Ausprobiert

DJI Romo 2 – Perfektionierte Bodenhaftung statt Flugstunden

Mein DJI Romo P2 ausprobiert Test ergründet, wie der Drohnen-Hersteller seinen neuen Saugroboter mit mechanischen Kletterbeinen und 36.000 Pascal Saugkraft zum Altbau-Helden macht. Ich habe geprüft, ob das intelligente Kraftpaket seine Kinderkrankheiten endlich abgelegt hat.

Erinnert ihr euch noch an mein Fazit zum DJI Romo P vor rund neun Monaten? Damals schrieb ich, dass der Drohnen-Gigant mit seinem Erstlingswerk zwar mutig das Segment bereichert hat, der Romo P unterm Strich aber ein extrem teurer und gelegentlich etwas tollpatschiger Haushaltshelfer war. Vor allem das blinde Verteilen von verschütteter Milch quer durchs Wohnzimmer und die später bekannt gewordenen, bedenklichen Datenschutzlücken hatten mich damals nicht erfreut.

Nun hat DJI relativ zügig den Nachfolger auf den Markt geworfen: Den Romo P2. Und weil ich als Technik-Nerd ein Faible für dieses extravagante Cyberpunk-Design im transparenten Gehäuse habe, wollte ich wissen, ob der Hersteller aus seinen Startfehlern gelernt hat. Spoiler: Sie haben. Zumindest bei den essenziellen Dingen. Der Romo P2 schickt sich an, das zu sein, was der Romo P zum Start hätte sein sollen. Doch bevor wir uns von aberwitzigen Pascal-Werten und ausfahrbaren Roboterbeinen allzu sehr blenden lassen, schauen wir uns das Gerät mit gewohnter Skepsis im Detail an.

Ausgepackt: Durchsichtiges Déjà-vu im heimischen Wohnzimmer

Wer den erstaunlich schweren Karton des DJI Romo P2 öffnet, erlebt ein Déjà-vu. Das äußere Design des Roboters und der dazugehörigen, wuchtigen All-in-One-Reinigungsstation hat sich auf den allerersten Blick kaum verändert. Das Gehäuse ist weiterhin vollständig transparent und gewährt einen faszinierend tiefen Blick auf die verbaute Sensorik, die Platinen und die Kabelstränge. Entweder man hasst diese Ästhetik, oder man liebt sie. Ich bleibe bei meiner Meinung aus dem letzten Jahr: Es ist ein absolutes Statement-Piece, das mich an die Designsprache früher Apple iMac G3 Gehäuse oder Nothing Smartphones erinnert. Erfrischend anders als die üblichen, sterilen weißen Plastik-Pucks der Konkurrenz.

Im Lieferumfang finden wir neben dem Roboter die Basisstation, die zwar ordentlich Platz im Flur einnimmt, aber völlig neue innere Werte mitbringt. DJI legt in der Clean More Combo viel Verbrauchsmaterial bei: Ersatzwischmopps, gleich zwei verschiedene Hauptbürsten, Seitenbürsten, Filter und mehrere Staubbeutel. Dass man hier immer noch auf klassische Einweg-Staubbeutel und obendrein auf proprietäre Reinigungsmittel-Kartuschen setzt, entlockt mir ein leises, aber genervtes Seufzen. Wir schreiben das Jahr 2026, und völlig beutellose Systeme sowie frei befüllbare Reinigungstanks wären bei Premium-Preisen eigentlich langsam eine Selbstverständlichkeit.

Einrichtung und der Elefant im Raum: Datenschutz und Apple

Die Inbetriebnahme ist DJI-typisch simpel gelöst. App laden, den obligatorischen QR-Code scannen und schon kann es losgehen.

