Beziehung anzutesten, ohne direkt Flaggschiffprodukte auf eine unerprobte Fertigung zu setzen. Dazu schweigen sowohl Trump als auch beide Unternehmen.
Derzeit steht damit vor allem ein präsidialer Beitrag zwei schweigenden Konzernen gegenüber. Ob und welche Bestellungen folgen, wird mehr aussagen als jede politische Ankündigung.
Via: https://thenextweb.com
Titelbild KI (Zur Illustration)
