Mac mini ARM: Unboxing & Geekbench-Test des Entwickler-Kits

Martin Wendel

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Martin Wendel
Vergangene Woche hat Apple die Katze aus dem Sack gelassen: Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird das Mac-Lineup von Intel-Prozessoren auf selbstentwickelte ARM-Chips umgestellt. Einen kleinen Einblick in die neue Hardware ermöglicht nun AppleInsider. Denn dort hat man das sogenannte "Developer Transition Kit" in die Finger bekommen. Dieses Testgerät richtet sich eigentlich an App-Entwickler und soll diesen ermöglichen, ihre Programme rechtzeitig vor der Veröffentlichung des ersten ARM-Macs Ende des Jahres für die neue Plattform zu optimieren.
Apple wollte Benchmark-Ergebnisse unterbinden


Die Ausgabe der Testgeräte erfolgt dabei eigentlich unter strengen Verschwiegenheitsklauseln. Entwicklern ist es etwa nicht erlaubt, das Gerät zu öffnen oder Benchmarks darauf auszuführen. Zudem gehören die Geräte nicht den Developern, sie werden im Prinzip für rund 500 US-Dollar gemietet und müssen wieder an Apple zurückgegeben werden. Wie zu erwarten war hat es aber nicht allzu lange gedauert, bis erste Testergebnisse durchsickern. AppleInsider hat ein Unboxing des "Developer Transition Kits" veröffentlicht und Geekbench darauf ausgeführt.

Geekbench-Performance auf dem Level eines Intel Core i3


Inwieweit die Ergebnisse aussagekräftig sind, darf aber ein wenig angezweifelt werden. Denn eine für Apple Silicon optimierte Version von Geekbench ist derzeit freilich noch nicht verfügbar. Mit anderen Worten: Die Benchmark-Software wird über Rosetta 2 emuliert. Der Developer-Mac mit Apple A12Z Bionic, ein Prozessor der vermutlich nur im Entwickler-Kit Verwendung finden wird, erreicht unter diesen Voraussetzungen in etwa jene Werte des Core i3, der in der Consumer-Version des Mac mini werkelt. Die Geekbench-Werte desselben Prozessors im iPad Pro liegen hingegen deutlich darüber.

Entwickler Steve Troughton-Smith merkt auf Twitter an, dass ein bald zwei Jahre alter Apple-Prozessor – der Apple A12 ist erstmals 2018 im iPhone XS zum Einsatz gekommen und wurde als A12X und A12Z für andere Geräte weiterentwickelt – bessere Geekbench-Ergebnisse aufweist als ein ebenfalls mit ARM ausgestattetes Surface Pro X – und das während Geekbench am Entwickler-Mac emuliert wird und am Surface nativ in Windows läuft.
So the DTK with a two year old iPad chip runs x86_64 code, in emulation, faster than the Surface Pro X runs it natively 😅 Oh boy Qualcomm, what are you even doing? https://t.co/UAlZiwSsF8

— Steve Troughton-Smith (@stroughtonsmith) June 29, 2020

Benchmark läuft über Rosetta 2


Zusammenfassend merkt AppleInsider an, dass die Performance bei der Nutzung des Betriebssystems solide sei. Die Benchmark-Ergebnisse würden aber nur zeigen, wie schnell Intel-Software auf ARM-Prozessoren über Rosetta 2 läuft. "Wenn man noch einen Mac mini aus 2013 oder einen iMac aus 2012 besitzt, ist dieses Entwickler-Kit schneller als dein System – und es wird nur noch flotter werden, wenn die Software optimiert wird und die finale Hardware erscheint", so AppleInsider.

Mac mini Apple-Silicon Benchmark
Kein Thunderbolt 3 bei Entwickler-Kit


Unklar ist, weshalb AppleInsider das Gerät nicht ausführlicher getestet hat. Videorendering in Final Cut Pro X würde etwa in den Sinn kommen. Womöglich war das aber auch nur der erste Einblick in die neue Hardware und weitere Details werden noch veröffentlicht. Apropos Hardware, diese beschreibt AppleInsider auch noch näher. Denn die Anschlüsse des Entwickler-Kits unterscheiden sich ein wenig von der Consumer-Variante des Mac mini. Statt vier Thunderbolt-3-Anschlüssen kommen im Entwickler-Kit "nur" zwei USB-C-Anschlüsse zur Anwendung.

Dies dürfte wohl darauf zurückzuführen sein, dass im Gegensatz zum Intel-Chipsatz eine Thunderbolt-3-Unterstützung bei ARM-Prozessoren über einen eigenen Controller umgesetzt werden müssten. Ein solcher scheint im Entwickler-Kit nicht eingebaut worden zu sein. AppleInsider geht aber davon aus, dass die Consumer-Varianten der Macs mit Apple-Silicon-Prozessor auch Thunderbolt 3 besitzen werden. Entweder über einen eigenen Controller, oder indem direkt USB 4 unterstützt wird – was wiederum das Thunderbolt-3-Protokoll enthält.

Mac mini ARM Apple Silicon Developer Transition Kit
Wie reagiert Apple?