Entwickler: DJI
Preis: Kostenlos

Doch da war doch was? Genau, der gewaltige Elefant im Raum namens Datenschutz. Beim Vorgänger gab es im Frühjahr gravierende Sicherheitslücken, durch die sich gewiefte Bastler mittels KI-Code theoretisch direkten Zugriff auf die Kameras und Wohnungskarten verschaffen konnten. DJI hat Besserung gelobt, hohe Bug-Bounty-Prämien gezahlt und die eklatanten Bugs des Erstlingswerkes per Firmware geschlossen. Noch besser: Für Ende 2026 verspricht der Hersteller per großem Update einen „lokalen Datenmodus“, der das Gerät komplett autark vom Internet und der Cloud nutzbar macht. Ein echter Pluspunkt für alle, die ungern chinesische Server in ihr Wohnzimmer einladen.

Für uns im Apple-Ökosystem gibt es immerhin offizielle Matter-Unterstützung, wodurch sich der Roboter rudimentär in Smart-Home-Umgebungen einbinden lässt. Eine native, tiefgreifende Apple HomeKit-Integration ist das immer noch nicht. Auf meiner Apple Watch kommen zwar die Benachrichtigungen pünktlich an, wenn der Staubbeutel voll ist, aber ein kurzes „Hey Siri, saug unter dem Esstisch“ erfordert mehr nervige Kurzbefehl-Einrichtung, als es sollte. Die Erstkartierung meiner Räume war dafür in fünf Minuten erledigt. Der Roboter rauscht gefühlt einmal durch den Raum, dreht sich kurz um die eigene Achse und die Karte steht zentimetergenau in der App.

Die Daten: Was DJI zum P und P2 verspricht

Bevor wir den kleinen, durchsichtigen Helfer auf den realen Dreck loslassen, werfen wir einen Blick auf die Zahlen. Ich halte mich hierbei exakt an die offiziellen Spezifikationen der DJI-Homepage zu den Modellen P und P2, denn das Internet ist oft schludrig und Marketing-Sprüche keine Fakten.

Während der alte Romo P noch mit 25.000 Pascal Saugkraft warb, knallt DJI beim Romo P2 36.000 Pascal auf das Datenblatt. Das ist eine Leistungssteigerung von rund 44 Prozent. Die Maße des Roboters bleiben mit 351 × 351 × 98 Millimetern völlig identisch. Das bedeutet, dass er mit 9,8 Zentimetern Bauhöhe immer noch geschmeidig unter die allermeisten Standardmöbel und Sofas passt. Die Akku-Kapazität verharrt bei soliden 5.000 mAh. Der wohl beeindruckendste Unterschied liegt jedoch in der Schwellenüberwindung. Der Romo P kam bei zwei Zentimetern bereits ins Schwitzen. Der P2 hat nun „dynamische adaptive Beine“, die einfache Türschwellen von 4 Zentimetern und Doppelstufen sogar bis zu 8,5 Zentimeter überwinden sollen. Das wohl spannendste Detail ist jedoch der Preis: Der Romo P kostete zur UVP massive 1.899 Euro. Der P2 startet nun deutlich konkurrenzfähiger bei Amazon bei 1.059 Euro.

Navigation auf Drohnen-Niveau: Sehen, Verstehen und Ausleuchten

Kommen wir zur absoluten Paradedisziplin des chinesischen Drohnenherstellers: der Navigation und Hinderniserkennung. Schon der Vorgänger war hier meisterhaft unterwegs, aber der Romo P2 setzt noch einen drauf. Unter der durchsichtigen Haube arbeitet ein Millimeter-Level-System, bestehend aus einem Solid-State-LiDAR, zwei Fisheye-Kameras an der Front und zusätzlicher ToF-Technik. Um auch nachts nicht blind durch die Wohnung zu irren, gibt es einen 2000 Quadratzentimeter abdeckenden Scheinwerfer, der den Boden bei Dunkelheit sanft ausleuchtet.

Im Betrieb fährt der Romo P2 so unglaublich elegant um Stuhlbeine und herumliegende Objekte, dass man fast schon Respekt vor der verbauten KI bekommt. Smartphone-Ladekabel, spitze Legosteine – fast alles wird sicher und ohne Berührung umfahren. DJI behauptet, dass nun gar transparente Objekte erkannt werden. In meinen mehrwöchigen Tests hat er Glastüren und durchsichtige PET-Flaschen erfolgreich verschont. Lediglich bei Engstellen ist die Software manchmal zu ängstlich kalibriert und weigert sich stur, durch schmale Lücken zu fahren, in die er physisch eigentlich noch locker passen würde.

