Im Roborock Qrevo S Pro ausprobiert-Test zeigt sich, ob das Mittelklasse-Gerät mit 18.500 Pascal Saugkraft, rotierenden Wischmopps und vollautomatischer Basisstation im Alltag hält, was es verspricht – oder ob Premium-Ambitionen und Alltagstauglichkeit auseinanderfallen.
Saugroboter sind längst keine futuristischen Spielzeuge mehr. Sie sind Haushaltshelfer, auf die man sich täglich verlassen will – oder eben nicht. Der Roborock Qrevo S Pro tritt genau in diesem Anspruch an: als Mittelklasse-Gerät mit Premium-Ambitionen, das Saugen und Wischen vereint und dabei durch eine vollautomatische Basisstation glänzen will. Das Versprechen klingt vertraut – aber wie schlägt sich das Gerät, wenn die erste Begeisterung verflogen ist und der Alltag beginnt? Ich habe den Qrevo S Pro über mehrere Wochen in meiner Wohnung laufen lassen und schaue genau hin, was er wirklich kann – und wo er Grenzen hat.
Ausgepackt – Erster Eindruck
Die Verpackung des Qrevo S Pro ist erwartungsgemäß groß. Drinnen stecken Roboter, Basisstation, Netzteil, zwei rotierende Wischmopps und ein vorinstallierter Staubbeutel. Das Gerät selbst ist in einem flachen, runden Gehäuse untergebracht, das mit 96,5 mm Bauhöhe angenehm niedrig ausfällt – Unterfahren von Sofas und Betten ist kein Problem. Die Basisstation hingegen baut deutlich auf: 519 mm hoch, 487 mm tief. Wer wenig Platz hat, muss hier schon vorplanen, denn das System braucht eine feste Wand mit ausreichend Freiraum rundherum.
Das Design ist typisch Roborock: dezent, weiß oder schwarz erhältlich, mit dem charakteristischen LiDAR-Turm auf der Oberseite. Verarbeitungsqualität und Materialauswahl machen einen hochwertigen Eindruck, Spaltmaße stimmen, Kunststoffoberflächen sind matt gehalten und greifen sich solide an. Erste Einrichtung via Roborock-App geht schnell: WLAN-Zugangsdaten eingeben, den Roboter einmal die Wohnung kartieren lassen – nach etwa 10 bis 15 Minuten kennt er jeden Raum und fährt beim nächsten Reinigungsauftrag strukturiert in geraden Bahnen. Für Apple-Nutzer besonders interessant: Siri Shortcuts sind direkt unterstützt, ebenso Matter über ein bereits ausgerolltes OTA-Update. Das Unboxing vermittelt solide Wertigkeit, ohne zu übertreiben.
Die Daten
Auf dem Papier dominiert eine Zahl: 18.500 Pascal Saugkraft. Das ist mehr als doppelt so viel wie beim Vorgänger Qrevo S mit 7.000 bis 8.000 Pa – und klingt seriös.
Ehrlicher Einschub: Pascal-Werte allein sagen wenig aus, weil Messmethoden variieren und der Wert unter Laborbedingungen erzielt wird. Entscheidender ist das Zusammenspiel mit dem Bürstensystem. Roborock setzt hier auf eine abnehmbare Vollgummi-Hauptbürste in adaptiver Floating-Aufhängung sowie eine Anti-Tangle-Seitenbürste, die Haare weniger leicht aufwickelt – ein echter Vorteil für Haushalte mit Haustieren oder langen Haaren.
Der 5.200 mAh Akku ermöglicht bis zu 180 Minuten Betrieb – für Wohnungen bis 200 Quadratmeter problemlos ausreichend. Die Station fasst vier Liter Frischwasser und 3,5 Liter Schmutzwasser; der Staubbeutel muss laut Hersteller nur alle 65 Tage geleert werden. Wer regelmäßig reinigt, kommt damit sehr entspannt durch den Monat – das Nachfüllen von Wasser ist die häufigste manuelle Aufgabe im Betrieb.
