Chinesische Technologiekonzerne wie Alibaba und ByteDance trainieren ihre fortschrittlichsten KI-Modelle zunehmend in Südostasien. Dort greifen sie auf Rechenzentren mit Nvidia-Grafikprozessoren zu, die trotz US-Exportkontrollen verfügbar sind.
KI-Training wandert in Rechenzentren nach Südostasien
Laut einem Bericht der Financial Times verlagern führende chinesische KI-Labore Teile der Trainings ihrer KI-Modelle in Rechenzentren in Singapur und Malaysia. Sie mieten dort Rechenleistung bei nicht-chinesischen Betreiber:innen, um hochentwickelte Nvidia-Beschleuniger nutzen zu können.
Alibabas Sprachmodell Qwen und Doubao von ByteDance haben sich im vergangenen Jahr in globalen Benchmarks für große Sprachmodelle an die Spitze gearbeitet. Beide Modelle sollen zumindest teilweise mit Nvidia-Beschleunigern in Offshore-Clustern trainiert worden sein.
Rechenzentrumsbetreiber:innen mit Sitz in Singapur berichten der Financial Times zufolge von wachsender Nachfrage chinesischer Firmen seit April. Damals setzte die Trump-Regierung ein strengeres Embargo für Nvidias H20 und andere exportkonforme Chips durch. Die damit verknüpfte „Diffusionsregel“, die auch das Auslands-Leasing von Rechenleistung blockieren sollte, wurde kurz darauf im Rahmen einer überarbeiteten Politik wieder zurückgenommen.
Rechtslage: Verbotene Verkäufe, erlaubtes Leasing
Nach den derzeitigen US-Exportkontrollen darf Nvidia seine fortschrittlichsten Grafikprozessoren nicht direkt nach China verkaufen. Gleichzeitig verbietet China ausländische KI-Chips in staatlich finanzierten Rechenzentren. Das Anmieten von Rechenleistung in ausländischen, ausländisch kontrollierten Rechenzentren ist jedoch weiterhin zulässig, selbst wenn die Kund:innen aus China stammen.
Eine Mitteilung aus dem Mai 2025 zog geplante Beschränkungen aus der Biden-Ära zurück, die unter dem Namen „KI-Diffusionsregel“ liefen. Diese Regel hätte derartige Leasing-Modelle als indirekte Verstöße gegen das Exportverbot gewertet. De facto können Unternehmen nun Beschleuniger der Klassen H100 und A100 außerhalb Chinas nutzen, solange die Hardware einem konformen Drittanbieter gehört und von diesem betrieben wird.
ByteDance und Alibaba sind nicht die einzigen Unternehmen, die diesen Weg verfolgen, aber die sichtbarsten Beispiele. Ihre Konstruktionen ermöglichen es ihnen, neue Modelle mit Leistungszielen zu trainieren, die mit westlichen KI-Laboren vergleichbar sind. Die so entstehenden Modellgewichte lassen sich anschließend in China für Inferenzzwecke auf inländischen Chips einsetzen.
Chinesische Firmen greifen dafür zunehmend auf Prozessoren von Huawei und anderen lokalen Anbietern zurück. Diese Hardware kommt vor allem bei Bereitstellung und Nutzerinteraktion zum Einsatz, die inzwischen einen wachsenden Teil der KI-Lasten ausmachen.
Ausnahme DeepSeek und Grenzen durch Datenschutz
Eine wichtige Ausnahme ist DeepSeek, ein Unternehmen aus Shanghai, das Nvidia-Komponenten vor dem US-Verbot auf Vorrat beschafft hat und weiterhin in China trainiert. Dem Unternehmen wird außerdem nachgesagt, über Briefkastenfirmen Restriktionen zu umgehen. DeepSeek arbeitet mit Huawei zusammen, um künftige Trainingsläufe auf lokaler Hardware zu optimieren.
Obwohl Trainingscluster ins Ausland abwandern, dürfen private Daten China nicht verlassen. Feinabstimmung oder erneutes Training auf Basis chinesischer Nutzerdaten müssen daher weiterhin im Inland stattfinden, selbst wenn das Basismodell im Ausland entwickelt wurde.
Via: https://www.tomshardware.com
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