Vor genau 80 Jahren wurde der Electronic Numerical Integrator and Computer, kurz ENIAC, erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Koloss markierte einen Wendepunkt in der Entwicklung elektronischer Computer.
Leistungssprung im Jahr 1946
ENIAC entstand an der Moore School of Electrical Engineering der University of Pennsylvania und gilt als „erster elektronischer Universalrechner“. Die Maschine war riesig, verbrauchte enorme Mengen Strom und war zur Einführung rechnerisch unangefochten. Aus heutiger Sicht wirken die 18.000 Elektronenröhren beeindruckend, ihre Leistung ist im Vergleich zu aktuellen Wegwerf-Elektronikgeräten aber verschwindend gering.
In den 1940er-Jahren war ENIAC jedoch rund 1.000-mal schneller als die damaligen Konkurrenzsysteme. Der Rechner schaffte etwa 5.000 Berechnungen pro Sekunde und ermöglichte es Menschen erstmals, Mathematik mit elektronischer Geschwindigkeit zu nutzen. Als allgemein einsetzbarer elektronischer Computer übernahm ENIAC unterschiedliche Aufgaben, wurde aber vor allem im militärischen Umfeld eingesetzt, da seine Entwicklung vom US-Militär finanziert wurde.
Zu den bekanntesten Anwendungen gehörten Berechnungen von Artilleriegeschossen. Laut dem Blog der Ingenieursfakultät der University of Pennsylvania ließ sich eine ballistische Berechnung, die zuvor mit Handrechnern 12 Stunden dauerte, mit ENIAC in nur 30 Sekunden erledigen. Zudem kam der Rechner bei Berechnungen zur Wasserstoffbombe, für ballistische Raketen, Raketensysteme, Wettervorhersage-Experimente und weitere Aufgaben zum Einsatz.
Die Programmierung des ENIAC war aufwendig. Sie erfolgte über Steckfelder und drei transportable Funktionstabellen mit jeweils 1.200 zehnfachen Schaltern. Ein Problem so auf ENIAC abzubilden, war alles andere als trivial und dauerte in der Regel mehrere Wochen. Hoch spezialisierte Teams mussten die Programme verdrahten, testen, verifizieren und debuggen.
Aufbau und Technik von ENIAC
Auch wenn sich die ENIAC-Architektur deutlich von modernen Rechnern unterscheidet, lohnt sich ein Blick auf die technischen Eckdaten. Die Maschine umfasste 8.000 Elektronenröhren, 70.000 Widerstände, 10.000 Kondensatoren und 500.000 Lötverbindungen. Eigene Stromleitungen lieferten rund 150 Kilowatt Leistung. Entsprechend groß und schwer war der Computer. Laut Penn Engineering füllte ENIAC einen Raum von etwa 30 mal 50 Fuß und brachte rund 30 Tonnen auf die Waage.
Der Rechner bestand aus 40 Bedienungspaneelen, die in U-Form aufgestellt waren. Teile des Originals sind noch heute im Erdgeschoss des Moore-Gebäudes zu sehen. Studierende sitzen dort im Schatten der Reste der Taktsteuereinheit, der Zentraleinheit zur Programmsteuerung, einer Funktionstabelle, eines Akkumulators und sogenannter Ziffernträger. Diese historische Technik wirkt bis heute als sichtbares Zeugnis früher Rechnerentwicklung.
ENIAC war sehr wartungsintensiv. Mehrere Elektronenröhren brannten täglich durch, und laut Wikipedia war die Maschine „etwa die Hälfte der Zeit nicht funktionsfähig“. Mit wachsender Erfahrung der Ingenieur:innen verbesserte sich die Zuverlässigkeit allerdings im Laufe der Betriebsjahre.
Vom Röhrenrechner zum modernen PC
Offiziell wurde ENIAC am 2. Oktober 1955 außer Betrieb genommen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits EDVAC in Betrieb, ein Nachfolger mit binärer Speicherprogramm-Architektur. In den frühen 1950er-Jahren folgte zudem der UNIVAC I, und IBM stieg mit eigenen Systemen für den Massenmarkt sowie der Programmiersprache FORTRAN ein. In den frühen 1980er-Jahren setzte sich schließlich das PC-Zeitalter mit den IBM-PCs durch – nach Ansicht von Penn Engineering „alles dank ENIAC“.
ENIAC markiert damit eine zentrale Etappe auf dem Weg von raumfüllenden Röhrenmaschinen zu den heutigen kompakten Computern, die Ihr täglich nutzt, oft ohne darüber nachzudenken.
Via: https://www.tomshardware.com
Titelbild: Gemeinfrei