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Im Alltag – Saugen auf Hartboden und Teppich
Im täglichen Einsatz auf Hartboden – Parkett, Fliesen, Laminat – überzeugt der Qrevo S Pro auf ganzer Linie. Staub, Krümel, Brotreste und Tierhaare verschwinden zuverlässig. Der Roboter fährt strukturiert, ohne Flächen doppelt zu überfahren oder Ecken zu vergessen. Die Kartierung speichert mehrere Stockwerke separat, und Reinigungszonen lassen sich frei definieren. Das Ergebnis nach einer Reinigungsrunde: sauber durchgefegt, keine sichtbaren Streifspuren.
Auf Kurzflorteppichen erkennt der Qrevo S Pro die Oberfläche korrekt, erhöht die Saugleistung automatisch und hebt die Wischmopps um 10 mm an. Das verhindert zuverlässig, dass die Mopps Feuchtigkeit auf den Teppich übertragen. Weniger überzeugend: der Härtetest auf Teppich mit feinem Sand. In Praxistests schaffte der Qrevo S Pro rund drei Viertel aufzusaugen – solide, aber nicht Spitzenklasse. Vergleichbare Modelle anderer Hersteller knacken hier die 80 Prozent Marke. Wer einen stark tierbehaasten Teppich hat und sehr hohe Ansprüche ans Teppichsaugen stellt, sollte diesen Punkt im Blick behalten.
Im Alltag -Wischleistung ist die echte Stärke
Wer den Qrevo S Pro kauft, kauft ihn vor allem wegen des Wischens – und da liefert er. Die zwei rotierenden Moppscheiben drehen sich mit bis zu 200 Umdrehungen pro Minute und pressen sich dabei mit konstantem Druck auf den Boden. Das sorgt für deutlich mehr Flächenreibung als klassische Mopps, die nur schleifen. Angetrockneter Kaffee verschwindet im ersten Durchgang größtenteils vollständig, hartnäckigere Flecken wie eingetrockneter Kakao lösen sich spätestens beim zweiten Durchgang. Wer regelmäßig mehrmals wöchentlich reinigt, kommt mit einem einzigen Durchgang aus und braucht den Wischmopp nur für außergewöhnliche Verschmutzungen noch selbst in die Hand zu nehmen.
Die Basisstation macht die Wischfunktion erst komplett: Nach jedem Einsatz wäscht sie die Moppscheiben mit 75 Grad heißem Wasser – fettige Rückstände und Bakterien haben kaum eine Chance. Anschließend trocknet Warmluft mit 45 Grad die Pads, sodass kein feuchter Geruch entsteht. In der Praxis waren die Mopps selbst nach intensivem Kakao-Kaffee-Einsatz nach einer Stationsreinigung wieder weitgehend sauber. Die Reinigungsleistung der Station ist dabei spürbar besser als bei Modellen, die nur mit kaltem Wasser spülen.
Navigation und wo sie schwächelt
Die LiDAR-Navigation ist das Rückgrat des Geräts und funktioniert tadellos. Der Roboter kartiert schnell, erinnert sich an mehrere Etagen und hält sich präzise an virtuelle Sperrzonen und individuelle Raumeinstellungen. Teppichkanten werden erkannt, Übergänge zwischen Böden gemeistert, und selbst komplexere Grundrisse mit Nischen und Durchgängen werden sauber abgearbeitet. Im Großen und Ganzen ist die Raumabdeckung sehr zuverlässig.
Wo es aber Abzüge gibt: die frontseitige Reactive-Tech-Hinderniserkennung auf Standard-Einstellung. Im Alltag wurden Kabel und kleinere Netzteile gelegentlich schlicht überfahren. Das ist kein Einzelfall – es ist ein bekanntes Muster bei dieser Sensor-Generation. Die Lösung: In der App die Empfindlichkeit der Objekterkennung direkt auf die höchste Stufe stellen. Dann verbessert sich die Erkennung spürbar, auch wenn kleine, dunkle Kabel weiterhin gelegentlich zur Stolperfalle werden können. Wer den Boden konsequent aufräumt, hat das Problem schlicht nicht.