Im Alltag: Klettern statt Kapitulieren vor Altbau-Hürden

Was mich am Vorgänger noch regelmäßig ärgerte, war die mangelhafte Kletterfähigkeit. Meine etwas höheren Türschwellen im Altbau waren für den Romo P mitunter unüberwindbare Burggräben, vor denen er kläglich hängen blieb. Der Romo P2

nutzt hier nun exzessiv seine neuen, dynamischen Beine. Fährt er auf ein hohes Hindernis zu, hebt er sein gesamtes Chassis tatsächlich physisch an.

Das sieht beim allerersten Mal kurios und leicht insektoid aus, funktioniert aber in der Praxis hervorragend. Die auf der Homepage angegebenen 4 Zentimeter für Einzelschwellen schafft er im Alltag völlig souverän. Er wuchtet sich klaglos über dicke Kanten und freiliegende Heizungsrohre, an denen die Konkurrenz verzweifelt. Die beworbenen 8,5 Zentimeter für Doppelstufen sind eher ein Extremwert für Testparcours, aber für jeden normalen, leicht unübersichtlichen Haushalt ist diese neue Kletterleistung eine absolute Erleichterung. Endlich muss ich den Roboter nicht mehr wie ein Kleinkind in das angrenzende Badezimmer tragen.

Saugen und Wischen: Kraft allein reicht nicht

Die vollmundigen 36.000 Pascal Saugkraft klingen auf dem Papier mächtig, und auf Hartböden wie Laminat oder Fliesen leistet der DJI Romo P2 tatsächlich tolle Arbeit. DJI legt dem Roboter ab Werk zwei verschiedene Hauptbürsten bei: Eine reine Gummiwalze und eine Kombibürste mit Borsten. In der Praxis nehmen sich beide kaum etwas. Beim künstlichen Test mit exakt 100 Gramm Katzenstreu saugten beide Varianten auf Laminat 99,5 Gramm restlos auf. Dank des DualSweep-Systems, bei dem zwei Seitenbürsten den Schmutz klug in die Mitte leiten, verheddern sich auch lange Haare so gut wie gar nicht mehr in der Mechanik.

Auch das Wischen hat ein mechanisches Upgrade erhalten. Der Romo P2 verfügt über einen Wischarm, der bis zu 123 Grad ausschwingt. Damit fährt er das rechte, rotierende Wischpad deutlich über 12 Zentimeter nach außen. Das Ergebnis? Sockelleisten, Kanten und runde Stuhlbeine werden nahezu lückenlos feucht gereinigt. Typisch für Rotationsmopps hinterlässt er gegen das Licht betrachtet manchmal einen minimalen Schmierfilm, aber dafür arbeitet das Gerät im Standard-Modus mit rund 56 Dezibel leise und stört selbst im Homeoffice nicht.

Flüssigkeiten und Teppiche: Der feine Unterschied zwischen Licht und Schatten

Eine der größten Peinlichkeiten des Vorgängers war der unbedarfte Umgang mit Flüssigkeiten. Ich erinnere mich daran, wie der Romo P eine Pfütze Milch durchfuhr und zu einem abstrakten, klebrigen Kunstwerk auf meinen Fliesen verarbeitete. Der Romo P2 erkennt solche Flüssigkeiten nun dank der Kameras souverän. Er stoppt, markiert den Fleck in der virtuellen Karte, saugt erst den Rest des Raumes trocken zu Ende. Dann kehrt er mit den Wischmopps zurück, um den Fleck aufzuwischen. Das ist brillant gelöst und rettet Nerven.

