Die Apple Vision Pro kommt erstmals bei einer Kataraktoperation zum Einsatz. In New York hat ein Augenarzt die Raumcomputer-Brille während des Eingriffs genutzt und setzt sie inzwischen regelmäßig ein.
Erste Operation und die Plattform ScopeXR
Der Augenarzt Eric Rosenberg von SightMD führte den ersten Eingriff im Oktober 2025 durch. Seitdem hat er nach eigenen Angaben bereits Hunderte weitere Kataraktoperationen mit der Apple Vision Pro umgesetzt. Grundlage dafür ist ScopeXR, eine chirurgische Plattform, die Rosenberg für das gemischte Realitätssystem von Apple mitentwickelt hat.
ScopeXR überträgt Live-Bilder aus dreidimensionalen digitalen Operationsmikroskopen direkt in die Apple Vision Pro. So sehen Operateur:innen das Operationsfeld in stereoskopischem 3D, während gleichzeitig präoperative Diagnosedaten eingeblendet werden. Die Plattform unterstützt zudem eine Zusammenarbeit in Echtzeit über Distanz. Andere Chirurg:innen können sich virtuell in den Eingriff einklinken und exakt das sehen, was auch die operierende Person sieht.
In einer Unternehmensmitteilung beschreibt Rosenberg die Auswirkungen dieser Technik. Man könne nun „die beste Chirurgin bzw. den besten Chirurgen der Welt in jeden Operationssaal bringen, zu jeder Zeit, von jedem Ort der Erde“. Die Technologie ermögliche Unterstützung für Assistenzärzt:innen in ihren ersten Fällen ebenso wie für erfahrene Operateur:innen in unerwartet komplizierten Situationen. Laut Rosenberg demokratisiert das den Zugang zu Expertise und könne auf diese Weise Sehkraft retten.
Vision Pro im professionellen Umfeld
Der Einsatz im Operationssaal ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Apple die Vision Pro zunehmend für professionelle und Unternehmensanwendungen positioniert. Die breite Nutzung im Consumer-Bereich wird nach wie vor durch den Einstiegspreis von 3.699 Euro und die sperrige Bauform erschwert. Apple fokussiert sich deshalb verstärkt auf spezialisierte Einsatzfelder, etwa in der Medizin, in der Flugausbildung und im Industriedesign. In solchen Bereichen lassen sich die Fähigkeiten des Geräts eher mit den hohen Kosten in Einklang bringen.
Von Anfang an war die Vision Pro laut Apple nicht als Massenprodukt für den sofortigen breiten Markt gedacht. Dennoch soll die anfängliche Begeisterung schneller nachgelassen haben als intern erwartet. Jüngste Berichte deuten darauf hin, dass derzeit keine weiteren Apple-Vision-Headsets aktiv entwickelt werden. Stattdessen richte Apple den Fokus auf leichtere smarte Brillen, ein Segment, in dem Meta bereits Erfolge vorweisen kann.
Aktueller Stand der Hardware
Trotz dieser strategischen Verschiebung hat Apple die Vision Pro im vergangenen Oktober noch einmal aktualisiert. Das Unternehmen stellte ein überarbeitetes Modell mit dem M5-Chip vor, der ersten Hardware-Revision des Raumcomputers. Weitere Details zu neuen Funktionen oder grundlegenden Designänderungen wurden im Zusammenhang mit dem Einsatz im OP nicht genannt.
Die Kataraktoperation mit Vision-Pro-Unterstützung zeigt jedoch, in welche Richtung sich die Nutzung des Geräts entwickelt: weg vom Wohnzimmer, hin zu spezialisierten Arbeitsumgebungen, in denen präzise Bilddarstellung und erweiterte Informationen direkt im Sichtfeld konkrete Vorteile bringen.
