Ein ehemaliges Mitglied des Sega-Entwicklungsteams hat einen Röhrenmonitor-Emulator für macOS vorgestellt, der das Verhalten klassischer Fernseher äußerst detailgetreu nachbildet. Dazu gehört sogar das typische Klopfen auf den Bildschirm, um Bildfehler zu „beheben“.
Röhrenlook mit Absicht: von „kaputt“ zu authentisch
Am Dienstag zeigte der:die Entwickler:in erstmals das Projekt zur Emulation von Röhrenmonitoren, das zunächst für gemischte Reaktionen sorgte. Einige Kommentator:innen fanden, die Effekte erinnerten eher an einen „defekten Fernseher“ als an eine authentische Röhre. Flackern, Bildrauschen und Abbildungsfehler wirkten vielen Beobachter:innen übertrieben. Heute legte @GOROman nach und demonstrierte, dass sich die Darstellung der Software famicom-rf-hackrf-decoder durch einen klassisch kräftigen Schlag auf das Gehäuse verbessern lässt. In einem Video ist zu sehen, wie ein Klopfen auf den „Bildschirm“ die Bildstabilität sichtbar beeinflusst.
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Der:die Entwickler:in des Emulators, GOROman, war zuvor als Softwareingenieur:in bei Sega und Facebook tätig. Die Basis des Projekts: famicom-rf-hackrf-decoder empfängt VHF-RF-Signale (NTSC-J) einer Famicom-Konsole (Nintendo NES) über eine quelloffene Funklösung mit Software-Defined-Radio namens HackRF One.
Famicom-Signal live dekodiert und auf den Mac gebracht
Läuft die Software und ist die NES-Konsole mit dem HackRF One verbunden, kann das RF-modulierte Videosignal auf VHF-Kanal 1 oder 2 ausgegeben werden. Statt jedoch auf einem alten Fernseher zu landen, erscheint das Bild auf einem modernen LCD-Bildschirm, eingebettet in ein Fenster auf dem macOS-Schreibtisch. Das Projekt von GOROman führt also eine vollständige NTSC-J-Farbenkodierung in Software durch und zeigt das Ergebnis in Echtzeit per SDL2 an.
Hinzu kommt, dass die Famicom laut GOROman nicht sendekonform arbeitet: Sie liefert ein nicht verschachteltes 240p-Signal, verschiebt die Farbphasen pro Zeile um 120 Grad und erzeugt pro Bild eine verkürzte Zeile. Der Decoder muss deshalb mehrere Prozesse im Hintergrund ausführen, um Effekte wie Drifts, Wellenbewegungen im Bild und instabile Farbsignale auszugleichen.
Zusammengefasst ist das RF-Signal der Famicom alles andere als ideal für aktuelle Monitore, sodass der Decoder im Prinzip die „Denkweise“ eines analogen Fernsehers nachbilden muss. Nur so lassen sich Bildstabilität und Farben sauber einrasten. Die erste Demo wirkte stark nach „kaputtem TV“, weil GOROman nach eigener Aussage bewusst „übertrieben“ mit der VHF-Frequenz gespielt hat. Das diente als auffällige, humorvolle Demonstration.
Klopfen, Mikrofon und mögliche Magnet-Spielereien
Im neuen Video kommt nun die sogenannte „percussive maintenance“ ins Spiel: Durch ein Klopfen scheint das Bild stabiler zu werden, ganz wie bei alten Röhrengeräten. In sozialen Medien vermuteten einige Nutzer:innen, dass der Effekt über den Winkelsensor des MacBook-Displays realisiert wird. Ein Blick auf die GitHub-Seite von famicom-rf-hackrf-decoder, veröffentlicht unter der offenen MIT-Lizenz, legt jedoch eine andere Möglichkeit nahe. Dort findet sich eine Eingangsvariable namens „audio tap“, sodass der Effekt sehr wahrscheinlich auf der Audioeingabe des Mikrofons basiert.
In den Kommentaren wünschte sich bereits jemand einen „Magnetmodus“, um mit dem simulierten Röhrenbild weiterzuspielen. Es bleibt also offen, welche nostalgischen Funktionen GOROman als Nächstes integriert.
