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E-Fuels – Das teure Alibi der Verbrenner-Lobby

E-Fuels werden oft als Retter des Verbrenners gefeiert, doch die Wissenschaft ist skeptisch. E-Fuels sind ein Alibi der verzweifelten Industrie und müssen scheitern.

Es gibt Themen, die in der Tech-Welt kommen und gehen. Und dann gibt es Themen, die wie ein Zombie immer wieder aus dem Grab steigen, obwohl die Physik ihnen längst den Todesstoß versetzt hat. Eines dieser Themen sind E-Fuels für den PKW. In den letzten Monaten, und besonders befeuert durch politische Debatten in Berlin und Brüssel, wird uns suggeriert, der synthetische Kraftstoff sei der Ritter in schimmernder Rüstung, der den geliebten Verbrennungsmotor vor dem Aussterben rettet. Doch wer tiefer gräbt, abseits der wohlklingenden Phrasen von „Technologieoffenheit“, stößt auf eine harte Realität: E-Fuels im Auto sind kein technologischer Heilsbringer. Sie sind ein energiepolitisches Desaster und vor allem ein cleveres Alibi von Lobbyisten, die den Wandel zur E-Mobilität mit aller Macht ausbremsen wollen.

Lassen wir die Emotionen kurz beiseite und schauen auf das, was uns als Technik-Enthusiasten bei Apfeltalk am meisten interessiert: die Effizienz. Wenn wir über Technologie sprechen, suchen wir meist nach der elegantesten, effizientesten Lösung. E-Fuels sind das genaue Gegenteil. Die Herstellung ist extrem energiehungrig. Um synthetischen Sprit herzustellen, muss zunächst Wasserstoff mittels Elektrolyse gewonnen werden – das kostet viel Strom. Diesem Wasserstoff muss dann CO2 beigemischt werden, um Kohlenwasserstoffketten zu bilden. Das kostet noch mehr Energie. Am Ende landet dieses Gemisch in einem Verbrennungsmotor, der – wie wir alle wissen – den Großteil der Energie nicht in Bewegung, sondern in Wärme umwandelt.

Studien

Studien, wie sie unter anderem im Handelsblatt oder von Organisationen wie Greenpeace zitiert werden, zeigen das Dilemma glasklar auf: Ein batterieelektrisches Auto (BEV) nutzt etwa 70 bis 80 Prozent der eingesetzten Energie für die Fortbewegung. Ein Auto, das mit E-Fuels betrieben wird, kommt in der „Well-to-Wheel“-Betrachtung (von der Quelle bis zum Rad) auf miserable 10 bis 15 Prozent Wirkungsgrad. Anders ausgedrückt: Um die gleiche Strecke zu fahren, benötigt ein E-Fuel-Auto die fünf- bis sechsfache Menge an Strom wie ein Elektroauto. In Zeiten, in denen wir händeringend nach grüner Energie suchen, ist es geradezu absurd, diese kostbare Ressource in einem so ineffizienten Prozess zu verschwenden. Die Wissenschaft hat hierzu eine klare Meinung: Für den PKW-Sektor sind E-Fuels keine saubere Alternative, sondern eine Verschwendung.

Ein Champagner für den Tank: Warum E-Fuels unbezahlbar bleiben

Aber Andreas, höre ich einige sagen, vielleicht wird die Technik ja noch besser? Vielleicht wird es billiger? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber in diesem Fall liegt sie bereits auf der Intensivstation. Selbst optimistische Prognosen der Industrie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass E-Fuels auf absehbare Zeit ein Luxusgut bleiben werden. Aktuelle Analysen und Faktenchecks, wie sie etwa vom E-Fuel-Forum oder IO-Dynamics beleuchtet werden, zeigen, dass die Herstellungskosten strukturell hoch bleiben. Während Strom direkt in die Batterie fließt, erfordert der E-Fuel-Pfad riesige Industrieanlagen, Transportlogistik und Raffinerien.

Das führt zu einem Literpreis, der jenseits von Gut und Böse liegt. Schätzungen gehen von 4,00 Euro bis weit über diese Marke pro Liter aus, wenn man die realen Gestehungskosten ohne massive staatliche Subventionen betrachtet. Wer soll das bezahlen? Der durchschnittliche Pendler sicher nicht. E-Fuels im PKW sind, wie das Wissenschaftsmagazin Spektrum treffend feststellte, „zu schade für Autos“. Wir werden diese synthetischen Kraftstoffe dringend brauchen – aber nicht für den Golf oder den 3er BMW, sondern dort, wo es keine elektrische Alternative gibt: im Flugverkehr, in der Schifffahrt und eventuell im Schwerlastverkehr.

Hier zeigt sich die ganze Zynik der aktuellen Debatte. Indem man dem Bürger suggeriert, er könne seinen Verbrenner einfach weiterfahren und bald „klimaneutralen Sprit“ tanken, verkauft man ihm eine Illusion. Es wird schlichtweg nicht genug E-Fuels geben, um die weltweite PKW-Flotte zu betreiben. Die geringen Mengen, die produziert werden, werden von der Luftfahrt und der Chemieindustrie aufgesaugt werden – zu Preisen, die sich kein Autofahrer leisten will. Es ist, als würde man Champagner

nutzen, um das Blumenbeet zu gießen: theoretisch möglich, aber vollkommen irrsinnig.

