Verzögerungen beim Bau eines bemannten Mondlanders bringen SpaceX in Zugzwang. Die NASA prüft daher Alternativen für die geplante Artemis-3-Mission.
Neuer Zeitplan für Artemis 3
SpaceX wurde 2021 von der NASA damit beauftragt, das erste bemannte Landegerät für das Artemis-Programm zu entwickeln. Dazu entstand Starship HLS, eine weiterentwickelte Variante des oberen Starship-Teils, die Astronaut:innen sicher auf den Mond bringen und zurückholen soll. Der Fortschritt hängt eng mit der Entwicklung des Starship-Grundsystems zusammen, das dieses Jahr jedoch mehrfach ins Stocken geraten ist.
Interne Informationen aus einem SpaceX-Dokument, das Politico vorliegt, zeigen nun: Der früheste mögliche Starttermin für die geplante Mondlandung hat sich auf September 2028 verschoben – mehr als ein Jahr nach dem eigentlichen NASA-Ziel in der Mitte von 2027. Selbst dieses Ziel gilt als ambitioniert, da zentrale Meilensteine für Starship HLS bislang noch nicht erreicht wurden.
Als Reaktion auf die Verzögerungen öffnete die NASA im Oktober 2024 den Artemis-3-Vertrag erneut für andere Anbieter. SpaceX überarbeitet den Entwicklungsplan und will laut dem Bericht bis Dezember einen überarbeiteten „integrierten Hauptzeitplan“ an die NASA übermitteln. Darin ist vorgesehen, dass im Juni 2026 erstmals eine Betankung von Starship HLS im Orbit erfolgen soll – ein entscheidender Schritt, da das Raumschiff erst mit gefüllten Tanks den Mond ansteuern kann. Im Juni 2027 wäre dann eine unbemannte Mondlandung vorgesehen. Kommt es dabei zu keinen weiteren Verzögerungen, könnte die erste bemannte Landung im September 2028 erfolgen.
Ein wesentliches Risiko bleibt: Starship hat bislang keinen voll erfolgreichen Orbitalflug absolviert – eine Grundvoraussetzung für die geplante Betankung und weitere Tests. Die nächste Entwicklungsstufe, Starship Version 2, soll ab Anfang 2026 erstmals fliegen und wird die Basis für die Mondlandung bilden. Bereits beim Vorgänger kam es 2025 zu technischen Schwierigkeiten – auch für Starship V2 ist der Zeitplan eng und könnte sich weiter verzögern.
Konkurrenz drängt auf Artemis 3
Wie die NASA auf die aktualisierte Planung von SpaceX reagiert, bleibt abzuwarten. Die Wettbewerbssituation hat sich jedoch in den vergangenen Monaten verschärft. Pressesprecherin Bethany Stevens erklärte gegenüber Gizmodo, dass sowohl SpaceX als auch Blue Origin ihre Zeitpläne für den HLS beschleunigen möchten. Die NASA holt derzeit mit einem offiziellen Markterkundungsverfahren (Request for Information) weitere Vorschläge aus der Branche ein. Expert:innen der Behörde werden alle Einreichungen prüfen und anschließend über das weitere Vorgehen entscheiden.
Blue Origin gilt als aussichtsreichster Konkurrent: Das Unternehmen entwickelt das eigene Landegerät Blue Moon Mark 2 (MK2). Für Artemis 5 ist der Einsatz bereits fixiert, der Start jedoch noch mehrere Jahre entfernt. Zumindest eine unbemannte Demonstration ist für Januar 2026 geplant. Die nötige Trägerrakete, New Glenn, absolvierte jüngst einen weiteren erfolgreichen Testflug, was einen baldigen Einsatz zum Mond ermöglichen könnte.
Angesichts der fortlaufenden Verzögerungen bei SpaceX wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Blue Origin mit Blue Moon den Zuschlag für Artemis 3 erhalten könnte und damit erstmals ein NASA-Team mit einem anderen System als Starship zum Mond reisen würde.
Ausblick: NASA vor wichtiger Entscheidung
Die nächsten Monate bleiben für die NASA und ihre Partner entscheidend. Während SpaceX sein Konzept weiter ausarbeitet, stehen mit Blue Origin und weiteren Unternehmen weitere Alternativen zur Wahl. Wer das Rennen um die nächste bemannte Mondlandung macht, entscheidet sich womöglich eher im Sitzungssaal als auf der Startrampe.
Via: https://gizmodo.com