Huawei soll sein Chipgeschäft deutlich ausbauen und künftig auch eigenen Arbeitsspeicher herstellen. Damit könnte der Konzern in eine Liga mit Samsung aufsteigen und sich weiter von westlichen Zulieferern lösen.
Gemeinsame DRAM-Fertigung mit staatlich kontrolliertem Partner
Hinweise mehren sich, dass Huawei seine bisherige Strategie bei Prozessoren und KI-Chips nun auf DRAM-Speicher überträgt. Der chinesische Konzern soll auf dem Festland eigene DRAM-Fertigungsanlagen betreiben und damit direkt mit einem der wenigen Anbieter dieser Größe konkurrieren: Samsung – allerdings für einen deutlich größeren heimischen Markt.
Laut Berichten von Medien und Beiträgen von Halbleiter-Analyst:innen, die das Magazin Block & Files ausgewertet hat, könnte Huawei DRAM-Fabs über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem in Shenzhen ansässigen Speicherhersteller SwaySure aufbauen und steuern. Demnach hätte Huawei faktisch die Kontrolle über mindestens elf Halbleiterfabriken in der Region. Huawei weist diese Darstellung derzeit zurück und bestreitet das Bestehen eines solchen Netzwerks.
Sanktionen treiben Huawei zu mehr Eigenständigkeit
Die aktuelle Berichterstattung knüpft an frühere Hinweise an. Schon 2025 hatte die Financial Times Satellitenaufnahmen einer fortschrittlichen Chip-Produktionslinie veröffentlicht und diese sowohl mit Huawei als auch mit SwaySure in Verbindung gebracht, inklusive staatlicher Finanzierung der gezeigten Anlagen.
Huawei agiert dabei nicht im luftleeren Raum. Das Unternehmen steht unter massivem Druck durch US-geführte Sanktionen, die den Zugang zu moderner Halbleitertechnik stark begrenzen oder teilweise nahezu unmöglich machen. China reagiert darauf zunehmend offensiv und unterstützt Huawei offen und verdeckt auf mehreren Ebenen.
Offen ist die finanzielle Unterstützung klar erkennbar: Der Branchenverband Semiconductor Industry Association schätzt, dass Huawei rund 30 Milliarden US-Dollar (circa 27,5 Milliarden Euro) an staatlicher Förderung vom Zentralstaat und der Stadt Shenzhen erhält, um sein Chipnetzwerk aufzubauen. Eine frühere Schätzung aus dem Jahr 2019 geht von insgesamt 75 Milliarden US-Dollar (circa 68,7 Milliarden Euro) staatlicher Unterstützung über die Lebenszeit aus.
Gleichzeitig hat die chinesische Regierung großen Technologiekonzernen den Kauf von KI-Chips von AMD und Nvidia weitgehend untersagt. Stattdessen wird Huaweis Ascend-Reihe faktisch zum Standard im chinesischen Markt gemacht, was dem Unternehmen Planbarkeit und gesicherte Einnahmen verschafft.
Deutlich schwerer zu erfassen ist die verdeckte Unterstützung. Beobachter:innen gehen von einem Schattennetzwerk an Fabriken aus, die offiziell nicht Huawei zugerechnet werden, aber praktisch als verlängerter Arm des Konzerns fungieren sollen. Diese Intransparenz erschwert es, Umfang und Zielrichtung der Aktivitäten einzuschätzen. Die US-Regierung versucht unter anderem über Einträge verbundener Firmen auf der sogenannten Entity List gegenzusteuern und dieses Geflecht zu durchdringen.
Bemerkenswert ist, dass gerade diese Einstufungen des US-Handelsministeriums laut Berichten nahelegen, dass die Behörden die entsprechenden Unternehmen als Teil eines gemeinsamen Netzwerks betrachten. Das gilt derzeit als einer der stärksten indirekten Belege für die Verbindungen.
Eigener Speicher für KI-Chips – und mögliche Rolle als Zulieferer
Im Zentrum von Huaweis Bemühungen steht der Bedarf an Hochbandbreitenspeicher (HBM) für KI-Anwendungen. Aufgrund verschärfter Exportkontrollen der USA kann Huawei entsprechende Bausteine nicht mehr direkt bei internationalen Anbietern einkaufen. Eigene DRAM-Fertigung könnte diese Abhängigkeit reduzieren.
Sollte Huawei tatsächlich eigenen DRAM produzieren, wäre das ein deutlicher Schritt nach vorn. Kurzfristig könnte der Konzern damit eher als möglicher Zulieferer etwa für Apple auftreten, das Medienberichten zufolge Speicher von chinesischen Herstellern prüft, um eigene Engpässe zu entschärfen. Gleichzeitig konkurriert Huawei mit Apple im Smartphone-Markt, mit Intel bei Server-Prozessoren und mit Nvidia bei KI-Chips, auch wenn Nvidia in China inzwischen deutlich an Boden verloren hat.
Strategisch scheint Huawei vor allem die westliche Position von Samsung im Blick zu haben. Ziel ist es offenbar, chinesische Abhängigkeiten von Lieferanten zu verringern, die Washington sanktionieren kann. Dennoch hat Huawei gegenüber Samsung noch erheblichen Nachholbedarf. Samsung liegt bei HBM nach Einschätzung der Branche rund drei bis vier Jahre vor dem chinesischen Anbieter CXMT, während der Vorsprung bei klassischem DRAM kleiner ist und sich schneller verringert.
Bei NAND-Flash für SSDs, die im KI-Umfeld immer wichtiger werden, haben chinesische Hersteller inzwischen weitgehend aufgeholt. Huawei ist bei der Chipfertigung für CPU und GPU allerdings weiterhin auf SMIC angewiesen. Dessen Verfahren gelten als etwa zwei Technologiestufen hinter Branchenführer TSMC. Huawei entwickelt zwar eigene Designs, lässt diese aber von spezialisierten Auftragsfertiger:innen produzieren.
Sollten sich die Berichte zu eigenen DRAM-Fabs bestätigen, könnte Huawei langfristig zur ersten ernsthaften Alternative zu Samsung als kombiniertem Chipentwickler, -fertiger und Speicherspezialist aufsteigen – mit potenziell weitreichenden Folgen für den globalen Halbleitermarkt.
Via: https://www.techradar.com
Titelbild: KI (zur Illustration)
