Frameworks Gründer Nirav Patel sieht das PC-Zeitalter von Steve Jobs als beendet. In einem Manifest stellt er Cloud, KI und Abo-Modelle radikal infrage.
Vom lokalen Rechner zur KI aus der Cloud
Framework ist als Computerhersteller bekannt, der Euch ermöglichen will, Euren PC selbst zu definieren und unbegrenzt aufzurüsten. In einem neuen Beitrag kündigt das Unternehmen nicht nur sein Produkt-Event am 21. April an, sondern formuliert auch eine deutliche Position gegen aktuelle Entwicklungen in der Computerwelt. Im Mittelpunkt stehen dabei Cloud-Dienste, Künstliche Intelligenz und das schwindende Gefühl von Besitz an der eigenen Hardware.
Laut Patel hat sich das Zentrum des Computeruniversums unbemerkt verschoben. Früher stand die lokale Rechenleistung im Fokus, um Arbeit, Antworten, Bilder und Spiele direkt auf dem eigenen Gerät zu verarbeiten. Heute gehe es vor allem um Rechenpower aus der Cloud und um KI-Dienste wie ChatGPT und Gemini, die Ergebnisse fertig servieren. Um diese Dienste zu versorgen, rücken aus seiner Sicht die Anforderungen der Cloud in den Vordergrund – mit Folgen für Nutzer:innen.
Patel beschreibt steigende Kosten für Chips und alle Geräte, die darauf basieren. Gleichzeitig beobachtet er einen Übergang von Besitz zu Abo-Modellen und den Trend zu geschlossenen „Blackbox“-Systemen statt eines offenen Ökosystems. Seine Schlussfolgerung fällt deutlich aus: Die Branche verlange von Euch, nichts mehr zu besitzen und trotzdem zufrieden zu sein.
Vom „Fahrrad des Geistes“ zum selbstfahrenden Auto
Dieser Verlust an Kontrolle steht für Patel im direkten Widerspruch zu einer bekannten Aussage von Steve Jobs. Jobs bezeichnete den Computer einst als „Fahrrad des Geistes“. In einem Interview von 1990 erklärte er, Menschen seien Werkzeugbauer:innen, die Hilfsmittel erschaffen, um ihre Fähigkeiten massiv zu verstärken. Für ihn sei der Computer immer ein solches Fahrrad gewesen, das uns weit über unsere angeborenen Möglichkeiten hinausbringe.
Framework argumentiert nun, dass diese Metapher heute nicht mehr zutreffe. Patel vergleicht moderne Computer eher mit einem selbstfahrenden Auto, das Euch direkt ans Ziel bringt. KI übernehme die Steuerung, während Ihr nicht mehr aktiv fahrt, sondern Euch fahren lasst. Statt unsere Fähigkeiten zu erweitern, geben wir die Kontrolle an Algorithmen ab, die Entscheidungen und Inhalte vorgeben. Der Gedanke dahinter wirkt für viele ernüchternd: Aus dem Werkzeug zur Selbstermächtigung ist ein System geworden, das Euch den Weg vorgibt.
Framework setzt weiter auf Eigentum und Reparierbarkeit
Trotz dieser Entwicklung will Framework nicht aufgeben. Patel schreibt, dass das Unternehmen so lange Hardware bauen werde, wie es auch nur eine Person gebe, die ihre „Rechenmittel“ wirklich besitzen möchte. Gemeint sind Systeme, die Ihr nach Bedarf anpassen, reparieren und erweitern könnt, statt sie als geschlossene Einweggeräte zu nutzen. Damit bleibt Framework seiner Linie treu, auch wenn der Markttrend in eine andere Richtung zeigt.
Das Framework Laptop 13 DIY Edition kam im vergangenen Jahr im Test gut an. Die Möglichkeit, nahezu alle Komponenten leicht zu tauschen, überzeugte. Gleichzeitig zeigte sich aber, dass etwa die Installation von Windows komplex sein kann. Für Linux-Nutzer:innen funktioniert das Konzept gut, doch diese Zielgruppe ist deutlich kleiner. Hier zeigt sich die Grenze des Do-it-yourself-Ansatzes: Wenn ein System tatsächlich für alle sein soll, muss es auch ohne Bastelwillen funktionieren.
Viele Menschen wünschen sich zwar reparierbare Geräte, wollen sie aber nicht selbst bauen oder instand setzen. Fertige Produkte bleiben daher attraktiv, selbst wenn sie weniger Wahlmöglichkeiten bieten. Hinzu kommt, dass viele Nutzer:innen den schleichenden Kontrollverlust über System, Software und Herkunft der Antworten kaum wahrnehmen – oder es ihnen schlicht egal ist. Die schnelle Akzeptanz von Diensten wie ChatGPT, selbst in Phasen deutlicher Fehlleistungen, spricht dafür.
Frameworks Haltung und das Angebot reparierbarer DIY-Systeme haben also einen Markt, aber wohl keinen riesigen. Allein damit wird sich der Trend zu KI-gesteuerten Systemen nicht aufhalten lassen. Zwischen „nichts besitzen“ und „alles selbst bauen“ liegt eine große Lücke. Doch egal ob fertig konfiguriert und kaum aufrüstbar oder als Baukasten mit austauschbaren Modulen: Computer bleiben Werkzeuge für Ausdruck und Produktion. In diesem Sinne sind sie für viele von Euch weiterhin verlässliche Zweiräder für den Geist.
Via: https://www.techradar.com
Titelbild: Framework