Welche Konsequenzen AppleInsider aufgrund der Veröffentlichung dieser Details seitens Apple drohen ist übrigens unklar. Denn vielleicht wurde der Mac mini gar nicht von AppleInsider angefordert, sondern von einem anderen Entwickler zur Verfügung gestellt. Die Möglichkeiten von Apple dürften sich dann in Grenzen halten. Entwicklern, die Testgeräte angefordert haben, sind also wohl trotzdem gut beraten, sich an die Verschwiegenheitsklauseln zu halten.

Update: Offenbar musste (oder hat freiwillig) AppleInsider den betreffenden Artikel und das Video vom Netz genommen. Zumindest das Video gibt es aber als "ReUpload". Wir haben es euch oben eingebettet. Mal sehen wie lange es online verfügbar bleibt. In der WayBack Machine von Archive.org ist der Artikel auch weiterhin zu finden.

(Wir verlinken das Video und den archivierten Artikel aus journalistischem Interesse.)

Via AppleInsider

Den Artikel im Magazin lesen.
 
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Jan Gruber

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Ne ziemlich interessante Geschichte ,... Wenn ich mir das NDA das ich unterschrieben habe war so ziemlich alles davon schwer verboten. Nur gut für uns ,... denn jetzt können wir ja drüber reden was wir bei Anderen gesehen haben ☺
 
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Papa_Baer

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Es wird ja gemunkelt das der verbaute Chip im Mac Mini nicht der ist der in den ARM Geräten wirklich verbaut wird. Somit dürften die Benchmarks 0 Aussagekraft haben.
 

Jan Gruber

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Es wird ja gemunkelt das der verbaute Chip im Mac Mini nicht der ist der in den ARM Geräten wirklich verbaut wird. Somit dürften die Benchmarks 0 Aussagekraft haben.
Das brauchen wir nicht munkeln - das wird sehr sehr sicher so sein. Das ist ein quasi unangepasster iPad Pro Rechner - der ihnen sogar eher "gefährlich" kommt meiner Meinung nach. Das Ding ist ja jetzt doch der Beweis, das macOS eigentlich auf so nem iPad laufen könnte :D Wenn sie dann an die breite Maße gehen gibts da sicher nen Mac-Custom-ARM-Rechner. Wie auch immer der aussehen wird. Wäre auch blöd wenn sie den das große Plus an Platz, Kühlung und meinetwegen auch Strom nicht nutzen würden ✌ Als Transition-Kit macht das Ding jetzt so schon durchaus Sinn.
 
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Papa_Baer

Halberstädter Jungfernapfel
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Da stellt sich mir als Laie die Frage…wird man mit diesem „iPad-Chip“ auch vernünftig nutzen können. Also Bild bzw. Videobearbeitung/ Videokonvertierung machen oder ähnliches? Nicht das ich das nutzen würde aber bei meinem MacBook Pro early 2015 hab ich bei Videokonvertierung immer das Gefühl das er hart am Limit arbeitet.

Was mich also am meisten interessieren würde ist wo sich der besagte Chip bei der aktuellen Geräteklasse der Macbooks/iMacs einreihen würde bzw. wie „stark“ wird der ARM Chip von Apple.
 
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kallewares

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Das brauchen wir nicht munkeln - das wird sehr sehr sicher so sein. Das ist ein quasi unangepasster iPad Pro Rechner - der ihnen sogar eher "gefährlich" kommt meiner Meinung nach. Das Ding ist ja jetzt doch der Beweis, das macOS eigentlich auf so nem iPad laufen könnte :D Wenn sie dann an die breite Maße gehen gibts da sicher nen Mac-Custom-ARM-Rechner. Wie auch immer der aussehen wird. Wäre auch blöd wenn sie den das große Plus an Platz, Kühlung und meinetwegen auch Strom nicht nutzen würden ✌ Als Transition-Kit macht das Ding jetzt so schon durchaus Sinn.
Also hast du auch schon das Developer Transition Kit? ;)
Es bleibt wirklich spannend, vielleicht ist das auch der Grund warum die in das iPad Pro 2020 den Prozessor eingebaut haben und keinen A13X.

Aber viel Interessanter verhält sich die Diversifizierung der Prozessoren. Aktuell haben wir ja lediglich die iPhone CPUs und die iPad CPUs, die sich nicht großartig unterschieden haben.

Wie sich das bei den Macs verhält bleibt hinsichtlich Cores und Takt mal abzuwarten. Wesentlich mehr Cores auf einen Prozessor zu "löten" ist auch nicht mehr sonderlich schwierig, vor allem weil die nicht gezockelt sind.
 

