YouTube führt eine neue KI-Funktion ein, mit der ihr realistische digitale Versionen von euch selbst erstellen könnt. Die Avatare sollen neue Kreativmöglichkeiten eröffnen und zugleich besser gekennzeichnete KI-Inhalte ermöglichen.
So funktionieren die neuen YouTube-Avatare
Die neue Funktion in YouTube Shorts erlaubt es euch, einen digitalen Zwilling zu erzeugen, der euch im Video realistisch darstellen soll. Dieser Avatar kann in bestehende Shorts eingefügt oder zum Erstellen komplett neuer Clips genutzt werden. Google beschreibt die Avatare als Möglichkeit, KI „sicherer und geschützter“ für neue Inhalte zu verwenden, da sie „so aussehen und klingen wie ihr“.
Die Erstellung erfordert etwas mehr als einen einfachen Knopfdruck, bleibt aber überschaubar. Laut einem Blogeintrag von YouTube müsst ihr zunächst ein „Live-Selfie“ aufnehmen, das euer Gesicht und eure Stimme erfasst, während ihr einer Reihe von Anweisungen folgt. Für gute Ergebnisse empfiehlt die Plattform eine ruhige Umgebung, ordentliches Licht, einen Hintergrund ohne andere Personen oder Gesichter und ein Smartphone auf Augenhöhe.
Ist der Avatar einmal angelegt, könnt ihr beim Erstellen eines Videos die Option „Video mit meinem Avatar erstellen“ wählen. Daraus generiert die KI einen Clip anhand eurer Texteingabe, der laut 9to5Google bis zu acht Sekunden lang sein kann. Außerdem lässt sich der Avatar in „berechtigte Shorts“ aus eurem Feed einfügen, wobei YouTube nicht genauer erklärt, welche Kriterien ein Short dafür erfüllen muss.
Strenge Grenzen und Kennzeichnungspflicht
Google versieht die KI-Avatare mit klaren Nutzungsbeschränkungen. Sie dürfen nur in euren eigenen, originalen Videos auftauchen. Ihr entscheidet außerdem, ob eure Shorts von anderen remixt werden dürfen. Laut YouTube könnt ihr euren Avatar sowie alle Videos, in denen er vorkommt, jederzeit wieder löschen. Wird ein Avatar drei Jahre lang nicht für neue Inhalte genutzt, wird er automatisch entfernt.
Alle Avatar-Videos werden nach Angaben der Plattform eindeutig als KI-generiert markiert. Dazu gehören sichtbare Wasserzeichen und digitale Kennzeichnungen wie SynthID und C2PA. Letzteres ist ein breit unterstützter Standard zur Authentifizierung von Inhalten, der genutzt wird, um KI-generierte Medien zu kennzeichnen.
Langsamer Start, Konkurrenzdruck und mehr KI-Werkzeuge
Nicht alle Nutzer:innen erhalten sofort Zugriff auf die neue Funktion. YouTube spricht von einer „schrittweisen Einführung“, nennt aber weder einen konkreten Zeitraum noch erste Regionen. Klar ist nur: Wer den Avatar nutzen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein und bereits einen eigenen YouTube-Kanal besitzen.
Die Avatare ergänzen ein stetig wachsendes Paket an KI-Werkzeugen für Creator:innen auf YouTube. Dazu zählen KI-generierte Videoausschnitte für Shorts, automatische KI-Übersetzungen von Sprache und ein Chatbot für Kanalstatistiken. Viele dieser Funktionen basieren auf Googles Gemini-KI-Modellen, die unter anderem Fotos in Videos verwandeln, Musik erzeugen und realistische Bilder erstellen können.
Die Einführung der Avatare fällt in eine Phase, in der ein wichtiger KI-Wettbewerber von Google beim Thema Video zurückrudert. OpenAI hat sein Videowerkzeug Sora eingestellt, nachdem das Projekt rund ein Jahr lang Schwierigkeiten hatte, sich als soziale Plattform zu etablieren. Die Entwicklung war teuer und hatte mit Urheberrechtsstreitigkeiten, Deepfake-Vorwürfen und qualitativ schwachen Inhalten zu kämpfen, was das Angebot für Investor:innen vor einem erwarteten Börsengang in diesem Jahr unattraktiv machte.
