Eine neue Sammelklage aus Frankreich richtet sich gegen die Gebührenstruktur des App Store von Apple und könnte weitreichende Folgen für Apples Geschäftsmodell im Bereich der digitalen Dienste haben.
Hintergrund: Gebühren und Preisgestaltung im App Store
In Frankreich hat der Verbraucherverband Consommation, Logement et Cadre de Vie (CLCV) eine repräsentative Klage gegen Apple eingereicht. Der Vorwurf: Nutzer:innen, die Musikdienste wie Spotify zwischen 2011 und 2025 direkt über die App Store-Oberfläche abonnierten, zahlten monatlich etwa einen bis drei US-Dollar (umgerechnet etwa 0,92 bis 2,75 Euro) mehr als bei einem Abschluss außerhalb der Apple-Systeme, beispielsweise über die jeweilige Webseite.
Im Mittelpunkt steht die App-Store-Provision von Apple: Im ersten Jahr verlangt Apple 30 %, danach 15 % der Abo-Erlöse. Besonders Musik-Streaming-Abos machen einen großen Teil der Service-Einnahmen aus. Die französische Klage ist geprägt von dem Konzept der sogenannten repräsentativen Aktion, das der US-amerikanischen Sammelklage ähnelt und erstmals in diesem Umfang zum Einsatz kommt. CLCV stützt sich dabei auf ein Urteil der Europäischen Kommission vom März 2024, in dem Apple zu einer Strafe von rund 1,95 Milliarden US-Dollar (circa 1,79 Milliarden Euro) verurteilt wurde, weil das Unternehmen seine Marktmacht missbraucht und App-Anbieter zu Apples eigenem Bezahlsystem gezwungen habe.
Apple hat gegen diesen Beschluss Berufung eingelegt. Das Ergebnis könnte nicht nur für diese, sondern auch für vergleichbare Klagen in Europa wegweisend sein. Sollte das Gericht entscheiden, dass die Gebührenstruktur von Apple die Endpreise erhöht und Kund:innen dadurch tatsächlich geschädigt wurden, könnte das grundsätzliche Prinzip von Apples App Store-Modell infrage gestellt werden.
Europäische Dimension: Mehrere Sammelklagen gegen Apple
Frankreich ist nicht das einzige Land, in dem ähnliche Verfahren laufen. Auch in Belgien, Italien, Spanien und Portugal erheben Verbraucherschutzorganisationen Vorwürfe gegen Apples Preismodelle. Die Dachorganisation Euroconsumers fordert nach eigenen Angaben insgesamt rund 67 Millionen US-Dollar (rund 61 Millionen Euro) Schadenersatz für zu viel gezahlte Abonnementgebühren in diesen Ländern.
Diese gebündelte juristische Initiative ist eine ernsthafte Bedrohung für Apples bisherigen Umgang mit digitalen Zahlungen auf Drittplattformen – insbesondere, falls die Gerichte feststellen, dass die Gebühren tatsächlich an die Endkund:innen weitergegeben werden.
Reaktionen: Apple und Spotify im Fokus
Apple selbst weist die Vorwürfe zurück. Der Konzern betont, der Musikmarkt in Europa sei stark umkämpft – nicht zuletzt durch die Marktstellung von Spotify, das nach eigenen Angaben rund 56 % Marktanteil hat und damit deutlich vor Apple Music liegt. Außerdem verweist Apple darauf, dass Spotify seit 2018 rund um den App Store keine Gebühren mehr zahlt, da das Unternehmen In-App-Abos entfernt und Nutzer:innen stattdessen direkt auf die eigene Webseite zum Abschluss leitet.
Apple argumentiert, dass Preiserhöhungen wie jene von Spotify im Juni 2025 – trotz Wegfall der App-Store-Provision – zeigen, dass Anbieter:innen letztlich eigenständig ihre Preise festsetzen. CLCV hält dagegen: Bis 2018 seien höhere Preise direkt auf die Gebühren zurückzuführen, danach hätten mangelnde Hinweise auf günstigere Alternativen außerhalb des App Stores den Nutzer:innen geschadet.
Mit regulatorischem Druck hat Apple inzwischen reagiert: Seit einiger Zeit dürfen Apps auch auf alternative Abschlussmöglichkeiten außerhalb des App Stores hinweisen und unabhängig Abos anbieten. Dennoch bleibt die Frage, ob und wie der Konzern seine Einnahmen durch Service-Provisionen künftig absichern kann. Sollte das Modell weiter rechtlich unter Druck geraten, hätte dies auch Auswirkungen auf andere digitale Abo-Kategorien wie Nachrichten oder Spiele.
Ausblick: App Store-Monetarisierung am Scheideweg
Das französische Verfahren ist weit mehr als nur ein Streit um einzelne Musik-Abos. Es geht um die Grundsatzfrage, ob Apples Plattform-Gebühren und die damit verbundene Kontrolle zu höheren Preisen für Endkund:innen führen. Europa ist zum wichtigsten Schauplatz geworden – eine Entscheidung könnte internationale Signalwirkung für Apples Plattformmodell haben.
Via: https://appleinsider.com
Titelbild: KI (Zur Illustration)