Aktuelle Berichte aus China behaupten, Apple diskutiere intern, MagSafe beim iPhone zu streichen. Ein Blick auf Hardware, Zubehör-Ökosystem und Qi2-Standard zeichnet jedoch ein deutlich komplexeres Bild.
Auslöser der Diskussion ist ein Beitrag auf der chinesischen Plattform Weibo. Der dort bekannte Leaker „Instant Digital“ will erfahren haben, dass innerhalb von Apple über die Zukunft von MagSafe als Standardfunktion des iPhones gestritten wird. Demnach hinterfrage das Unternehmen inzwischen, ob die Magnetringe den Geräten schaden oder zu starke Kompromisse im Design erzwingen.
MagSafe für das iPhone wurde 2020 mit der iPhone‑12‑Reihe eingeführt. Seitdem sitzt ein Ring aus Magneten in der Rückseite der Geräte, der drahtloses Laden und das Andocken von Zubehör erleichtert. Rund um diese Technik ist ein großes Ökosystem entstanden, von Hüllen und Geldbörsen über Ständer bis hin zu Ladegeräten zahlreicher Drittanbieter.
Laut Instant Digital war die Stimmung bei Apple zum Start von MagSafe ausgesprochen offensiv, inklusive Plänen, die Magnettechnik in die iPad‑Reihe zu bringen. Entsprechende Entwürfe und Prototypen wurden laut früheren Berichten zwar getestet, aber nie in ein Serienprodukt überführt. Konkrete iPads mit MagSafe oder Glasrückseite sind bis heute nicht erschienen, auch das überarbeitete M4‑iPad Pro kam ohne diese Funktion auf den Markt.
Die aktuelle Diskussion dreht sich laut Leak um Kosten und Platzbedarf der Magnete im Gerät – und um das Gewicht des Zubehör-Ökosystems, das darauf aufbaut. Kritiker:innen des Gerüchts verweisen darauf, dass die wahre Designgrenze bei drahtlosem Laden nicht die Magnete, sondern die Glas- oder Verbundrückseite ist, die für Energieübertragung ohnehin nötig ist. Die verwendeten Magnetringe seien sehr dünn und passiv und veränderten die Bauhöhe nicht grundlegend.
Hinzu kommt, dass MagSafe inzwischen die Basis für Qi2 bildet, den offenen drahtlosen Ladestandard, den das Wireless Power Consortium Anfang 2023 vorgestellt hat. Apple steuerte die magnetische Ausrichtungstechnik bei, und seitdem orientieren sich immer mehr Ladepads, Autohalterungen, Akkupacks und Hüllen an diesem System. Auch andere Smartphone-Hersteller übernehmen Qi2.
Ein vollständiger Rückzug von MagSafe aus den iPhones würde daher nicht nur eine Produktentscheidung bedeuten, sondern auch ein Abrücken von einem Standard, den Apple selbst wesentlich mitgestaltet hat. Gleichzeitig baut Apple weiterhin eigene MagSafe-Ladegeräte, Geldbörsen, Akkus und Hüllen und aktualisiert sie mit neuen iPhone-Generationen. Das Unternehmen setzt traditionell auf Kontinuität, damit Zubehör über mehrere Gerätegrenzen hinweg nutzbar bleibt.
Dass Apple je nach Modell unterschiedliche Entscheidungen trifft, zeigt der Blick auf die günstigeren iPhone‑e‑Modelle. Das iPhone 16e erschien ohne MagSafe und war damit das erste neue iPhone seit Jahren ohne integrierten Magnetring. Viele Nutzer:innen nutzten Hüllen mit eingebetteten Magneten als Notlösung, die aber als weniger komfortabel galt. Die Kritik fiel deutlich aus, Apple brachte beim Nachfolger iPhone 17e den MagSafe‑Support wieder zurück.
Spannend ist auch das erwartete faltbare „iPhone Ultra“. Dummys des Geräts sollen keine sichtbaren Aussparungen für den Magnetring zeigen. Das Modell soll aufgeklappt nur 4,5 Millimeter dünn sein und könnte schlicht zu wenig Raum für die Magnetstruktur bieten. Falls MagSafe hier tatsächlich fehlt, wäre das zugleich das erste neue High‑End‑iPhone ohne MagSafe seit dem iPhone 11 Pro und mit einem kolportierten Startpreis von rund 2.000 US‑Dollar (etwa 1.870 Euro) das teuerste iPhone bislang.
In den Formfaktoren zeigt sich ein Muster: Sehr dünne oder besonders günstige Modelle können auf Funktionen verzichten, ohne dass die gesamte Plattform umgestellt wird. Denkbar erscheint laut Berichten auch, dass Apple MagSafe künftig stärker über Hüllen mit Magneten abbildet und die In‑Device‑Magnete reduziert – ähnlich wie es viele Besitzer:innen des iPhone 16e bereits praktizieren. Gleichzeitig gilt ein kompletter Wegfall von MagSafe in der gesamten iPhone‑Reihe angesichts der Verankerung in Qi2 als unwahrscheinlich.
Beobachter:innen weisen zudem darauf hin, dass Instant Digital zwar vereinzelt richtige Details veröffentlicht hat, insgesamt aber eine wechselhafte Trefferquote besitzt und oft ohne Bestätigung durch andere Quellen bleibt. Vieles spricht daher eher für interne Debatten über Effizienz, Hitzeentwicklung, Magnetstärke oder eine engere Anpassung an Qi2‑Zubehör – also um Feinschliff statt um ein grundsätzliches Infragestellen von MagSafe.
Via: appleinsider.com · www.macrumors.com
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