Ich habe in den letzten Tagen die neuen Smart Home Produkte von IKEA, die mit Matter arbeiten, ausprobiert. Sind sie nur billig oder im besten Sinne günstig?
Lange Zeit war das IKEA Smart Home – früher bekannt unter dem Namen TRÅDFRI – eine solide, aber in sich geschlossene Angelegenheit. Wer die günstigen schwedischen Komponenten nutzen wollte, kam um das hauseigene Gateway kaum herum, und die Einbindung in Apple Home oder Home Assistant war oft von kleinen Hürden und ZigBee-Eigenheiten begleitet. Doch die Zeiten ändern sich drastisch. Mit einer neuen Produktwelle, die konsequent auf Matter over Thread setzt, bricht IKEA die eigenen Mauern ein.
Ich habe mir die neuen Sensoren und Leuchtmittel geschnappt, die Verfügbarkeit in den deutschen Einrichtungshäusern geprüft und für euch getestet, ob das Versprechen der universellen Kompatibilität wirklich eingelöst wird – und ob der Preis immer noch so heiß ist wie früher.
Ausgepackt – Gelbe Deckel und radikale Sparsamkeit
Der erste Blick im IKEA-Regal verrät sofort, dass sich hier technisch etwas getan hat. Die neuen Verpackungen sind an einem markanten gelben Deckel erkennbar – ein klares Signal an alle Techies: Hier steckt Matter drin. Beim Unboxing der Sensoren wie dem Timmerflotte oder dem Bewegungsmelder Myggspray fällt sofort das typisch minimalistische Design auf. IKEA bleibt sich treu: weißer Kunststoff, funktionale Formen, kein Schnickschnack.
Ein wichtiger Hinweis vorab, der euch den zweiten Weg zum Möbelhaus erspart: IKEA folgt konsequent dem Nachhaltigkeitsgedanken und sicher auch der Kostenoptimierung. Das bedeutet bei Geräten wie dem Luftqualitätssensor Alpstuga, dass weder ein USB-C Kabel noch ein Netzteil beiliegen. Auch bei den batteriebetriebenen Sensoren sucht man vergeblich nach Energiezellen im Lieferumfang. Wer nicht ohnehin eine Schublade voller Kabel und AAA-Akkus hat, sollte beim Einkauf direkt an das passende Zubehör denken. Die Haptik ist solide, wenn auch sehr plastiklastig – was man bei den aggressiven Preisen, die wir gleich sehen werden, aber durchaus verschmerzen kann.
Die Daten – Matter over Thread als neuer Standard
Technisch macht IKEA einen riesigen Sprung. Während die alte Welt auf Zigbee basierte, nutzen die neuen Produkte Matter over Thread. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Geräte kommunizieren direkt mit einem Border Router – sei es ein HomePod mini, ein Apple TV 4K ab 2. Generation oder ein Homey Pro – ohne dass zwingend die IKEA Dirigera Bridge benötigt wird. Das Mesh-Netzwerk „Thread“ sorgt zudem dafür, dass strombetriebene Geräte wie die Glühbirnen das Signal für batteriebetriebene Sensoren verstärken.
Das Besondere an diesem Test: Ich habe die IKEA Dirigera Bridge komplett im Schrank gelassen. Alle Geräte wurden direkt über den Matter-QR-Code in die Apple Home App eingebunden.
Die Sensoren – Das neue Gehirn für’s Smart Home
Beginnen wir mit den Sensoren, die im Alltag oft die unsichtbaren Helden sind und die eigentliche „Intelligenz“ durch Automationen erst ermöglichen.
Timmerflotte: Der günstige Klimawächter
Der Timmerflotte überzeugt durch sein schlichtes Design und ein integriertes Segment-Display. Ein kurzer Druck auf die Taste genügt, um die Werte abzulesen, was besonders praktisch ist, wenn man das iPhone gerade nicht zur Hand hat. Er misst Temperatur und Luftfeuchtigkeit zuverlässig. Mit einem Preis von unter 10 Euro ist er eine Kampfansage an die Konkurrenz von Eve oder Aqara.
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Preis: 9,99 €
Myggspray: Der Bewegungsmelder
Der Bewegungsmelder Myggspray reagiert im Test erstaunlich flink. Im Vergleich zum alten „Vallhorn“-Modell ist er runder und wirkt etwas dezenter an der Wand. Er ist sowohl für den Innen- als auch Außenbereich geeignet und daher IP44 zertifiziert. Die Einbindung über Matter funktionierte in Sekunden, und die Reaktionszeit über Thread ist spürbar schneller als bei alten ZigBee-Lösungen.

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Preis: 9,99 €
Alpstuga: Der Alleskönner
Besonders spannend ist der Alpstuga. Er ist der große Bruder des Timmerflotte und fungiert als Kombi-Sensor für PM 2.5 (Feinstaub), Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Zusätzlich zeigt er die Uhrzeit an, was ihn zum idealen Gadget für den Schreibtisch oder das Nachttischchen macht. Eine LED-Anzeige (Grün, Gelb, Rot) warnt visuell vor schlechter Luft. In meinem Test stieg der Wert beim Kochen sofort an – die Daten stehen via Matter sofort für Automationen (z.B. „Luftreiniger an“) bereit. Achtung: Hier wird zwingend USB-C-Strom benötigt!
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Preis: 29,99 €
Klippbock: Der Wassermelder
Der Klippbock ist klein genug, um unter der Spüle oder hinter der Waschmaschine Platz zu finden. Er meldet Feuchtigkeit sofort mit einem akustischen Signal und einer Push-Nachricht über das Smart-Home-System. Für knapp 10 Euro eine sehr günstige Versicherung gegen Wasserschäden.

