Die nächste Generation von Künstlicher Intelligenz hängt an Daten – vor allem an solchen, die aus der realen Welt stammen. Während China hier Standards vorgibt, ringt Europa um den Zugang.
Chinas nationale Datenbehörde will verbindliche Standards für Daten entwickeln, die sogenannte verkörperte KI verwenden. Dazu zählen Systeme, die in Robotern, Fahrzeugen oder vernetzten Geräten in der physischen Welt agieren. Laut einem Bericht von The Next Web reagiert die Behörde damit innerhalb von zehn Tagen auf eine gemeinsame Forderung von sieben Unternehmen. Diese hatten klare Regeln für Embodied-AI-Daten eingefordert .
Die Behörde plant, nicht nur Standards zu definieren, sondern auch regionale Behörden bei der Umsetzung anzuleiten. Damit entsteht eine zentral gesteuerte Dateninfrastruktur, die speziell auf KI-Modelle zugeschnitten ist, die aus Sensoren, Kameras und anderen eingebetteten Systemen lernen. Für Hersteller von Robotern, autonomen Fahrzeugen oder Smart-Home-Geräten bedeutet das. Sie können sich an einheitlichen Vorgaben orientieren, welche Datenformate, Qualitätskriterien und Zugriffsregeln gelten.
Diese Zentralisierung soll den Aufbau großer, einheitlicher Datensätze erleichtern, die sich für das Training von Embodied-AI-Modellen eignen. Der Ansatz folgt Chinas genereller Datenstrategie, in der staatliche Stellen nicht nur regulieren, sondern aktiv Rahmen und Infrastruktur für datengetriebene Technologien schaffen.
In Europa liegt der Fokus bisher vor allem auf der Frage, wer auf welche Daten zugreifen darf. Laut The Next Web regelt die EU den Zugang zu von Maschinen erzeugten Daten, verfügt aber selbst über keine nennenswerten Programme, um solche Daten systematisch zu produzieren. Auch die in der Datenunion-Strategie angekündigten Datenlabore wurden bislang nicht eingerichtet.
Damit entsteht ein Spannungsfeld zwischen starkem Datenschutz und einem Mangel an verfügbaren Trainingsdaten für KI. Die EU schafft zwar Regeln für Datentreuhand, Datenzugang und Nutzerrechte, baut aber keine eigene Infrastruktur auf, die vergleichbar wäre mit Chinas zentralen Standards und Programmen. Für Anbieter:innen von KI-Diensten bedeutet das: Sie müssen in Europa mit fragmentierten Datenquellen arbeiten und sich gleichzeitig an strikte Datenschutz- und Zugriffsregeln halten.
Gerade für Embodied AI – also KI in Autos, Robotern oder Smart-Home-Systemen – erschwert das die Entwicklung europäischer Alternativen. Gleichzeitig bleibt offen, wie Unternehmen in der EU Daten aus vernetzten Geräten skalierbar und rechtssicher für das Training nutzen können.
Für globale Anbieter wie Apple, Google oder OpenAI entsteht dadurch ein klarer Kontrast zwischen Märkten. In China können sie sich an einheitlichen Standards orientieren, müssen sich aber gleichzeitig in ein stark staatlich gelenktes Datenökosystem fügen. In Europa treffen sie auf detaillierte Zugriffsregeln, aber wenig öffentliche Datenprogramme und Infrastrukturen.
Das wirkt sich auch auf Dienste rund um Gesundheitsdaten aus. TechRadar erinnert am Beispiel von Google Gesundheit daran, wie riskant KI-gestützte Gesundheitsanwendungen werden können, wenn Datenschutz, Erwartungen der Nutzer:innen und regulatorische Vorgaben nicht zusammenpassen. Die dort beschriebenen Fehler gelten als Warnsignal für Angebote wie Apples neue, KI-unterstützte Gesundheits-App.
Für Euch in Europa heißt das konkret. Gesundheits-, Auto- und Smart-Home-Daten bleiben stark reguliert, doch strukturelle europäische Alternativen zu den Datenökosystemen großer US- oder chinesischer Anbieter fehlen. KI-Dienste von Apple, Google oder OpenAI müssen Eure Daten hierzulande unter strengen Auflagen verarbeiten, können aber gleichzeitig nicht auf vergleichbar große, einheitliche Datensätze wie in China zugreifen.
Die geopolitische Frage „Wem gehören die Daten?“ wird damit sehr praktisch. Sie entscheidet mit darüber, wie schnell Embodied AI etwa in vernetzten Autos, Gesundheits-Apps oder Smart-Home-Systemen vorankommt – und ob Europa mehr bleibt als ein streng regulierter Absatzmarkt für ausländische KI-Plattformen.
Via: thenextweb.com · www.techradar.com · www.theverge.com
Den Beitrag in unserem Forum kommentieren
Apple und Microsoft müssen in Russland Kommunikationsdaten ihrer Nutzer:innen drei Jahre lang speichern. Russische Behörden können die Herausgabe von Nachrichten,…
Das neue iPad mini bringt ein OLED-Display, ein dünneres Gehäuse und den A20 Pro. Erste Testberichte loben die Verbesserungen, sehen…
Ein Flüssigkeitsschaden kann auch dann noch entstehen, wenn die Oberfläche längst trocken ist. Schaltet Euren Mac deshalb sofort aus und…
Apple hat mit dem Test von iOS 27.3 begonnen. Das Update ergänzt neue Funktionen für Safari, Siri und die Health-App…
Apple Fitness+ soll mit Gym Strength individuelle Kraftpläne fürs Fitnessstudio anbieten. Zugleich zeigen Gesundheitsberichte, dass gezielte Gewichtsabnahme das Risiko für…
Apple öffnet Siri AI für Entwickler:innen. Zugleich rücken neue KI-Funktionen für die Apple Watch in den Blick, weil sie auf…
Diese Website benutzt Cookies um Ihr Nutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.
Mehr lesen