Ein Kartenetui am iPhone ist eine feine Sache, bis es weg ist. Meine Antwort darauf war bisher eine Kombination mit Schönheitsfehler: Karten ins MagSafe-Etui, dazu eine flache Tracking-Karte, damit ich das Ganze im Zweifel wiederfinde.
Nomad baut die Ortung deshalb gleich ins Etui ein. Genau darum ist die Leather Mag Wallet bei mir in der Hosentasche gelandet, und zwar in Schwarz.
Nomad verwendet pflanzlich gegerbtes Horween-Leder aus den USA, gestützt von einem Rahmen aus Polycarbonat. Wer die Lederprodukte des Herstellers kennt, etwa aus unserem Test der Schutzhüllen fürs iPhone X und XS, weiß, was das bedeutet: Das Material sieht am ersten Tag gut aus und nach einem halben Jahr besser. Nach vier Wochen in der Hosentasche ist die Patina bei mir noch zurückhaltend, aber man sieht dem Leder bereits an, dass es dorthin unterwegs ist. Meine übrigen Nomad-Produkte haben diesen Weg alle genommen, und ich mag das Ergebnis jedes Mal. In Schwarz fällt der Effekt dezenter aus als beim braunen Rustic Brown, die Haptik bleibt dieselbe. Die Verarbeitung liegt auf dem Niveau, das wir von Nomad gewohnt sind, zuletzt etwa bei den drei Leather Cases fürs iPhone 17 Pro Max oder beim Leather Folio fürs iPad Pro. Saubere Nähte, kein Klebergeruch, nichts wackelt.
Die Maße liegen bei 96 mal 66 mal 9 Millimeter, das Gewicht bei 47 Gramm. Am iPhone hält das Etui über ein MagSafe-Magnetarray, das laut Nomad euren Karten nicht schadet. Mit jeder Hülle, die MagSafe unterstützt, arbeitet es zusammen.
Das eigentliche Argument steckt unsichtbar im Inneren. Nomad hat die „Wo ist?“-Technik direkt verbaut, das Etui taucht also als eigenes Objekt in Apples App auf. Verliert ihr es, seht ihr den zuletzt gemeldeten Standort, könnt in Bluetooth-Reichweite einen Signalton abspielen lassen und den Verlustmodus aktivieren. Einen eigenen GPS-Empfänger hat das Etui nicht, es meldet sich über Apples „Wo ist?“-Netzwerk, sobald es an fremden Apple-Geräten vorbeikommt.
Der Clou ist die Stromversorgung. Statt einer Knopfzelle stecken ein wiederaufladbarer Akku und eine Ladespule im Etui: Ihr legt es auf eine freie Qi- oder MagSafe-Ladefläche, und nach einer vollen Ladung hält der Akku laut Nomad bis zu fünf Monate. Den Ladestand seht ihr in der „Wo ist?“-App. Wichtig dabei: Es braucht wirklich einen eigenen Ladeplatz. Wenn das Etui auf einem 3-in-1-Ständer bloß neben dem iPhone liegt, passiert nichts.
Hier zahlt sich die integrierte Ortung aus. Meine bisherige Kombination aus MagSafe-Etui und separater Tracking-Karte war spürbar dicker, weil die Karte einen der ohnehin knappen Plätze belegt und zusätzlich aufbaut. Die Leather Mag Wallet ersetzt beides und bleibt dabei deutlich flacher. Das Etui sitzt satt am iPhone und löst sich in der Tasche nicht von selbst, lässt sich mit dem Daumen aber trotzdem abziehen, wenn ihr an die Karten wollt. Ein Federmechanismus hält den Stapel im Inneren zusammen, sodass nichts herausrutscht.
Bei vier Karten wird es eng. Nomad gibt eine bis vier Standardkarten an, und mit dem vierten Stück sitzt der Stapel wirklich stramm: Herausziehen erfordert etwas mehr Nachdruck, als mir lieb ist. Fairerweise dürfte das an meiner Bestückung liegen. Eine meiner Karten ist eine klassische Kreditkarte mit geprägten Ziffern, und die trägt merklich dicker auf als eine flache, bedruckte Karte. Wer vier moderne Karten ohne Prägung einsteckt, dürfte damit weniger Mühe haben. Für mich hat sich trotzdem ein Erfahrungswert eingestellt: Drei Karten sind der Komfortbereich, vier sind die Obergrenze.
Der zweite Punkt betrifft die Ortung selbst. Nomad verzichtet auf einen Ultrabreitband-Chip, wie ihn Apples AirTag mitbringt. Die punktgenaue Suche mit Richtungspfeil, die Apple beim neuen AirTag zuletzt sogar noch ausgebaut hat, gibt es hier also nicht. Ihr bekommt den Standort auf der Karte und könnt in Bluetooth-Reichweite einen Signalton auslösen, laut Nomad auf rund 45 Meter. Das exakte Herantasten im Sofaritzen-Radius fehlt aber. Für ein Etui, das man in der Bahn oder im Lokal liegen lässt, reicht das. Wer den Tracker zum Wiederfinden in der eigenen Wohnung braucht, sollte das wissen.
Bleibt der Preis: 79 Euro ruft Nomad im EU-Shop auf, dazu kommen 9 Euro Versand, sofern ihr nicht auf die Freigrenze kommt. Für ein Kartenetui ist das eine Hausnummer. Rechnet ihr allerdings Lederqualität und eingebaute Ortung zusammen, relativiert sich das gegenüber einem Etui plus separater Tracking-Karte.
Die Leather Mag Wallet macht das, was Nomad am besten kann, und ergänzt es um genau die Funktion, die diesem Produkttyp bisher gefehlt hat. Das Horween-Leder ist schön, die Verarbeitung stimmt, und die integrierte Ortung spart euch die Extra-Karte samt zusätzlicher Dicke. Dass es bei vier Karten stramm zugeht, ist der Preis für die schlanke Bauform, und mit drei Karten oder ohne geprägte Kreditkarte relativiert sich der Punkt spürbar. Die fehlende Ultrabreitband-Ortung ist die Einschränkung, über die ihr vor dem Kauf am ehesten nachdenken solltet. Hier findet ihr das Wallet direkt auf der Nomad Seite.
Für alle, die ihre Karten ohnehin am iPhone tragen und schon einmal in Panik den Mantel abgeklopft haben, ist das hier eine sehr runde Lösung. Nomad verlangt Premium-Preise – liefert dafür aber auch ein Etui, das man nach Jahren noch gerne in der Hand hat.
Transparenz: Das Testmuster wurde uns von Nomad für diesen Test zur Verfügung gestellt. Der Artikel enthält Affiliate-Links.
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