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Apple unter Druck: 250-Millionen-Siri-Vergleich als Warnsignal für KI-Versprechen

Apple einigt sich in den USA auf einen Vergleich über 250 Millionen Dollar (rund 233 Millionen Euro) wegen verspäteter oder ausgefallener Siri- und „Apple Intelligence“-Funktionen. Der Fall fällt in eine Phase neuer, ambitionierter KI-Ankündigungen der gesamten Branche.

Der Siri-Vergleich: Was Apple vorgeworfen wird

Auslöser der Sammelklage waren Werbeaussagen zu Siri- und „Apple Intelligence“-Funktionen, die gemeinsam mit dem iPhone 15 Pro und der iPhone-16-Reihe beworben wurden. Kund:innen sollten zusätzliche, KI-gestützte Siri-Funktionen erhalten, die auf diesen Geräten verfügbar sein sollten.

Nach Angaben aus dem Vergleichsverfahren wurden diese versprochenen Funktionen jedoch verspätet ausgeliefert oder gar nicht bereitgestellt. Die Kläger:innen warfen Apple irreführende Werbung und unlauteren Wettbewerb vor, weil Käufer:innen ihre Kaufentscheidung in Erwartung der neuen Siri-Intelligenz getroffen hatten.

Apple hat sich nun bereit erklärt, 250 Millionen Dollar (rund 233 Millionen Euro) an US-Kund:innen zu zahlen, die berechtigte Geräte gekauft haben. Die Zahlungen sollen Personen entschädigen, die das iPhone 15 Pro oder Modelle der iPhone-16-Reihe mit der Erwartung erworben haben, bestimmte Siri-„Apple-Intelligence“-Funktionen nutzen zu können.

Der Vergleich muss noch abschließend genehmigt werden. Er ändert nichts an der grundsätzlichen Strategie, KI-Funktionen als Kaufargument zu nutzen, setzt aber ein deutliches Signal: Überzogene oder unklare Ankündigungen können teuer werden.

Neue KI-Welle: Hohe Versprechen, offene Fragen

Parallel zum Siri-Vergleich verschärft sich die Debatte über die Verlässlichkeit von KI-Versprechen insgesamt. Auf der Milken Global Conference in Beverly Hills diskutierten fünf zentrale Akteur:innen der KI-Ökonomie, die unterschiedliche Ebenen der Lieferkette abdecken.

Auf dem Podium saßen unter anderem der Vorstandschef des niederländischen Chipherstellers ASML, der beim modernsten Halbleiter-Werkzeugbau eine Monopolstellung einnimmt, sowie Vertreter:innen großer Cloud- und Infrastrukturunternehmen. Sie beschrieben eine Branche, die gleichzeitig expandiert und an strukturellen Grenzen kratzt.

Zur Sprache kamen Chip-Engpässe, die steigenden Anforderungen an Rechenzentren und Ideen wie Datenzentren im Orbit. Diskutiert wurde auch die Möglichkeit, dass die derzeitige technische Architektur, auf der viele KI-Systeme beruhen, grundlegend falsch ausgelegt sein könnte.

Diese Einschätzungen zeigen, dass viele der öffentlich kommunizierten Roadmaps von einem fragilen Gefüge aus Lieferketten, Energiekosten und technischen Annahmen abhängen. Versprechen zu KI-Funktionen – egal ob von Apple oder anderen Konzernen – stehen damit unter doppeltem Druck: dem Erwartungsdruck der Käufer:innen und den Grenzen der realen Infrastruktur.

Verbraucher-Guide: KI-Versprechen richtig einordnen

Für Euch als Käufer:innen stellt sich die Frage, wie sich künftige KI-Ankündigungen bewerten lassen. Der Siri-Vergleich verdeutlicht, dass Werbeaussagen zu konkreten Funktionen rechtliche Folgen haben können, wenn sie nicht oder verspätet eingelöst werden. In Europa greifen zusätzlich Verbraucherrechte wie Gewährleistung und Regeln gegen irreführende Werbung.

Hilfreich ist ein Blick auf die Formulierungen: Versprechen wie „geplant“, „voraussichtlich“, „in einer zukünftigen Software-Version“ oder „in bestimmten Regionen verfügbar“ deuten auf Unsicherheiten hin. Wenn Funktionen stark beworben, aber in Fußnoten relativiert werden, solltet Ihr besonders genau hinsehen.

Ein weiterer Ansatz ist, Kaufentscheidungen von langfristigen Roadmaps zu entkoppeln. Wer ein Gerät vor allem wegen einer später angekündigten KI-Funktion kaufen möchte, geht bewusst ein Risiko ein. Sicherer ist es, vor allem den aktuellen Funktionsumfang zu bewerten und künftige Features eher als Bonus zu sehen.

Nützlich sind außerdem unabhängige Einordnungen. Die Kritik der „Architekt:innen der KI-Ökonomie“ an Lieferengpässen und möglichen Fehlkonstruktionen der Infrastruktur zeigt, dass selbst Brancheninsider Zweifel haben, ob alle Pläne wie angekündigt aufgehen. Wenn mehrere große Anbieter gleichzeitig sehr ähnliche, weitreichende Versprechen machen, lohnt sich eine besonders kritische Haltung.

Für Euch heißt das: Prüft Werbung auf einschränkende Formulierungen, achtet auf den tatsächlichen Lieferzeitpunkt von Funktionen und betrachtet KI-Labels nicht als Garantie, sondern als Hinweis, der erklärt werden muss. Der jetzige Vergleich um Siri und „Apple Intelligence“ dürfte Unternehmen weltweit daran erinnern, dass überzogene KI-Versprechen nicht nur dem Vertrauen schaden, sondern auch teuer werden können.

Via: www.iClarified.com · techcrunch.com

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Michael Reimann

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