Steigende Kosten für Speicher und Prozessoren setzen den PC-Markt unter Druck und könnten Laptop-Preise deutlich nach oben treiben. Davon betroffen sind vor allem Windows-Modelle im Mainstream-Segment, während Apple aktuell vergleichsweise gut dasteht.
TrendForce: Komponentenpreise treiben Mainstream-Laptops nach oben
Die Marktforscher:innen von TrendForce erwarten, dass Notebook-Preise 2026 im Durchschnitt um rund 40 Prozent steigen könnten, wenn Hersteller, Zwischenhändler und Händler:innen ihre Margen halten wollen. In der Modellrechnung klettert ein heute 900 US-Dollar (ca. 828 Euro) teures Mainstream-Notebook auf etwa 1.260 US-Dollar (ca. 1.160 Euro). Auslöser sind vor allem anhaltende Engpässe bei Speicher und Flash-Speicher sowie steigende CPU-Preise.
Vor den aktuellen Verwerfungen machten Arbeitsspeicher-Module und SSDs zusammen etwa 15 Prozent der Materialkosten eines typischen Geräts aus, der Prozessor rund 30 Prozent. Damit entfielen etwa 45 Prozent der Kosten auf diese drei Hauptkomponenten. Inzwischen liegt dieser Anteil laut TrendForce bei rund 58 Prozent. Der Anstieg um 13 Prozentpunkten auf der Kostenseite reicht jedoch nicht aus, um die Margen entlang der gesamten Lieferkette zu sichern, weshalb im Handel deutlich stärkere Preiserhöhungen zu erwarten sind.
Die Speicherpreise steigen bereits seit dem letzten Quartal 2025 spürbar. Ein großer Anbieter aus der Speicherbranche warnte sogar, dass der Mangel an NAND-Flash ganze Unternehmen gefährden könnte, die sich nicht mehr ausreichend versorgen können. Grund ist die sehr hohe Nachfrage von KI-Rechenzentren und sogenannten Hyperscalern nach Hochbandbreitenspeicher und schnellen Speichersystemen. Da diese Kunden bereit sind, höhere Preise zu zahlen als der klassische Consumer-Markt, verlagern viele Hersteller ihre Kapazitäten auf diese lukrativeren Produkte.
KI-Boom belastet auch CPU-Markt und Windows-Einstiegsklasse
2026 trifft der KI-Boom nicht mehr nur Speicher, sondern zunehmend auch Prozessoren. Intel und AMD melden eine stark gestiegene Nachfrage, hinzu kommen Engpässe bei Server-Prozessoren in China. Treiber ist vor allem agentische KI, die für ihre Workloads eine Kombination aus CPUs, GPUs, NPUs und weiteren Beschleunigern benötigt. Auch im Consumer-Bereich zeigt sich die Belastung, etwa durch Experimente mit OpenClaw, die Lieferzeiten für High-End-Macs mit sehr großen Unified-Memory-Konfigurationen verlängern.
Für Microsoft und viele PC-Hersteller ist diese Entwicklung problematisch, weil ein großer Teil der Käufer:innen im Einsteiger- und Mittelklasse-Segment Windows-Notebooks unterhalb von 1.000 US-Dollar (ca. 920 Euro) bevorzugt. Sollten die von TrendForce prognostizierten Aufschläge Realität werden, verlieren solche Geräte an Attraktivität – insbesondere im Vergleich zu Apples aktuellem Line-up.
Apple profitiert von eigenem Chipdesign, spürt aber Speicherknappheit
Apple deckt mit seiner Mac-Palette inzwischen eine größere Preisspanne ab als bisher, von dem neuen MacBook Neo für 699 Euro bis zu einem später im Jahr erwarteten, höher positionierten MacBook „Ultra“. Während Intel die Preise für Einstiegs- und ältere Notebook-Prozessoren bereits um mehr als 15 Prozent erhöht hat und weitere Anpassungen für Mainstream- und High-End-Plattformen plant, ist Apple durch eigenes Chipdesign teilweise besser geschützt. Der A18-Pro-Chip im MacBook Neo wird von TSMC auf Basis direkter Liefervereinbarungen mit Apple gefertigt und ist damit weniger von Intels Preispolitik abhängig.
Komplett immun ist Apple dennoch nicht. Wie die gesamte Branche spürt auch der Mac-Hersteller die gestiegenen Kosten für DRAM und NAND-Flash. Das reicht von den festen 8 GB Arbeitsspeicher im Neo bis zu den großen Speicherausstattungen im MacBook Pro. Erst vor Kurzem hat Apple die 512-GB-Speichererweiterung beim Mac Studio gestrichen, das Gerät lässt sich nun maximal mit 256 GB konfigurieren. Gleichzeitig stieg der Aufpreis für das Upgrade von 96 GB auf 256 GB beim Mac Studio mit M3 Ultra von 1.600 US-Dollar (ca. 1.474 Euro) auf 2.000 US-Dollar (ca. 1.842 Euro).
TrendForce sieht „Tier-1-Marken“ mit engen Lieferantenbeziehungen insgesamt am besten aufgestellt, um den Preisdruck abzufedern. Das spricht für Apple, zeigt aber auch, dass selbst große Anbieter Kompromisse eingehen und Optionen streichen müssen, um auf die angespannte Marktlage zu reagieren.