Ein weiterer Alltagspunkt: Die Moppscheiben sind fest im Chassis montiert und können nicht seitlich ausgefahren werden. Das bedeutet, entlang von Fußleisten und Wänden bleibt ein schmaler ungewischter Streifen zurück – typischerweise ein bis zwei Zentimeter. Konkurrenzprodukte im gleichen Preissegment bieten hier bereits ausfahrbare Wischmopps oder zumindest eine Moppwippen-Funktion, die die Reinigungsfläche an den Rand ausdehnt. Das ist kein Dealbreaker, aber ein Punkt, der im täglichen Betrieb sichtbar bleibt – besonders in Küche und Bad, wo gerade am Rand Schmutz entsteht.
App, Smart Home und Feineinstellungen
Die Roborock-App ist eine der besten in der Branche – das gilt auch hier. Kartendarstellung, Zonenreinigung, individuelle Saugstufen und Wassermengen lassen sich feingranular einstellen. 30 Wasserabgabe-Stufen klingen nach Overkill, ermöglichen aber eine präzise Anpassung an empfindliche Böden wie Echtholzparkett. Gleiches gilt für Saugstufen: Es gibt vier Voreinstellungen plus manuelle Anpassung, sodass man lautes Maximalrauschen auf Teppich nicht zwingend in jedem Raum braucht.
Die SmartPlan-2.0-Funktion wertet die Nutzungshistorie aus und schlägt passende Reinigungsroutinen vor – wann welcher Raum wie häufig gereinigt werden sollte. Wer will, nimmt diese Vorschläge einfach an. Für Apple-Nutzer besonders praktisch: Siri Shortcuts ermöglichen direkte Sprachbefehle, ohne Umweg über eine separate App. Matter-Unterstützung ist per Update bereits aktiv – ein Schritt, den andere Hersteller oft nur im Premiumsegment gehen. Alexa und Google Home sind selbstverständlich ebenfalls an Bord. Was fehlt, ist eine automatische Reinigungsmitteldosierung, wie sie manche Konkurrenten bereits bieten: Roborock bleibt hier beim klassischen Manuell-Auffüllen.
Fazit: Für wen lohnt sich der Qrevo S Pro?
Der Roborock Qrevo S Pro ist kein Gerät, das man täglich bedienen muss – und genau das ist sein größter Vorteil. Er saugt zuverlässig, wischt überzeugend, reinigt sich selbst und trocknet seine Mopps mit Heißluft. Die Basisstation erledigt so viel Arbeit im Hintergrund, dass der tatsächliche Wartungsaufwand auf ein Minimum schrumpft: Staubbeutel alle zwei Monate wechseln, gelegentlich Wasser nachfüllen – das war’s für den normalen Wochenbetrieb. Das Gesamtpaket aus Hardware, App und Smart-Home-Integration ist ausgereift und durchdacht.
Wer in der Mittelklasse ein Gerät mit echter Wischkompetenz, solider Navigation und gut verzahnter App sucht – und dabei kein Flaggschiff-Preisschild bezahlen möchte – trifft mit dem Qrevo S Pro eine vernünftige Wahl. Die 589 Euro UVP sind dabei eher ein Deckenpreis; aktuell bietet Amazon den Roborock Qrevo S Pro schon 100 Euro günstiger für 489,99 Euro an. Für Haushalte mit gemischten Böden – also Parkett und Fliesen im Wechsel mit einzelnen Teppichen – spielt er seine Stärken am besten aus.
Einschränkungen gibt es dennoch: Die Kantenreinigung beim Wischen bleibt unvollständig, die Hinderniserkennung erfordert manuelles Nachjustieren, und eine automatische Reinigungsmitteldosierung fehlt. Wer diese Punkte als wichtig einstuft, sollte einen Blick auf die Konkurrenz werfen. Für alle anderen gilt: Der Qrevo S Pro macht seine Arbeit konsequent, leise und verlässlich – und das im wahrsten Sinne selbst
Der Roborock Qrevo S Pro wurde uns von Roborock für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an den Hersteller.
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Bilder Autor und Roborock