Jan Gruber

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Im Endeffekt ist es ja genau das, was Apple in dem ewig langen NDA den Entwicklern sagen will.
Mach keine Benchmarks - mach keinen Quatsch - das Ding ist dazu da, damit du kuggen kannst ob deine ARM-App vernünftig läuft. Subtext: Geil ist das nicht, zum Arbeiten ist das auch nicht, das ist nur damit du vorbereitet bist. Dafür dürfen wir uns jetzt für 500 Euro ein ATK ausborgen 🤷‍♂️

Ich krieg eins, ich darf aber nichts dazu sagen :p Zum Glück kann ich jetzt Apple Insider Videos zitieren :D
 

Jan Gruber

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Ist es nicht der Sinn von rechenintensiven Aufgaben, die CPU möglichst gut auszulasten?
Da ist was dran ;p Bei nem MBP aus 2015 wäre auch eher "Der pfeift sofort aus dem letzten Loch und schafft dennoch nur ein sehr niedriges x-fach Tempo" die richtigere Aussage :D
 

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Da stellt sich mir als Laie die Frage…wird man mit diesem „iPad-Chip“ auch vernünftig nutzen können. Also Bild bzw. Videobearbeitung/ Videokonvertierung machen oder ähnliches? Nicht das ich das nutzen würde aber bei meinem MacBook Pro early 2015 hab ich bei Videokonvertierung immer das Gefühl das er hart am Limit arbeitet.

Was mich also am meisten interessieren würde ist wo sich der besagte Chip bei der aktuellen Geräteklasse der Macbooks/iMacs einreihen würde bzw. wie „stark“ wird der ARM Chip von Apple.
Das kann dir keiner sagen...
Dafür hängen Zuviel Faktoren ab und gaaaanz viele Bereiche der CPU werden, während der Emulation nicht genutzt.
Was man sagen kann, er spielt in einer anderen Liga - ob diese besser als Intel ist oder nicht, das muss sich zeigen...
 
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Was Musst du damit machen, wenn man mal fragen darf?
Also reines rumdaddeln wird es ja nicht sein.
 

Jan Gruber

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Was Musst du damit machen, wenn man mal fragen darf?
Also reines rumdaddeln wird es ja nicht sein.
Ich bin Entwickler - oder anders, ich leite ne Bude in der es Entwicklungen gibt - und muss testen ob meine Apps laufen. Per Se ist da keine macOS App dabei, noch, aber wir planen einerseits Apps per Catalyst zu bringen und andererseits können ja jetzt auch iOS Apps auf den Mac gehen. Da haben wir ne ganz interessante im Angebot, die am Mac Sinn machen würde, aber ziemlich viel Custom Code drinnen hat, wo ich nicht denke, dass es laufen wird. Mit dem Szenario ungefähr hab ich mich beworben und die Zusage bekommen. Ob die das lesen, losen, oder was auch immer - keine Ahnung.

Es war sicher keine Hilfe, dass ich hier tätig bin. Im Gegenteil, das ist eher immer ein Nachteil bei Apple :p
 

AC1

Boskop
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Die Leistung ist jetzt unterhalb eines i3. Soweit schon mal nicht schlecht. Apple wird das sicherlich noch ein wenig steigern können mit dem diesjährigen Chipmodell, aber ich bezweifle, dass sie das so einfach in Regionen eines i7 oder i9 bringen können. Stürzt Apple zukünftig noch weiter in die Consumer-Sparte ab? Irgendwann hilft auch nicht mehr, noch ein Pro an den Namen zu hängen und den Preis zu erhöhen ...
 

Reemo

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@AC1

Für Geekbench reichts sicherlich. Ist einfach ein schlechter Benchmark. Interessanter wirds bei richtigen Anwendungen und richtigen Benchmarks. Blender, Firestrike, Compilen usw... Da wird sich die CPU erst noch beweisen müssen.
 

YoshuaThree

Blutapfel
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Die Leistung ist jetzt unterhalb eines i3. Soweit schon mal nicht schlecht. Apple wird das sicherlich noch ein wenig steigern können mit dem diesjährigen Chipmodell, aber ich bezweifle, dass sie das so einfach in Regionen eines i7 oder i9 bringen können. Stürzt Apple zukünftig noch weiter in die Consumer-Sparte ab? Irgendwann hilft auch nicht mehr, noch ein Pro an den Namen zu hängen und den Preis zu erhöhen ...
Der aktuelle ARM Mini taugt null für irgendwelche Vergleiche oder Benchmarks. Apple hat bewusst den Mini nicht mit aktuellen ARM CPUs ausgestattet - obwohl sie es hätten können.

Aber Apple weiß auch, dass irgendeiner die Beine nicht still hält und die ersten Benchmarks veröffentlicht hätte - wie jetzt auch geschehen.

Daher hat man sicherlich diesen iPad Prozessor verbaut - der ist bekannt - und nichts neues.

Im Hintergrund stehen die „echten“ ARM CPUs für die neuen Mac schon bereit. Aber wie gesagt - Apple ist doch nicht so dumm und verleiht die Minis bereits mit den neuen CPUs.

Der neue ARM Rechner und sein Rechenzerz wird sich vom aktuellem Test Kit deutlich unterscheiden - da bin ich mir sicher. Daher sind Tests aktuell komplett uninteressant - ist das war und ist Absicht von Apple...
 
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Jan Gruber

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Per Bedingungen haben sie übrigens Benchmarks auch klar verboten. Das ist ja auch nicht nötig mit dem Ding - denn eigentlich gehts darum zu kuggen ob der Quatsch nativ auch tatsächlich rennt.