Nach dem Besuch von Apple-Chef Tim Cook bei einer privaten Filmvorführung im Weißen Haus mehren sich in sozialen Medien Boykottaufrufe gegen Apple. Der Anlass sorgt für Kritik an Cook und der Unternehmensführung.
Exklusive Vorführung im Weißen Haus
Am Samstagabend nahm Tim Cook mit etwa 70 geladenen Gästen an der Präsentation der Dokumentation „Melania“ im Ostsaal des Weißen Hauses teil. Der Film, der das Comeback der First Lady beleuchtet, wurde von Brett Ratner inszeniert. Gegen Ratner wurden in der Vergangenheit mehrfach Vorwürfe wegen sexueller Belästigung erhoben. Neben Cook waren auch weitere Tech-Konzernleitende wie Andy Jassy (Amazon), Eric Yuan (Zoom) und Lisa Su (AMD) anwesend. Begleitet wurde der Abend von einer Militärkapelle, die „Melanias Walzer“ spielte. Das Event zeichnete sich durch sorgfältige Inszenierung aus: Die Gäste erhielten Popcorn in Erinnerungsboxen und ein eigens gerahmtes Kinoticket.
Kritik nach tragischem Zwischenfall
Der Abend fand nur wenige Stunden nach einem tödlichen Einsatz von Grenzschutzbeamt:innen in Minneapolis statt. Dabei kam es zur Erschießung eines 37-jährigen Krankenpflegers während einer Einwanderungsoperation. Der Vorfall löste weitreichende Proteste aus, insbesondere da es sich um den zweiten tödlichen Polizeieinsatz in Minneapolis innerhalb eines Monats handelte.
In den sozialen Netzwerken wuchs daraufhin die Kritik an Tim Cook sowie an anderen teilnehmenden Führungskräften. Politische Kommentator:innen und Apple-Kund:innen machten ihrer Empörung Luft. Vor allem Cooks öffentliche Positionierung für soziale Gerechtigkeit und Diversity wurde hinterfragt. Zahlreiche Nutzer:innen erklärten, zu anderen Plattformen wechseln zu wollen, und veröffentlichten entsprechende E-Mails an das Unternehmen. Ein:e Besitzer:in von Apple-Aktien schrieb unter anderem, Cooks Teilnahme an jenem Tag habe die Firma beschämt.
Imageproblem durch öffentliche Wahrnehmung
Tim Cook steht besonders im Fokus, da er Apple in den vergangenen Jahren eng mit progressiven Werten verbunden hat. Er war 2014 der erste offen homosexuelle Vorstandschef eines Fortune-500-Unternehmens, setzte sich öffentlich gegen diskriminierende Gesetze ein und kritisierte den Umgang anderer Tech-Unternehmen mit Nutzungsdaten. Cooks Twitter-Profil zeigt weiterhin ein Zitat von Martin Luther King Jr.: „Die dringlichste Frage ist: Was tust du für andere?“ In den Netzwerken werfen ihm Kritiker:innen vor, seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht zu werden.
Die Differenzierung zu anderen Konzernleitenden wie Andy Jassy oder Eric Yuan sehen viele in Cooks persönlicher Verquickung mit den Werten der Marke Apple. Nutzer:innen zahlen bewusst hohe Preise für die Produkte und erwarten eine klare Haltung. Zusätzlich wurde berichtet, dass Cook im August Präsident Trump ein 24-karätiges Goldornament überreichte, das dessen Schreibtisch noch immer zieren soll. Die Kombination aus politischen Symbolen und Unternehmenswerten verstärkt aktuell die öffentliche Kritik.
Bislang haben weder Tim Cook noch Apple eine Stellungnahme zu den aktuellen Vorwürfen oder Boykottaufrufen veröffentlicht. Das Unternehmen steht ohnehin seit längerem unter kartellrechtlicher Beobachtung in den USA und muss sich aktuell vor Gericht gegen Vorwürfe eines illegalen Smartphone-Monopols verteidigen.
Die nächste jährliche Hauptversammlung von Apple ist für den 24. Februar angesetzt. Ob die Debatte dort erneut aufkommt und wie das Unternehmen reagiert, bleibt abzuwarten. Der Film „Melania“ wird ab Freitag in 1.400 Kinos starten. Die Prognosen für das Eröffnungswochenende liegen bei einem Einspielergebnis von 1 bis 2 Millionen US-Dollar (rund 920.000 bis 1,84 Millionen Euro). Amazon hat die Streamingrechte für 40 Millionen US-Dollar (etwa 36,8 Millionen Euro) erworben. Cooks Twitter-Profil trägt weiterhin das Zitat von Martin Luther King Jr.
Via: https://www.yahoo.com
Titelbild: Screenshot / Weisses Haus.
