Wenn Ihr auf dem Smartphone oder Tablet mit Google Chrome, Microsoft Edge oder Yandex surft, solltet Ihr Eure Wahl überdenken. Eine Analyse von Surfshark zeigt, dass diese drei mobilen Browser besonders viele Daten sammeln und damit Eure Privatsphäre stark gefährden können.
Der VPN-Anbieter Surfshark hat untersucht, wie die 15 beliebtesten mobilen Browser mit Nutzungsdaten umgehen. Grundlage der Analyse waren die Datenschutzangaben im Google Play Store. Im Ergebnis zählen Chrome, Edge und Yandex zu den datenhungrigsten Anwendungen.
Microsoft Edge landet in der Auswertung auf Platz zwei der größten Datensammler, Google Chrome auf Platz drei. Edge erfasst nach Surfshark 20 von 38 möglichen Datentypen, Chrome kommt auf 19. Yandex führt die Liste an und sammelt sogar 25 verschiedene Arten von Nutzungsdaten. Dazu gehören unter anderem Nutzer:innen-Fotos, Sprach- und Audioaufnahmen, Browser-Verlauf und Zahlungsinformationen.
Yandex und Google Chrome erfassen zusätzlich Standortdaten. Microsoft Edge und Yandex greifen außerdem auf Inhalte, Dateien und Dokumente der Nutzer:innen zu. Besonders problematisch ist laut Surfshark, dass Yandex-Nutzer:innen, häufig in Russland, Indien und Brasilien, einer sehr umfangreichen Datenerfassung ausgesetzt sind. Der Browser erhält sogar Zugriff auf In-App-Nachrichten und persönliche Chats.
Chrome, das rund sieben von zehn Internetnutzer:innen weltweit verwenden, verschlechtert damit weiter seinen ohnehin angeschlagenen Ruf in Sachen Datensparsamkeit. Eine frühere Untersuchung hatte bereits gezeigt, dass die iOS-Version der App mehr als dreimal so viele Daten wie vergleichbare Konkurrenten abfragt.
Die Entwickler:innen dieser Browser versichern, dass die Datenerhebung vor allem dazu dient, die Funktionsfähigkeit der App sicherzustellen. Genannt werden dabei Personalisierung, Kontoverwaltung und Betrugsprävention, wie Surfshark berichtet.
Gleichzeitig bestätigen Browser wie Yandex, Microsoft Edge und Aloha, dass sie einen erheblichen Teil der gesammelten Daten an Dritte weitergeben. Dazu können Zahlungsinformationen, präzise Standortdaten, Nutzer:innen-IDs, Absturzberichte oder Interaktionen mit der App gehören.
Im günstigsten Fall wird diese umfangreiche Sammlung genutzt, um Werbeprofile zu erstellen und hochgradig personalisierte Angebote auszuspielen. „Gesammelte Nutzungsdaten ermöglichen es Unternehmen, digitale Profile zu erstellen, Verhalten vorherzusagen und Entscheidungen darauf zu stützen, etwa unterschiedliche Preise, Werbung oder Angebote anzuzeigen“, erklärt Justas Pukys, Senior Product Manager bei Surfshark.
Surfverhalten und Interessen können darüber hinaus sehr sensible Einblicke liefern, etwa zu Gesundheitsfragen, finanzieller Lage, politischen Ansichten oder persönlichen Problemen. Solche Informationen möchten viele Menschen bewusst privat halten.
Laut Surfshark sehen sich nur noch zwei von zehn Personen selbst als „datenschutzbewusst“, wenn es um Datenschutzrichtlinien geht. Das erhöht das Risiko, die Kontrolle darüber zu verlieren, welche Daten zu welchem Zweck und von wem genutzt werden.
Im schlimmsten Fall landen sensible Informationen bei einem Datenleck in falschen Händen. Browserbezogene Kennungen scheinen für Angreifer:innen besonders wertvoll geworden zu sein. Im vergangenen Jahr war der britische Markt stark von Datenpannen betroffen, am häufigsten waren laut aktuellen IBM-Vorfallberichten Identifikationsdaten von Kund:innen betroffen.
Angesichts dieser Lage wird die Wahl eines mobilen Browsers, der Privatsphäre respektiert, immer wichtiger. Zum Glück gibt es Alternativen zu den üblichen Verdächtigen. Laut Surfshark erfasst Ecosia lediglich vier Datentypen, der Samsung-Internet-Browser sogar nur zwei. Brave, Mi Browser und Tor sammeln demnach überhaupt keine Nutzungsdaten und setzen damit praktisch kein Risiko für Eure Privatsphäre.
Wenn Ihr dennoch nicht wechseln möchtet, rät Surfshark dazu, so wenig persönliche Informationen wie möglich zu teilen. Außerdem solltet Ihr regelmäßig die Zugriffsrechte Eurer Browser-Apps prüfen und einen Passwortmanager verwenden, um Kontokennwörter zu schützen.
Zusätzlich empfiehlt Surfshark, auf dem Smartphone konsequent ein VPN einzusetzen, um eine weitere Schutzschicht einzuziehen. Das kann sich auszahlen, wenn das nächste Unternehmen von einem Hackerangriff getroffen wird und Daten abfließen.
Via: https://www.techradar.com
Bild Gemini KI und Surfshark
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