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Ausprobiert: Apple Watch Series 4 Nike Edition



Unter dem Titel Gather Round hat Apple im September vier neue Produkte vorgestellt. Während die drei iPhones definitiv die wichtigsten Produkte für Apple sind, feierten viele Kritiker im Kreis der Journalisten die neue Apple Watch als interessanteste Neuvorstellung. Mir ging es ähnlich – angetrieben von der ersten Überarbeitung des Designs seit der Vorstellung der Smartwatch musste ich mir die Uhr näher ansehen. 

Anfangs drängt sich hier vielleicht eine Frage auf. Die Uhr ist jetzt seit einigen Wochen auf dem Markt: Warum können wir dann jetzt erst mit einem Ausprobiert auffahren? Waren wir bei Apfeltalk faul? Leider nein – es gibt Gründe außerhalb unserer Verantwortung.

Die unglückliche Modellpolitik und die Länder

Leider vereinige ich einige sehr unglückliche Attribute im Hinblick auf die Apple Watch und deren Anschaffung. Das erste, für das ich nichts kann: Ich bin Österreicher. Wir werden das zweite Jahr in Folge nicht mit der LTE-Variante bedacht. Während Apple hier vielleicht keine Schuld hat und sie stattdessen bei den Providern liegt, trägt Apple sehr wohl Schuld an der seltsamen Produktpalette. In Ländern, in denen die LTE-Fassung angeboten wird, sind die höherwertigen Modelle nur als solche verfügbar. Für die Märkte in denen es diese Variante nicht gibt, bedeutet das automatisch eins: Es gibt keine Uhr abseits der Aluminium-Variante. Es wird weder eine Stahl-Variante ohne LTE angeboten, noch ist es möglich, die LTE-Variante zu kaufen und die Funkverbindung dann eben nicht zu nutzen. Dieser Missstand brachte mich bereits vergangenes Jahr im Apfeltalk Editor’s Podcast zum Raunzen (die österreichische Bezeichnung für ranten).

Die unglückliche Modellpolitik und die Editionen

Durch diese Entscheidung ist die Produktpalette schon äußerst schmal – zum Glück gibt es seit der Series 2 dann aber auch noch die Nike Edition. Als Sportler interessiert mich seit jeher vor allem dieses Modell und wie eigentlich üblich wurde das Nike Modell auch dieses Jahr relativ stillschweigend erst später ausgeliefert. Die Vorbestellungen wurden zwar am ersten Tag angenommen, die Auslieferung erfolgte dann aber erst Anfang Oktober. Aber genug der langen Einführung über die schwierige Modellpolitik, sehen wir uns die Uhr endlich genauer an.

Design und Verarbeitung

An dieser Stelle sind Tests von Apple-Produkten meist eher schwer. Apple punktet immer durch eine besonders hohe Verarbeitungsqualität und in der Regel auch durch clever durchdachte Designs. Nichtsdestotrotz kann die Apple Watch Series 4 in diesem Bereich besonders punkten. Apple hat die Uhr in zweierlei Hinsicht komplett überarbeitet. Zum einen sind beide Uhrenmodelle größer geworden, 40 mm statt 38 mm und 44 mm statt 42 mm. Das fällt weniger auf als gedacht, wie bei den iPhones wurden nämlich auch die Ränder kleiner. Zudem sind die Kanten deutlich runder als bisher, deshalb passen auch die alten Uhrenarmbänder immer noch – zumindest die der großen Uhr in die neue größere Uhr und die der alten kleinen Uhr in das kleinere Modell.