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Preis: 9,99 €
Myggbett: Fenstersensor
Auch an die Sicherheit wurde gedacht. Der Myggbett Tür- und Fenstersensor ist zwar physisch etwas größer als teurere Konkurrenzprodukte, funktioniert aber tadellos und extrem schnell.
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Preis: 7,99 €
Glühbirnen & Steuerung: Kajplats und Bilresa
Kommen wir zu den Leuchtmitteln und der Steuerung. Hier spielt IKEA seine Stärken in der Preisgestaltung voll aus.
Kajplats: Matter-Licht für alle
Die Kajplats-Serie deckt die klassischen E27-Bedarfe ab. Ich habe die 806 Lumen Variante getestet. In der Apple Home App unterstützen die Lampen das begehrte Adaptive Lighting (Adaptives Licht). Das bedeutet, dass sich die Farbtemperatur über den Tag hinweg automatisch anpasst: morgens kühl und aktivierend, abends warm und gemütlich. Das Dimmen funktioniert stufenlos.

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Preis: 7,99 €
Bilresa: Der flexible Schalter
Ein echtes Highlight ist der Bilresa-Schalter. Es gibt ihn in zwei Varianten: als einfachen Doppeltaster und mit einem zusätzlichen Drehrad. Er lässt sich in der Home App so konfigurieren, dass jede Taste drei Befehle ausführen kann (Einfachklick, Doppelklick, langes Drücken). Das erlaubt eine enorme Flexibilität. Die Variante mit Drehrad ist haptisch okay, aber softwareseitig noch nicht perfekt in alle Matter-Systeme integriert, aber dazu gleich mehr.
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Preis: 4,99 €
Im Alltag: Nahtlose Integration ohne Brücken-Zwang
Wie schlagen sich die Geräte nun im täglichen Einsatz? Die größte Erleichterung ist zweifellos der Wegfall der IKEA-Bridge. Die Einrichtung über den QR-Code ist kinderleicht und funktionierte bei 90 Prozent der Geräte im ersten Anlauf. Die Reaktionszeiten sind dank Thread minimal: Lichtschalter drücken, Licht an – ohne die „Gedenksekunde“, die man früher oft hatte.
Allerdings gibt es im Alltag auch kleine Stolpersteine. Beim Bilresa-Schalter mit Drehrad zeigte sich im Test, dass die Drehfunktion (Rotation) von Apple Home aktuell noch nicht nativ als Dimm-Befehl interpretiert wird. Hier muss man tricksen oder auf Updates des Matter-Standards hoffen. In Home Assistant hingegen lässt sich das Drehrad bereits besser mappen.
Ein weiterer positiver Aspekt: Firmware-Updates. Wer bisher dachte, ohne IKEA-App gäbe es keine Updates, wird eines Besseren belehrt. Über Matter lassen sich OTA-Updates (Over-the-Air) mittlerweile auch über Hubs wie Home Assistant oder die Aqara App einspielen, was die Langlebigkeit der Produkte sichert.
Wo IKEA nachbessern muss
Trotz aller Euphorie gibt es drei klare Kritikpunkte:
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Die Materialanmutung: Die Gehäuse, besonders beim Fenstersensor Myggbett, fühlen sich sehr leicht und „hohl“ an. Im Vergleich zu Eve-Produkten merkt man den Preisunterschied deutlich. Sie sind funktional, aber keine Design-Objekte.
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Der Lieferumfang: Dass IKEA Batterien und Kabel weglässt, mag ökologisch vertretbar sein. Aber wenn man am Sonntagabend den Alpstuga in Betrieb nehmen will und kein USB-C Kabel übrig hat, ist der Frust vorprogrammiert. Ein deutlicherer Hinweis auf der Verpackung wäre wünschenswert.
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Die Größe: Während die Technik schrumpft, sind einige IKEA-Sensoren immer noch recht klobig. Der Fenstersensor ist fast doppelt so groß wie vergleichbare Modelle von Aqara. An weißen Kunststoffrahmen fällt das kaum auf, an dunklen Holzrahmen wirkt er jedoch wie ein Fremdkörper.
Fazit: Ein Sieg für das offene Smart Home
Mein Fazit fällt sehr positiv aus. IKEA hat mit dem Schwenk auf Matter alles richtig gemacht. Die Produkte sind unverschämt günstig, technisch auf der Höhe der Zeit und lassen sich so einfach wie nie zuvor in bestehende Apple- oder Google-Systeme integrieren.
Wer heute mit Smart Home beginnt, kommt an den neuen IKEA-Produkten eigentlich nicht mehr vorbei. Man kauft sich für rund 50 Euro ein komplettes Starter-Set aus Sensoren (Timmerflotte), Schaltern (Bilresa) und Lampen (Kajplats) und hat eine solide Basis, die dank Thread-Mesh-Netzwerk sogar die Reichweite im ganzen Haus verbessert.
IKEA ist nicht mehr nur der Lieferant für günstige Möbel, sondern entwickelt sich zum ernsthaften Player im Bereich der Heimautomatisierung. Der „schwedische Weg“ über Matter ist ein Sieg für uns Nutzer – weg von proprietären Insellösungen, hin zu einem vernetzten Zuhause, das einfach funktioniert.
Bilder IKEA
