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Telegram reagiert mit Stinkefinger auf Terrorvorwürfe aus Russland

Das Logo von Telegram zeigt ein weißes Papierflugzeug auf einem blauen Hintergrund.

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Russland erhebt schwere Terrorvorwürfe gegen Telegram-Gründer Pawel Durow und setzt ihn auf eine internationale Fahndungsliste. Der Messenger-Dienst kontert mit einer eindeutig provokativen Geste.

Vorwurf: Unterstützung von Terror und Sabotage

Russlands Inlandsgeheimdienst FSB wirft Durow vor, „Terrorismus unterstützt“ zu haben. Telegram soll es versäumt haben, Kanäle, Chats und Bots zu löschen, die angeblich vom ukrainischen Geheimdienst zur Planung von Angriffen in Russland genutzt wurden. Die Ermittlungen wegen Terrorismus wurden im Februar öffentlich, nun folgen konkrete Anklagepunkte.

Nach Angaben des FSB wurde Telegram zur Koordination von Sabotageakten, Terroranschlägen, Massentötungen und Cyberbetrug eingesetzt. Diese Taten sollen Todesopfer gefordert und erhebliche Sachschäden verursacht haben. Wie genau Telegram dabei eine Rolle gespielt haben soll, geht aus den bisherigen Angaben der Behörden nicht im Detail hervor.

Dating-Chatbot im Zentrum der Ermittlungen

Ein Schwerpunkt der russischen Ermittlungen ist der beliebte Telegram-Dating-Chatbot Daivinchik/Leo, der in Russland als Ersatz für die nicht mehr verfügbare App Tinder gilt. Laut FSB und dem Ermittlungskomitee Russlands sollen ukrainische Agent:innen sich dort als junge Frauen ausgegeben haben, um junge Russ:innen anzuschreiben und zu ködern.

Die so angesprochenen Personen sollen anschließend zu Straftaten gedrängt worden sein. Russische Behörden sprechen von 46 Festnahmen innerhalb des vergangenen Jahres. Die Festgenommenen sind demnach zwischen 12 und 22 Jahre alt und werden beschuldigt, Angriffe auf Strafverfolgungsbehörden verübt oder Brandanschläge auf Transport-, Energie-, Kommunikations- und Finanzinfrastruktur ausgeführt zu haben. Die Ukraine hat sich zu diesen Vorwürfen bislang nicht geäußert.

Durow, 41 Jahre alt, muss im Fall einer Verurteilung mit lebenslanger Haft rechnen. Der FSB erläuterte nicht, auf welchem Weg Durow auf eine internationale Fahndungsliste gesetzt werden soll. Unklar ist auch, ob Moskau eine Rotecke über Interpol beantragen will. Durow lebt in Dubai, besitzt die französische und emiratische Staatsbürgerschaft und hatte sich zuletzt in Georgien aufgehalten. Sein aktueller Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

Druck auf ausländische Dienste und Durows Vorgeschichte

Der Fall steht im Kontext einer verschärften Kampagne Russlands gegen ausländische Internetdienste. Telegram wird im Land faktisch ausgebremst, viele Nutzer:innen greifen nur noch per VPN auf den Dienst zu. Gleichzeitig veröffentlichen der Kreml und das russische Verteidigungsministerium weiterhin täglich Beiträge auf Telegram.

Über die Drosselung hatten sich zuvor russische Soldaten und regierungsnahe Kriegsblogger beschwert, die auf den Messenger angewiesen sind. Die russische Führung versucht parallel, die Bevölkerung auf den staatlich unterstützten Dienst Max umzulenken. Eine anschließende Verschärfung gegen VPN-Dienste wurde für weitreichende Störungen im Bankensektor verantwortlich gemacht.

Telegram selbst reagierte ungewöhnlich deutlich: Auf dem offiziellen Konto des Unternehmens bei X erschien ein Foto von Durow, auf dem er den Stinkefinger zeigt. Damit signalisiert das Unternehmen offen seine Ablehnung gegenüber den russischen Anschuldigungen.

Durows juristische Probleme beschränken sich nicht auf Russland. In Frankreich wurde er 2024 festgenommen, weil Telegram angeblich nicht ausreichend gegen Kriminalität auf der Plattform vorgegangen sei und Ermittler:innen nicht genügend unterstützt habe. Durow wies die Vorwürfe zurück und durfte Frankreich wieder verlassen, während die Ermittlungen weiterliefen.

In der Folge passte Telegram seine Nutzungsbedingungen an. Seitdem kann der Dienst IP-Adressen und Telefonnummern von Verdächtigen auf Grundlage gültiger rechtlicher Anordnungen an Behörden übermitteln. Durow hatte Russland bereits 2014 verlassen, nachdem er nach eigenen Angaben wegen des von ihm gegründeten sozialen Netzwerks Wkontakte unter Druck gesetzt worden war. Er beschreibt die Maßnahmen Moskaus gegen Telegram als Versuch, Privatsphäre und Meinungsfreiheit einzuschränken. Die aktuelle Reaktion des Unternehmens auf die neuen Vorwürfe deutet darauf hin, dass sich an dieser Haltung nichts geändert hat.

Via: https://www.techspot.com

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Tags: Terrorvorwürfe, Max-Dienst, Russland, Frankreich, Telegram, Datenschutz, VPN, Meinungsfreiheit, Pawel Durow, FSB

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