Ein ehemaliger Apple-Designer hat Einblicke in die lange Entwicklungszeit der AirPods Max gegeben – und erklärt, warum der Kopfhörer kein Apple-Logo trägt. Die Aussagen zeigen, wie stark Apple-Design von internen Prinzipien geprägt ist.
Fünf Jahre Arbeit und hunderte Prototypen
Die ersten AirPods kamen 2016 auf den Markt, die AirPods Max folgten erst 2020. Naheliegend wäre die Annahme, Apple habe den Over-Ear-Kopfhörer erst nach dem Erfolg der kleinen weißen Ohrhörer geplant. Auch die späte Aktualisierung der AirPods Max, bei der im Kern nur der Ladeanschluss auf USB‑C umgestellt wurde, ließ den Eindruck entstehen, dass das Produkt intern keine hohe Priorität hatte.
Designer Eugene Whang zeichnet nun ein anderes Bild. Im Gespräch mit dem Magazin Highsnobiety berichtet er, dass er bereits fünf Jahre vor der Markteinführung an den AirPods Max gearbeitet hat. Er beschreibt das Projekt im Kern als Entwicklung von drei Produkten: dem Kopfbügel, dem Etui und dem Polster, das die AirPods Max komfortabel an den Ohren der Nutzer:innen hält.
Besonders herausfordernd war laut Whang die Gestaltung der Polsterung. Sie sollte möglichst vielen verschiedenen Kopf- und Kopfformen passen. Dafür habe das Team mit „hunderten und hunderten von Variationen“ experimentiert, bis die gewünschte Kombination aus Passform und Tragekomfort erreicht war.
Warum die AirPods Max kein Apple-Logo tragen
Whang zufolge ging es bei den AirPods Max nicht nur um praktische oder technische Fragen und auch nicht nur darum, Funktionen hinzuzufügen. Eine zentrale Rolle spielten grundsätzliche Designüberlegungen – etwa die bewusste Entscheidung gegen ein Apple-Logo auf dem Kopfhörer.
Während praktisch jedes andere Apple-Produkt ein sichtbares Markenzeichen trägt, verzichtet der Over-Ear-Kopfhörer darauf. Whang bringt die Überlegung dahinter knapp auf den Punkt: „Wir wollten euren Kopf nicht branden.“
Diese Haltung zeigt, dass die Designer:innen bei Apple auch darüber nachdenken, wie präsent die Marke am Körper der Nutzer:innen sein soll. Das Fehlen des Logos ist damit Teil des beabsichtigten Auftritts der AirPods Max.
Einblick in die Designkultur bei Apple und LoveFrom
Die AirPods Max gehörten zu den letzten Produkten, an denen Whang in seinen 22 Jahren bei Apple gearbeitet hat. Er beschreibt eine Kultur, in der Disziplin im Design im Mittelpunkt stand. Das Team habe sich stundenlang an einem Tisch versammelt, alle seien gleich gewesen, die Qualität der Ideen habe gezählt. Man sei sehr direkt miteinander umgegangen.
Laut Whang spielte dabei Ego keine Rolle. Kritik habe sich immer auf die Idee, nicht auf die Person bezogen. Diese Haltung knüpft an frühere Aussagen von Jony Ive an, der die Bedeutung von Details und die spürbare Sorgfalt in Produkten betont hat. Whang teilt diese Sichtweise.
„Wenn es innen nicht stimmt, wird es außen nicht stimmen“, sagt er. Man habe buchstäblich von innen nach außen gestaltet. Die inneren Details hätten genauso viel Designaufwand bekommen wie das Äußere: die Form der Leiterplatte, die Platzierung der Komponenten, das ständige Verschieben und „Tetris“ des Innenlebens.
Whang ist überzeugt, dass Apple-Designer:innen mit ihren Produkten Kultur geprägt haben. Gleichzeitig beschreibt er den Moment nach einer Markteinführung als Phase des „Verteidigungsmodus“, in der das Team vor allem darüber nachdenkt, was man übersehen haben könnte. Trotz des großen Einflusses habe sich die Arbeit im Alltag nicht außergewöhnlich angefühlt: Man sei einfach seiner Aufgabe nachgegangen.
Whang verließ Apple kurz nach Jony Ive und wechselte zu dessen Designfirma LoveFrom. Dort arbeitete er nach eigenen Angaben an einer großen Bandbreite von Projekten, von Technologie bis Innenarchitektur, bevor er das Unternehmen verließ, um sich um seine erkrankte Mutter zu kümmern. Er beschreibt die Zeit bei LoveFrom als inspirierend, sowohl in Bezug auf die Arbeit als auch auf die Menschen. LoveFrom hat zuletzt unter anderem mit dem elektrischen Fahrzeug Ferrari Luce seine Arbeit an Technologie und Innenraumgestaltung gezeigt.