Ebenso wurde die Unterseite der Uhr komplett überarbeitet. Der Sensor sieht deutlich anders aus, ist aus Keramik und fühlt sich meinem subjektiven Empfinden nach auch angenehmer auf der Haut an. Obwohl die Uhr größer wurde, ist sie etwas dünner. Das betrifft nicht nur das Gehäuse an sich, sondern meiner Meinung nach auch den Sensorbereich. Wie gewohnt ist dieser erhaben, die Abmessungen werden aber seit jeher nicht in der Angabe der Dicke bei Apple berücksichtigt. Beides trägt dazu bei, dass die Uhr deutlich angenehmer am Handgelenk sitzt. Bei der Uhr selbst gibt es bei der Nike Edition kaum Unterschiede, lediglich ein Nike Logo befindet sich am unteren Ende des Gehäuses rund um den Sensorbereich. Der einzige Unterschied in Sachen Hardware ist das Uhrenarmband – es gibt eine zeitexklusive Variante des Sportloop. Das neue Armband soll fluoreszieren, also im Dunkeln leuchten. Den Effekt kann ich im Test zwar bestätigen, er fällt jedoch äußerst gering aus. Als neues Sicherheitsfeature im Zusammenhang mit Sport im Dunkeln ist es definitiv nicht geeignet – hier gibt es deutlich bessere passive Reflektoren.

Zifferblätter

Kommen wir vom äußeren Design zum inneren – die Zifferblätter tragen nicht unwesentlich zum Design der Uhr bei, schließlich stellen sie den größten sichtbaren Teil des Gerätes dar. Hier hat Apple deutlich nachgelegt. So gibt es einige Watchfaces neu, die im Wesentlichen unterschiedliche Elemente wie Feuer, Wasser und Luft, im Sinne von Rauch, zeigen. Diese Zifferblätter stehen zwar auch auf den älteren Modellen zur Verfügung, auf der neuen Uhr werden sie aber formatfüllend und nicht nur innerhalb der runden Zeitanzeige angezeigt. Die kurzen Videos sehen auf der neuen Uhr wirklich sensationell gut aus und sind ein immer beeindruckender Effekt. Ebenso ist das Infograph Watchface, es steht exklusiv der Apple Watch Series 4 zur Verfügung und nutzt den Bildschirm bis in jede runde Ecke komplett aus. Bis zu acht Komplikationen können angezeigt werden, die vier äußeren werden dann als Balken dargestellt. Meinem persönlichen Geschmack nach gibt es hierbei zwei Probleme: Einerseits wirkt die Darstellung schnell überladen, anderseits müssen vor allem Drittanbieter hier ihre Komplikationen erst richtig anpassen, um auch im äußeren Bereich sinnvoll angezeigt zu werden. Insofern sind wir anfangs vor allem eher auf die Daten von Apple beschränkt.

Nachteile des Designs

Stichwort runde Ecken, hier ergibt sich für mich das erste echte Problem des neuen Designs. Runde Displays haben einen erheblichen Nachteil: die Darstellung von Text. Hier werden Teile von Buchstaben dann abgeschnitten, die Darstellung ist alles andere als optimal. Dieses Problem tritt natürlich verstärkt bei völlig runden Android Geräten auf – doch auch bei der Apple Watch Series 4. Apple konnte dieses Problem ebenfalls nicht lösen. So sehr ich mir auch ein komplett rundes Modell wünsche, das Lesen von Text ist auf diesen Displays nicht ideal. Blicken wir zum Schluss noch auf die Besonderheiten der Nike Uhr – auch hier gibt es exklusive Vorteile: Die Uhr bietet diverse eigene Watchfaces an. In Sachen Funktionen sind diese zwar eher schwach, das ikonische Nike Design ist aber klar erkennbar. Hinzu kommen diverse eigene Farboptionen, sie sind in der Regel auf spezielle Schuhmodelle abgestimmt. Diese Farben stehen bei allen Watchfaces zur Verfügung, nicht nur bei jenen von Nike direkt. Bei der Series 4 sind es mehr Watchfaces denn je, ob diese zwingend notwendig sind, bleibt am Ende aber eine Frage des persönlichen Geschmacks. Exklusive Funktionen gibt es auch hier nicht.

