Apple will künftig Chips für iPhones und Mac-Notebooks bei Intel fertigen lassen. Laut einem Bericht des Wall Street Journal steht dieser Schritt in engem Zusammenhang mit politischem Druck aus Washington.
Tarifverhandlungen als Auslöser für Kurswechsel
Im vergangenen Sommer reiste Apple-Chef Tim Cook nach Washington, um eine Ausnahme von einem geplanten Importzoll von 100 Prozent auf Halbleiter zu erreichen. Bei diesen Gesprächen sollen der damalige US-Präsident Donald Trump und Handelsminister Howard Lutnick Cook nach Angaben von Regierungsvertreter:innen gedrängt haben, Intels Fertigungsanlagen für einen Teil der Apple-Chips zu nutzen.
Apple erhielt die gewünschte Zollbefreiung schließlich, nachdem das Unternehmen zugesagt hatte, Hunderte Milliarden US-Dollar (mehrere Hundert Milliarden Euro) in den Vereinigten Staaten zu investieren. Knapp ein Jahr später kündigte Trump in sozialen Netzwerken an, Apple werde Intel mit der Fertigung von Chips für einige Produkte beauftragen.
Die nun gemeldete Vereinbarung würde eine deutliche Änderung in Apples Lieferketten-Strategie bedeuten. Seit mehr als einem Jahrzehnt setzt Apple bei der Fertigung seiner eigenen Prozessoren nahezu ausschließlich auf TSMC.
US-Regierung stärkt Intel als Fertigungspartner
Der Schritt fügt sich in den breiteren Kurs der US-Regierung ein, die die Halbleiterproduktion im eigenen Land ausbauen will. Für Apple eröffnet die Zusammenarbeit mit Intel gleichzeitig einen zweiten Fertigungspartner neben TSMC.
Die US-Regierung hat im vergangenen Jahr einen Anteil von 10 Prozent an Intel übernommen, indem Bundeszuschüsse in Höhe von 9 Milliarden US-Dollar (rund 8,3 Milliarden Euro) in Eigenkapital umgewandelt wurden. Damit ist sie größte Anteilseignerin des Unternehmens. Lutnick und das Handelsministerium spielen eine sehr aktive Rolle beim Umbau von Intel unter Konzernchef Lip-Bu Tan.
Tan reist regelmäßig nach Washington, um Regierungsvertreter:innen über Kundenbeziehungen zu informieren. Die Regierung wirbt ihrerseits aktiv bei potenziellen Kund:innen dafür, mit der angeschlagenen Fertigungssparte von Intel zusammenzuarbeiten.
Apple ist nicht das einzige Unternehmen, das auf diese Weise zu Intel gelenkt wurde. Nvidia kündigte eine Investition von 5 Milliarden US-Dollar (rund 4,6 Milliarden Euro) in Intel an, verbunden mit dem Kauf maßgeschneiderter Rechenzentrums-Chips. Zudem schloss sich Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX Intels Terafab-Fertigungsinitiative an.
Intel kämpft um Glaubwürdigkeit als Auftragsfertiger
Intels Geschäft mit der Auftragsfertigung steht unter erheblichem Druck und verzeichnete in den vergangenen vier Geschäftsquartalen operative Verluste von 10,4 Milliarden US-Dollar (rund 9,6 Milliarden Euro). Um das Vertrauen der Branche zurückzugewinnen, hat Tan die Berichtsstruktur neu geordnet, die Entwicklung kundenspezifischer Chips gebündelt und gezielt Führungskräfte von Wettbewerbern wie Samsung und SK Hynix abgeworben.
Intel und die US-Regierung sehen insbesondere im Bereich des fortschrittlichen Chip-Packagings, vor allem im Werk in New Mexico, eine der größten Chancen, gegenüber TSMC wettbewerbsfähiger zu werden. Die staatliche Beteiligung und neue strategische Partnerschaften verschafften Intel einen deutlichen Liquiditätsschub. Dadurch konnte das Unternehmen die Ausgaben für Ausrüstung aufrechterhalten, statt die Investitionen stark zu senken.
Unter Tans Leitung verlagerte Intel Investitionen weg vom Bau neuer Fabriken hin zu präzisen Fertigungswerkzeugen. So ließ sich die Produktion stark nachgefragter Produkte wie Laptop- und Rechenzentrums-Prozessoren ausbauen. Google Cloud bestellte Anfang dieses Jahres zudem eine große Menge Intel-Xeon-Prozessoren und verwies auf Verbesserungen bei Reaktionsfähigkeit und Anpassung an Kundenwünsche.
Wie viele Chips Intel für Apple fertigen soll und um welche konkreten Apple-Designs es geht, ist bislang nicht bekannt. Schon die Verlagerung eines Teils der Apple-Prozessorfertigung zu Intel würde der Glaubwürdigkeit der Foundry-Sparte jedoch spürbaren Auftrieb geben.
