Apple arbeitet an einem Stift ähnlich dem Apple Pencil, der in Verbindung mit der Apple Vision Pro Oberflächenstrukturen virtueller Objekte per haptischem Feedback fühlbar machen soll. Ein neues Patent beschreibt Technik, die Texturen und Bewegungen in der erweiterten Realität erlebbar macht.
Patent für Oberflächenerkennung und -simulation
In dem nun erteilten Patent greift Apple eine Idee auf, die entfernt an ein altes Kinderspielzeug erinnert, bei dem ein zweiter Stift die Bewegungen des ersten nachzeichnet. Statt Zeichnungen zu kopieren oder zu vergrößern, überträgt der Apple-Pencil-ähnliche Stift hier jedoch Informationen wie „Oberflächenrauigkeit und andere Oberflächenmerkmale sowie Bewegungsdaten (z. B. Flugbahn und Geschwindigkeit) des Handgeräts“ in eine virtuelle Umgebung.
Das Patent mit dem Titel „Erkennung und Nachbildung von Oberflächenstrukturen“ spricht zwar ausdrücklich von einem „Stift“-System, die beschriebene Technik lässt sich aber grundsätzlich auf beliebige Handgeräte anwenden. Wahrscheinlich ist der Ansatz vor allem als Zubehör für die Apple Vision Pro gedacht. Apple beschreibt den Zweck klar: Das System soll „die Immersion während XR-Sitzungen [Extended Reality] erhöhen“.
Dazu gehört sowohl das Erfassen der Textur eines virtuellen Objekts als auch die spürbare Rückmeldung an die Benutzer:innen. Apple nennt verschiedene technische Lösungen, etwa ein Gyroskop, das das Gefühl einer Oberfläche abhängig vom Rollwinkel des Geräts verändern kann.
Haptik, Sensoren und bewegliche Bauteile
Das Patent sieht umfangreiche Formen der haptischen Rückmeldung vor. So kann das Gerät laut Beschreibung durch auf den oder die Nutzer:in wirkende Kräfte, Vibrationen oder Bewegungen „eine Erfahrung wie Reibung, Textur oder Rauigkeit auf einer Oberfläche erzeugen, nachbilden oder aufheben“.
Auf fast 12.000 Wörtern und neun Seiten mit Zeichnungen beschreibt Apple außerdem lineare Aktoren, die „einen Abschnitt des Geräts ausfahren oder einziehen“ können. Ergänzend sind eine inertiale Messeinheit sowie Farbsensoren vorgesehen. In den Abbildungen ist ein Apple-Pencil-ähnlicher Stift zu sehen, dessen Spitze je nach Variante mit einer Kamera, Interferometern oder allgemein als Oberflächensensoren beschriebenen Komponenten ausgestattet ist.
Ein Detail aus dem Patent zeigt zwei mögliche Konfigurationen des Stifts: einmal mit Interferometern in der Spitze, einmal mit einer Kamera. In beiden Fällen dient die Technik dazu, Oberflächendaten zu erfassen und für die taktile Rückmeldung aufzubereiten.
Fokus auf realistischere virtuelle Realität
Apple hatte bereits früher Patente für einen Apple Pencil eingereicht, der Oberflächenstrukturen erkennen kann. Diese älteren Anmeldungen zielten jedoch auf reale Anwendungen und verbanden die Erfassung von Textur mit der Erkennung von Farben.
Die neue Patentschrift verschiebt den Schwerpunkt: Statt auf Messung und Analyse liegt der Fokus nun stärker darauf, virtuelle Realität realistischer wirken zu lassen. Die Rückmeldung über einen Stift in der Hand der Benutzer:innen wäre deutlich weniger umständlich als zuvor vorgeschlagene „Apple-Handschuhe“.
Das Patent wird fünf Erfinder:innen zugeschrieben, darunter Nicholas C. Soldner. Seine frühere Arbeit für Apple umfasst mehrere jährliche Patentanmeldungen zu Ultraschallsensoren und zur Atemerkennung in der Apple Vision Pro.
Wichtig bleibt: Selbst ein erteiltes Patent bedeutet nicht, dass Apple ein entsprechendes Produkt tatsächlich auf den Markt bringt. Patente können einzelne Aspekte langfristiger Forschungsprojekte abdecken oder dazu dienen, im Fall späterer Rechtsstreitigkeiten einen Stand der Technik zu dokumentieren.
Immerhin zeigt das Dokument, dass Apple dem Thema Forschungskapazitäten widmet. Es ist zudem ein weiteres Indiz dafür, dass das Unternehmen seine Pläne rund um Apple Vision Pro und visionOS trotz gegenteiliger Gerüchte weiter verfolgt.