Im App Store rollt eine neue Welle von KI-Apps an. „Vibe Coding“ sorgt für einen massiven Anstieg an Einreichungen – mit spürbaren Folgen für Euch als Nutzer:innen.
Was hinter „Vibe Coding“ steckt – und was das mit dem App Store macht
Beim sogenannten „Vibe Coding“ setzen Entwickler:innen auf KI-gestützte Werkzeuge, um Apps deutlich schneller zu erzeugen. Laut einem Bericht, auf den sich The Next Web und AppleInsider beziehen, haben diese Tools 2025 zu einem außergewöhnlichen Sprung bei neuen App-Store-Einreichungen geführt.
In nur einem Quartal stiegen die neuen App-Vorlagen laut The Next Web um 84 Prozent. Das sei der stärkste Zuwachs seit zehn Jahren gewesen. Die Flut an KI-unterstützt entwickelten Apps belastet Apples Prüf-Infrastruktur deutlich. Statt üblicher Genehmigungszeiten von rund 24 Stunden sind Wartezeiten von bis zu 30 Tagen gemeldet worden.
Der Charakter des App Stores verändert sich dadurch sichtbar. In stark automatisierbaren Bereichen tauchen nun vermehrt KI-generierte Anwendungen auf, oft in sehr ähnlicher Ausführung. Dafür reicht ein Satz mit Anforderungen an ein KI-System aus, um eine funktionsfähige App zu erhalten, die anschließend eingereicht wird.
Wie Apple reagiert: Strengeres Durchgreifen und App-Entfernungen
Apple versucht, die Entwicklung einzufangen, und setzt stärker auf bestehende Richtlinien. Laut The Next Web entfernt das Unternehmen verstärkt Apps, die gegen die Regeln zur „Selbstenthaltung“ verstoßen. Diese Vorgaben verlangen, dass Apps eigenständig funktionieren und nicht unerlaubt auf externe Mechanismen oder Inhalte angewiesen sind.
Parallel häufen sich Konflikte rund um die Moderation. Ein aktuelles Beispiel liefert ein Bericht von iClarified: Das KI-Start-up Ex-Human hat Apple in den USA verklagt. Die Firma wirft Apple vor, eine ihrer Apps willkürlich gesperrt zu haben und rund 500.000 US-Dollar (rund 460.000 Euro) an Umsätzen einzubehalten. Ex-Human sieht darin eine unklare und unfaire Durchsetzung der App-Store-Regeln.
Diese Auseinandersetzung zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen Apple und KI-Anbieter:innen werden kann, wenn viele neue Lösungen gleichzeitig in den Store drängen. Für Euch bedeutet das auch: Apps können plötzlich verschwinden, etwa wenn Apple nachträglich strengere Maßstäbe anlegt oder Verstöße erkennt.
Risiken, Chancen – und wie Ihr seriöse KI-Apps erkennt
Für Nutzer:innen bringt die „Vibe Coding“-Welle sowohl Risiken als auch Chancen. Die Schattenseite: mehr Copycat-Apps mit ähnlichen Funktionen, höhere Gefahr minderwertiger oder betrügerischer Anwendungen und unklare Datennutzung. Gleichzeitig können KI-gestützte Tools Innovationen beschleunigen und neue, nützliche App-Kategorien hervorbringen.
Ihr könnt selbst einiges tun, um seriöse KI-Apps von fragwürdigen „vibe-coded“ Anwendungen zu unterscheiden. Achtet auf klare Angaben zu Entwickler:innen, eine nachvollziehbare Datenschutzerklärung und präzise Beschreibungen der Funktionen. Bewertungen und Rezensionen helfen, erste Eindrücke zu prüfen, sollten aber nicht allein ausschlaggebend sein, da neue Apps naturgemäß noch wenig Feedback haben.
Seid zurückhaltend, wenn eine App sofort umfangreiche Berechtigungen fordert, die offensichtlich nicht zur Kernfunktion passen, oder Euch zu schnellen Abos oder Käufen drängt. Unvollständige Angaben zu In-App-Käufen und Abo-Konditionen sind ein Warnsignal, insbesondere bei Apps, die stark nach generischem Baukasten wirken.
Mit den verlängerten Review-Zeiten müsst Ihr außerdem damit rechnen, dass Updates später erscheinen. Bei plötzlich entfernten Apps solltet Ihr prüfen, ob sensible Daten lokal gesichert sind und nach Alternativen Ausschau halten. Bleibt im Zweifel bei bekannten Entwickler:innen oder Anbietern, die transparent kommunizieren, wie sie KI einsetzen.