watchOS 5

Der größte Sprung bei den bisherigen Uhrenmodellen war, meiner Meinung nach, nicht zwingend die Hardware – viel mehr war es watchOS 5. Zugegeben hat ich dieses Jahr echt Angst, dass Apple hier in einige Fehler schlittern könnte. Wir sehen es oft bei den iPhones: Es dauert lange, bis Apps oder gar iOS wirklich perfekt auf ein neues Design, und das damit meist verbundene neue Display, angepasst sind. Meine Ängste, was die Uhr betrifft, waren letztlich unbegründet. Abgesehen von dem oben dargestellten Problem mit Rundungen in Bezug auf Text – die Apple wahrscheinlich auch nicht lösen kann – gibt es keine Einschränkungen, was Apples Betriebssystem für die Smartwatch betrifft.

Leistung

Smartwatch und Leistung? Ein Segment, das für viele Nutzer vielleicht lächerlich klingt oder zumindest untergeordnet ist, für mich im täglichen Umgang mit der Hardware aber einen großen Unterschied macht. Dabei geht es mir primär nicht um die Performance von Apps, hier nutze ich nicht besonders viele, sondern auch um die Verbindung. Dank Bluetooth 5.0 scheint die Verbindung der Uhr deutlich schneller zu sein. Das Übertragen von Musikdaten oder Podcasts läuft einerseits wesentlich schneller, andererseits auch schneller als bei den Vorgängermodellen. Was den Prozessor betrifft kann ich nur feststellen, dass Apps gefühlt schneller starten, wirklich wichtig ist das für mich aber nicht. Bei der Batterie gibt es in meinem subjektiven Test Verbesserungen, das dürfte auch mit der neuen Bluetoothversion zusammenhängen. Ein Halbmarathon mit aktiviertem GPS und Podcast Wiedergabe über Bluetooth 5.0 Kopfhörer kostete mich so 22 Prozent Akku. Bei meiner Apple Watch Series 2, die nach dem Brick in der WatchOS 5.0 Beta auch komplett getauscht wurde und damit über einen neuen Akku verfügt, benötigte dieselbe Aktivität über 30, eher gar 40 Prozent Akku. Zugegeben sind das beides sehr gute Werte. Dennoch ist es positiv, dass der Akku des neuen Modells trotz größerem Display und kleineren Abmessungen besser wurde.

Handhabung

In der Handhabung hat sich wenig geändert. Die Erstinstallation und Koppelung ging etwas besser von der Hand als bisher, dafür dürfte auch die stabilere Verbindung verantwortlich sein. Nichts geändert hat sich hingegen an der starken Verzahnung mit dem Smartphone – beinahe alles muss auf dem iPhone eingestellt werden. Hier behält Apple den Aufbau der App komplett bei, wobei die Anwendung hart an der Grenze zur Unübersichtlichkeit steht. Apple hat auch die digitale Krone überarbeitet – sie gibt jetzt haptisches Feedback über die Taptic Engine. Das macht das Scrollen durch Listen deutlich angenehmer, die Uhr wirkt dadurch außerdem mechanischer, ändert aber wenig an der echten Handhabung der Smartwatch. Insofern ist die neue Funktion eher eine interessante Designentscheidung. Kommen wir zum Schluss zu den verfügbaren Funktionen – und auch hier bin ich leider sehr traurig. Apple demonstrierte im Rahmen der Keynote viele neue Gesundheitsfunktionen, gerade auch die EKG Messung – und diese Funktion fehlt zum Start komplett. Sie soll zwar auch in anderen Märkten außerhalb der USA nachgerüstet werden, wann es wirklich soweit sein wird, wissen wir aber nicht. Es ist sicher eher eine Frage von Monaten als von Tagen. Auch das neue Sturzfeature ist für Nutzer unter 65 nicht aktiviert – eine mir völlig unerklärliche Entscheidung. Beim Aktivieren weist Apple aber immerhin darauf hin, dass die Funktion auch für Outdoorsportler interessant wäre. Ich war bisher einmal auf das Feature angewiesen – und es löste korrekt aus. Fehlalarme hatte ich bisher keine.

