Apple greift für wichtige Mitglieder des iPhone-Produktdesign-Teams tief in die Kasse. Mit hohen Bonuszahlungen will der Konzern Schlüsselkräfte halten und Abwanderungen zu Unternehmen wie OpenAI verhindern.
Aktienbasierte Boni über vier Jahre sollen Abwanderung stoppen
Nach einem Bericht von Bloomberg nimmt Apple zwischen 200 Millionen und 400 Millionen US‑Dollar (rund 185 bis 370 Millionen Euro) aus seinen Barreserven, um ausgewählte Mitarbeiter:innen mit Bonuszahlungen zu binden. Ziel ist es, vor allem Fachkräfte aus dem Bereich Hardware- und Produktdesign, die am iPhone gearbeitet haben, längerfristig an das Unternehmen zu koppeln.
Wie in der Branche üblich handelt es sich dabei nicht einfach um einmalige Schecks. Apple vergibt sogenannte beschränkte Aktienzuteilungen, also Restricted Stock Units, die sich über einen Zeitraum von vier Jahren staffeln. Die Hardware-Ingenieur:innen müssen in dieser Zeit beim Unternehmen bleiben, um den vollen Wert der Zuteilung zu erhalten. Wer früher geht, verzichtet auf einen Teil oder sogar die gesamte noch nicht ausgezahlte Prämie.
Auslöser der Maßnahme ist offenbar eine wachsende Zahl von Ingenieur:innen und Führungskräften, die zu Wettbewerbern wie OpenAI wechseln. So hat etwa Stuart Bowers seine gut dotierte Position bei Apple verlassen, um für Googles KI-Tochter DeepMind zu arbeiten. In den vergangenen Wochen haben zusätzlich vier KI-Forscher:innen das Unternehmen verlassen.
Abwerbung durch OpenAI und frühere Apple-Spitzenkräfte
Auch prominente ehemalige Apple-Verantwortliche spielen inzwischen eine Rolle bei der Abwanderung. Jony Ive, früher Vizepräsident für Industriedesign, arbeitet mit OpenAI-Chef Sam Altman zusammen, um gezielt Top-Talente von Apple abzuwerben. Gemeinsam sollen sie auch zentrale Zulieferer ansprechen, um Hardware für künftige KI-Geräte zu planen.
Insgesamt haben 40 Mitarbeiter:innen, die an verschiedenen Apple-Produkten, darunter auch der Vision Pro, beteiligt waren, das Unternehmen verlassen. Für Apple reduziert sich damit der interne Pool an erfahrenen Fachkräften, was den Druck erhöht, bestehende Teams zu halten. Die neuen aktienbasierten Boni sollen genau hier ansetzen.
Der mögliche Bonus pro Person liegt demnach bei 200.000 bis 400.000 US‑Dollar (rund 185.000 bis 370.000 Euro). Wie viel davon am Ende tatsächlich ausgezahlt wird, hängt von der Kursentwicklung der Apple-Aktie in den nächsten Jahren ab. Wer bleibt, kann langfristig deutlich profitieren.
Apple bleibt bei KI zurückhaltend – finanziell aber stark
Während andere Tech-Konzerne enorme Summen in Künstliche Intelligenz investieren, agiert Apple vergleichsweise vorsichtig. Wettbewerber haben bereits Billionenbeträge in KI-Projekte gesteckt, Apple geht das Thema deutlich langsamer an. Dennoch vermeldete der Konzern im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2024 einen Rekordumsatz von 143,75 Milliarden US‑Dollar (rund 133 Milliarden Euro).
Das zeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht zwingend an die schnellste Umsetzung neuer Technologietrends gekoppelt sein muss. Andere Unternehmen wie Meta haben trotz milliardenschwerer Investitionen in neue Produkte zuletzt tausende Stellen abgebaut. Apple setzt dagegen auf kontinuierliches, eher langsames Wachstum und möchte Mitarbeitende motivieren, dem Unternehmen langfristig treu zu bleiben.
Für die Belegschaft bedeutet das: Wer über Jahre im Unternehmen bleibt, kann von stabilen Geschäftszahlen und den neuen aktienbasierten Boni profitieren. Gleichzeitig versucht Apple so, die Abwanderung von Schlüsselkräften zu begrenzen, ohne seine grundsätzliche, vorsichtigere Strategie bei Zukunftstechnologien zu ändern.
Via: https://wccftech.com
