Die Internationale Computerspielesammlung (ICS) steht vor dem Aus: Die öffentliche Förderung von rund 1,5 Millionen Euro ist Ende April ausgelaufen und wird nicht verlängert. Damit ist unklar, wie es mit der Datenbank von über 60.000 erfassten Spielen weitergeht – ausgerechnet in einer Phase, in der physische Datenträger weiter an Bedeutung verlieren.
Weltweit größtes öffentlich zugängliches Spielearchiv ohne Zukunft
Die ICS war ein deutsches Gemeinschaftsprojekt mit dem Ziel, das weltweit größte öffentlich zugängliche Archiv für Computerspiele aufzubauen. Wie GamesWirtschaft am 3. Juli berichtet, haben die Anteilseigner:innen einstimmig beschlossen, das Projekt zu beenden, nachdem die Finanzierung ausgelaufen ist und der Bund keine Anschlussförderung bewilligt hat. Die Entscheidung fällt in derselben Woche, in der Sony bestätigt hat, die Produktion physischer PlayStation-Discs einzustellen.
Seit 2012 wurden mehr als 60.000 Spiele in der Sammlung erfasst – auf Modulen, Disketten, CD, DVD und Blu-ray. Hinzu kamen Handbücher, Verpackungen und Hardware. Beteiligt waren die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), das Computerspielemuseum Berlin, der Branchenverband Game und die Universität Potsdam. Im April 2019 ging der öffentliche Online-Katalog mit Zehntausenden Einträgen an den Start und machte die Datenbank für interessierte Nutzer:innen zugänglich.
Die physischen Bestände verbleiben bei den jeweiligen Institutionen, denen sie gehören. Laut GamesWirtschaft wird derzeit geprüft, ob die gemeinsame Datenbank und ihre Infrastruktur rechtlich und technisch weiterbetrieben werden können. Eine Entscheidung dazu steht noch aus.
Förderende nach Prüfung durch Bundesministerium
Finanziert wurde die ICS vom Berliner Senat und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, befristet bis Ende April. Das 2025 für Games-Politik zuständig gewordene Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat ein Modell für eine dauerhafte institutionelle Förderung geprüft. Das Ministerium kam zu dem Ergebnis, dass eine langfristige Finanzierung angesichts des Umfangs der Arbeit wirtschaftlich nicht tragfähig sei.
Bereits Anfang des Jahres hatte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey darauf hingewiesen, dass eine Unterstützung über April hinaus nicht gesichert sei. Mit dem nun beschlossenen Auslaufen der Förderung steht die ICS ohne tragfähiges Finanzierungsmodell da.
Spielebewahrung zwischen Rechtefragen und steigenden Kosten
Eine Studie der Video Game History Foundation und des Software Preservation Network aus dem Jahr 2023 kommt zu dem Ergebnis, dass 87 Prozent der in den USA veröffentlichten klassischen Spiele vergriffen und kommerziell nicht mehr verfügbar sind. Die Forscher:innen sehen die Überlebensrate damit niedriger als bei amerikanischen Stummfilmen. Im Oktober 2024 lehnte das US-Copyright-Office zum vierten Mal seit 2015 eine Ausnahme von der Digital Millennium Copyright Act (DMCA) ab, die Bibliotheken erlaubt hätte, gesicherte Spiele für die Fernforschung zu teilen. Die Behörde stellte sich damit erneut auf die Seite des Branchenverbands Entertainment Software Association.
Parallel dazu stehen von Fans betriebene Archive vor anderen Problemen. Das Archiv Myrient mit mehr als 385 Terabyte gesicherter Spiele sollte Anfang 2026 offline gehen, weil KI-getriebene Nachfrage die Preise für Arbeitsspeicher, SSDs und Festplatten stark steigen ließ. Ehrenamtliche konnten die Sammlung jedoch vollständig sichern und damit vorerst erhalten.
Der Stopp der ICS fällt in die Zeit von Sonys Bestätigung, die Produktion physischer PlayStation-Discs im Jahr 2028 zu beenden. Damit werden künftige Versuche, Spiele umfassend zu archivieren, noch schwieriger, da immer weniger Inhalte auf physischen Datenträgern vorliegen.