Doch wo viel Licht ist, fällt leider auch Schatten. Bei echten Hochflorteppichen kapitulieren die Sensoren und die Mechanik. Da die Wischmopps nur angehoben, aber nicht vollständig in der Station abgelegt werden können, schleifen sie unweigerlich über hohe Teppichfasern. Zudem hat der Roboter auf sehr dicken Teppichen Fortbewegungsprobleme, fährt teils erratische Muster und lässt zu viel Schmutz liegen. Auch bei sehr tiefen Bodenfugen, etwa 12 Millimeter, reicht trotz der utopischen Pascal-Werte der Unterdruck nicht aus, um den feinen Staub restlos herauszusaugen.

Ein 80-Grad-Spa für Wischmopps oder kluges Marketing?

Die Basisstation des Romo P2 sieht nicht nur aus wie ein leuchtendes Tech-Aquarium. Sie ist auch bis unter das Dach vollgestopft mit Technik. Die Wischmopps werden hier mit 80 Grad Celsius heißem Wasser gewaschen. Allerdings zeigte meine Wärmebildkamera, dass an den feuchten Pads oft nur knappe 40 Grad ankommen – Marketing und physikalische Realität klaffen hier also etwas auseinander. Optisch sauber werden sie am Ende trotzdem, und die anschließende Heißlufttrocknung verhindert zuverlässig die Bildung von Schimmel und fiesen Gerüchen.

Wirklich spannend sind zwei kleine, aber feine Neuheiten der P2-Station. Die Staubbeutel werden im Inneren mit UV-Licht bestrahlt, um Bakterien abzutöten. Zudem besitzt die Station zwei separate Kartuschenschächte für das Reinigungsmittel und einen speziellen Geruchsneutralisator. Das sorgt nach der Reinigung tatsächlich für einen angenehmen Duft im Raum. Die automatische Staub-Absaugung aus dem Roboter in den Beutel ist zwar kurzzeitig laut, dauert aber nur wenige Sekunden.

Fazit: Ein (fast) perfekter Landeanflug auf dem Wohnzimmerboden

Der DJI Romo P2 ist ein herrliches Lehrbeispiel dafür, wie ein Hersteller sich Kritik zu Herzen nimmt. DJI hat nicht einfach nur einen stärkeren Saug-Motor in das alte Gehäuse geschraubt, sondern die Frust-Momente des Vorgängers präzise eliminiert. Die neue Kletterfunktion mit den adaptiven Beinen ist ein schönes Feature. Das erspart Besitzern von verwinkelten Altbauten viel Ärger und Handarbeit. Die Navigation und die optische Hinderniserkennung sind weiterhin das absolute Maß aller Dinge auf dem Markt. Damit läst DJI weite Teile der etablierten Konkurrenz alt und blind aussehen. Dass der Romo P2 nun Flüssigkeiten erkennt und intelligent umfährt, statt sie munter in die Fugen zu reiben, beweist, dass die smarte Software hier einen echten Mehrwert bietet.

Natürlich bleibt auch bei der zweiten Generation noch etwas Raum für Kritik. Der hilflose Umgang mit Hochflorteppichen ist in dieser Preisklasse enttäuschend. Dass DJI mich weiterhin zwingt Einweg-Staubbeutel und Systemkartuschen zu kaufen, anstatt offene, umweltfreundlichere Tanks zu verbauen, ärgert mich ebenfalls. Und für uns Apple-Fans ist die fehlende, direkte HomeKit-Unterstützung ein Wermutstropfen. Auch wenn der Matter-Standard Linderung verschafft.

Dennoch: Für eine drastisch gesenkte UVP von 1.599 Euro bei Amazon liefert DJI hier ein beeindruckend starkes und vor allem intelligentes Gesamtpaket ab. Der DJI Romo P2 ist nicht künstlich makellos, aber im Alltag ein extrem verlässlicher Hausfreund, der seine unbestreitbaren Drohnen-Gene gekonnt auf dem heimischen Boden ausspielt. Wer dicke Schwellen hat, den mutigen Cyberpunk-Look mag und nicht gerade flächendeckend den teuren Flokati verlegt hat, bekommt hier eines der spannendsten Smart-Home-Geräte des Jahres.

Der DJI Romo P2 wurde uns von DJI für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an den Hersteller.

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Andreas Vogel

Autor Apfeltalk

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