Die Strategie der Verzögerung: Ein Meisterstück der Lobbyisten

Warum also diskutieren wir überhaupt noch darüber? Wenn die Physik „Nein“ sagt und die Ökonomie „zu teuer“ schreit, wer hält das Thema dann am Leben? Hier kommen wir zum Kern des Problems: Es ist eine klassische Lobby-Kampagne. Organisationen wie LobbyControl haben detailliert aufgezeigt, wie interessierte Kreise – vor allem Teile der Ölindustrie und Zulieferer, die am Verbrennungsmotor hängen – die E-Fuel-Debatte nutzen, um Verunsicherung zu säen.

Der Begriff „Technologieoffenheit“ wird hier als Waffe eingesetzt. Er klingt liberal und fortschrittlich, dient aber in Wahrheit dazu, den Status quo zu zementieren. Solange die Menschen glauben, es gäbe eine Hintertür für den Verbrenner, zögern sie den Umstieg auf die Elektromobilität hinaus. Das kauft den Herstellern von Kolben, Auspuffanlagen und Getrieben Zeit – Zeit, in der sie weiter ihre alten Produkte verkaufen können. Es geht nicht um Klimaschutz. Es geht um knallharte Geschäftsinteressen.

Diese Kampagne ist perfide, weil sie mit der Angst der Menschen spielt. Die Angst vor Reichweite, die Angst vor dem Neuen, die Nostalgie des Motorengeräuschs. Indem man E-Fuels als gleichwertige Alternative hinstellt, legitimiert man das Festhalten an einer veralteten Technologie. Die Tagesschau und andere Medien haben mehrfach berichtet, dass diese „Lösung“ vor allem auf dem Papier existiert. Es gibt keine nennenswerte Produktion, keine Infrastruktur für den Massenmarkt und keine realistische Skalierung in der nötigen Geschwindigkeit.

Wer heute E-Fuels für PKWs fordert, der fordert implizit, dass wir den Klimaschutz im Verkehrssektor auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben. Denn jeder verkaufte Verbrenner, der heute mit dem Versprechen auf „zukünftige E-Fuels“ auf die Straße kommt, wird die nächsten 15 bis 20 Jahre CO2 ausstoßen – und zwar fossiles, weil das grüne Wunderbenzin an der Tankstelle schlicht nicht verfügbar sein wird.

Geisterfahrt auf der Autobahn: Deutschland gegen den Rest der Welt

Während wir in Deutschland, dem Land der Ingenieure, eine Scheindebatte über synthetische Kraftstoffe führen, hat der Rest der Welt längst Fakten geschaffen. Schauen wir nach China, schauen wir in die USA oder nach Skandinavien. Der Zug der Elektromobilität ist abgefahren und er beschleunigt rasant. Die großen Automobilmärkte stellen sich auf batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) ein. Warum? Weil sie in der Gesamtbilanz – trotz aller Herausforderungen bei der Rohstoffgewinnung für Batterien – unschlagbar sind.

IO-Dynamics und andere Experten weisen darauf hin, dass die globale Entwicklung eindeutig ist. Die Elektromobilität hat, um im Bild zu bleiben, „die Nase vorn“. Wenn deutsche Hersteller sich nun aufgrund politischer Ränkespiele und Lobbydruck wieder halbherzig dem Verbrenner zuwenden, droht der deutschen Automobilindustrie eine gefährliche Sackgasse. Wir entwickeln dann hochkomplexe Motoren für einen Brennstoff, den es nicht gibt, für einen Markt, der global immer kleiner wird. Das ist keine Zukunftssicherung, das ist industrielle Selbstverstümmelung.

Das E-Auto ist sicher nicht frei von Kritikpunkten. Ladeinfrastruktur, Rohstoffabbau und Recycling sind Themen, die wir hier bei Apfeltalk oft und kritisch diskutieren. Aber im Vergleich zum E-Fuel-Märchen sind das lösbare technische und logistische Aufgaben. Die Physik des E-Motors ist der des Verbrenners haushoch überlegen. Weniger bewegliche Teile, weniger Verschleiß, direkteres Ansprechverhalten und die Möglichkeit, Energie zu rekuperieren.

Ablenkungsmanöver

Die E-Fuel-Debatte ist ein Ablenkungsmanöver. Sie ist das „One more thing“, das keines ist. Sie ist der Versuch, uns alte Technik in neuem Gewand zu verkaufen, damit bestimmte Industriezweige ihren profitablen Lebensabend noch ein paar Jahre verlängern können. Als Konsumenten und Technik-Fans sollten wir uns davon nicht blenden lassen. Die Zukunft fährt elektrisch – und zwar mit Batterie. Alles andere ist ein teures Hobby für Nischenanwendungen oder eben: ein Alibi.

Lassen wir uns also nicht für dumm verkaufen. Wenn das nächste Mal jemand von „sauberen Verbrennern durch E-Fuels“ spricht, fragt nach dem Wirkungsgrad. Fragt nach dem Preis. Und fragt, wer eigentlich davon profitiert, wenn wir den Wandel noch ein paar Jahre verschlafen. Die Antwort wird euch nicht gefallen, aber sie ist notwendig, um die Nebelkerzen zu lichten.

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Andreas Vogel

Autor Apfeltalk

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