Fazit – aus der Sicht eines Apple Watch Fans

Ich möchte dieses Fazit absichtlich unter einen wichtigen Gesichtspunkt stellen: Apple hat mich, was die Apple Watch betrifft, bereits lange überzeugt. Die Frage rund um Sinn oder Unsinn der Smart Watch stellt sich für mich seit dem ersten Tag dieser Uhr nicht mehr. Ich schätze es, Nachrichten direkt auf mein Handgelenk zu bekommen, ich nutze mein Leben lang Uhren und seit langer Zeit auch dedizierte Sportuhren. Am Ende muss ich mich über die Releasepolitik zwar wieder doppelt ärgern, aber daran wird auch wiederholtes Appellieren an Apple vorerst nichts ändern. Mit der Series 4 legt Apple für mich, seit der Series 2, einen gewaltigen Schritt zu. Mit der zweiten Generation war die Uhr dank GPS endlich als Sportuhr ernst zu nehmen. Die vierte Generation ist in mehreren Gesichtspunkten ein wichtiger Schritt: einerseits im Bereich der Performance, andererseits aber natürlich auch in optischen Gesichtspunkten. Dank schmälerem Gehäuse spürt sich die Uhr weniger klobig an, das größere Display ist eine ebenfalls willkommene Verbesserung für all jene, die auf der Uhr tatsächlich Notifikationen empfangen und lesen oder mehr als nur die Uhrzeit (und wenige andere Daten) ablesen wollen. Alles in allem fühlt es sich nach einem großen Schritt an – aber keiner bahnbrechenden Evolution. Immer wieder werde ich gefragt, ob sich das Update auszahlt – und darauf kann ich keine klare Antwort liefern. In diesem Fall kann ich wirklich nur empfehlen, die Uhr in einem Ladengeschäft zu probieren, möchte aber davor warnen, dass die alten Modelle sich dann sehr schnell „sehr alt und klobig“ anfühlen. Ein ähnlicher, wenn auch schwächerer, Effekt, den einige sicher von Tests von Retina-Displays kennen. Im Falle eines Neukaufs empfehle ich definitiv die Series 4, für alles andere ist die Preisdifferenz – zumindest bei Apple direkt – einfach zu gering.

Die Nike Edition

Die Nike Variante setzt sich wie bisher durch die üblichen Unterschiede ab. Kein Must-have, aber am Ende sind es kostenlose Draufgaben, die der Nutzer einsetzen kann – aber nicht muss. Werden sie nicht genutzt, fallen die Unterschiede zu den gewöhnlichen Uhren nicht auf. Jetzt wo sie verfügbar ist, und das Argument der längeren Lieferzeit nicht mehr schlagend wird, kann ich eigentlich jedem dieses Modell empfehlen, da der Wiederverkaufswert im Zweifel höher ist. Das gilt nur für die silberne und spacegraue Variante, die goldene Uhr wird nicht als Nike Watch angeboten. Ich habe viele Smartwatches, Fitnesstracker und Sportuhren in den letzten Jahren getestet – Uhren mit iOS, Android Wear, Tizen und auch dedizierte Sportuhren. Apple legt mit der Apple Watch Series 4 für mich die beste All-In-One Lösung hin. Android Wear hat noch größere Hausaufgaben denn je vor sich, dedizierte Sportuhren bieten zwar in diesem Bereich bessere Funktionen (sowie Laufzeit und Genauigkeit), versagen aber oft als Smartwatch auf ganzer Linie. Dem müssen leider auch Journalisten-Kollegen von uns – aus dem Bereich Android oder Fitness-Umfeld – zustimmen.

Wir haben die Apple Watch für diesen Test selbst angeschafft.
Zu den Links:
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