Sicherheitsforscher:innen von Calif haben den ersten öffentlich bekannten macOS-Kernel-Exploit auf Apple-M5-Hardware vorgestellt, der Apples neuen Schutz Memory Integrity Enforcement umgeht. Dabei kam die KI-Plattform Mythos Preview von Anthropic umfassend zum Einsatz.
Memory Integrity Enforcement im Fokus
Apple hat in den vergangenen fünf Jahren mit großem Aufwand die Hardware-gestützte Sicherheitsfunktion Memory Integrity Enforcement (MIE) entwickelt, die auf der Speicher-Taggungserweiterung von ARM basiert. MIE soll Speicherfehler-Exploits deutlich erschweren und wurde als Kernfunktion für den Apple-M5- und A19-Chip eingeführt, um insbesondere iOS- und macOS-Angriffe abzuwehren. Nach Apples internen Untersuchungen unterbricht MIE alle öffentlich bekannten Exploit-Ketten gegen moderne iOS-Versionen, einschließlich der kürzlich geleakten Coruna- und Darksword-Kits.
Trotz dieser Maßnahmen bleibt Speicherbeschädigung die häufigste Schwachstellenklasse auf Plattformen wie iOS und macOS. Da sich dieses Problem nicht vollständig verhindern lässt, setzt Apple auf teure, leistungsrelevante Gegenmaßnahmen direkt in der Hardware. Viele Sicherheitsexpert:innen sehen Apple-Geräte deshalb als besonders abgesichert an, auch wenn MIE nie als vollkommen „hacker-sicher“ gedacht war.
Exploit-Kette auf Apple-M5 und macOS 26.4.1
Das Team der Sicherheitsfirma Calif aus Palo Alto entdeckte den jetzt veröffentlichten Angriffsweg eher zufällig. Die erste Schwachstelle wurde am 25. April gefunden, kurz darauf stieß ein weiterer Experte zum Team, und bis zum 1. Mai stand eine funktionsfähige Exploit-Kette. Sie richtet sich gegen macOS 26.4.1 (Build 25E253) auf M5-Macs mit aktivierter Kernel-Memory-Integrity-Enforcement.
Der Angriff ist eine reine Daten-basiere, lokale Kernel-Privilegienerweiterung und startet von einem unprivilegierten lokalen Benutzerkonto aus. Er nutzt ausschließlich reguläre Systemaufrufe, kombiniert zwei Schwachstellen mit mehreren Umgehungstechniken und endet in einer Root-Shell. Damit könnten Angreifer:innen bei Kombination mit weiteren Einstiegspunkten potenziell vollständige Kontrolle über ein System erlangen und auf stark geschützte Bereiche des Betriebssystems zugreifen.
Nach eigenen Angaben handelt es sich, soweit bekannt, um den ersten öffentlichen macOS-Kernel-Exploit auf Hardware mit aktiviertem MIE. Die vollständigen technischen Details fasst ein 55-seitiger Bericht zusammen, den Calif Anfang der Woche persönlich im Apple Park in Cupertino übergeben hat. Apple prüft den Bericht aktuell und betont, dass Sicherheit weiterhin höchste Priorität habe und Hinweise auf mögliche Schwachstellen sehr ernst genommen würden. Die Veröffentlichung der technischen Einzelheiten wollen die Forschenden zurückhalten, bis Apple Patches für die zugrunde liegenden Fehler bereitstellt.
Rolle von Mythos Preview und KI in der Sicherheitsforschung
Eine zentrale Rolle bei der Entdeckung der Bugs und beim Bau der Exploit-Kette spielte Mythos Preview, ein bislang nicht öffentlich verfügbares KI-Modell von Anthropic. Mythos half, die Schwachstellen schnell zu identifizieren, weil sie bekannten Bug-Klassen zuzuordnen waren, und unterstützte den gesamten Entwicklungsprozess. Laut Calif-CEO Thai Duong dauerte es nur fünf Tage, um mit Hilfe von Anthropics Claude den Code zu schreiben, der die beiden macOS-Bugs ausnutzt, auch wenn nach wie vor erhebliche menschliche Expertise erforderlich war.
Mythos kann, sobald es eine bestimmte Angriffs- oder Problemklasse verstanden hat, auf viele ähnliche Fälle verallgemeinern und eignet sich für aussagekräftige Code-Prüfungen sowie zur Reproduktion bereits dokumentierter Eindringtechniken. Laut Duong hat das Modell bislang jedoch nicht gezeigt, dass es völlig neue Angriffsmethoden eigenständig erfinden kann. Frühere Tests von Anthropic verdeutlichen dennoch das Potenzial: Das KI-System fand innerhalb von zwei Wochen mehr als 100 schwerwiegende Schwachstellen im Firefox-Browser, eine Menge, für die die Sicherheitscommunity normalerweise mehrere Monate benötigt.
Der aktuelle macOS-Exploit und ähnliche Forschungsergebnisse tragen dazu bei, dass Regierungen ihre Strategie im Umgang mit KI überdenken. In den USA wird ein Exekutiverlass diskutiert, der der Regierung Aufsicht über besonders leistungsfähige KI-Modelle geben könnte. Anthropic begrenzt den Zugang zu Mythos bisher auf ausgewählte Partnerprogramme wie Apples „Project Glasswing“, mit dem das Unternehmen seine Infrastruktur und Plattformen wie macOS, iOS und Safari proaktiv mit KI-gestützter Codeanalyse absichern will.
Via: blog.calif.io · www.iClarified.com
