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Arizona wird zum Silicon Valley der Chipproduktion – mit Umweltfolgen

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Arizona erlebt einen rasanten Wandel: Wo einst Landwirtschaft und Bergbau dominierten, prägen heute Halbleiterfabriken das Bild. Doch Wachstum und Innovation haben ihren Preis.

Chipherstellung als neues Rückgrat der Wirtschaft

Arizona stand lange für die „fünf Cs“ -in englischer Sprache- seiner Wirtschaft: Baumwolle, Viehzucht, Zitrusfrüchte, Kupfer und Klima. Nun tritt ein sechstes „C“ hinzu: Chips. In der Metropolregion Phoenix investieren Halbleiterhersteller wie Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) und Intel Milliardenbeträge in neue Fertigungsstätten. Gleichzeitig entstehen neue Siedlungen, und ganze Stadtteile werden für den erwarteten Zuzug von Arbeitskräften geplant.

Die Standortentscheidung wird politisch und wirtschaftlich stark gefördert – unter anderem durch das Bundesgesetz „CHIPS und Wissenschaftsgesetz“, das 2022 knapp 52,7 Milliarden US-Dollar (ca. 49 Milliarden Euro) für die Förderung US-amerikanischer Chipproduktion und Forschung vorsieht. Allein Intel wurde der Zugang zu bis zu 7,86 Milliarden US-Dollar (ca. 7,3 Milliarden Euro) an Fördermitteln zugesichert und investiert 32 Milliarden US-Dollar (ca. 29,8 Milliarden Euro) in den Ausbau seiner Standorte in Arizona. TSMC plant den Bau von bis zu sechs neuen Fabriken und erhielt Förderzusagen von bis zu 6,6 Milliarden US-Dollar (ca. 6,1 Milliarden Euro). Bereits heute sprechen Branchenvertreter:innen davon, dass Arizona das neue „silicon headquarter“ der USA sei.

Arbeitsplätze im Wandel und Kritik am „Chip-Boom“

Mit den neuen Chipfabriken wächst die Hoffnung auf tausende neue Arbeitsplätze. Allein seit 2020 sind im Großraum Phoenix rund 4.000 Jobs in der Branche geschaffen worden. Bis 2030 werden landesweit 115.000 neue Stellen erwartet. Die Realität hinter den Werbeversprechen sieht jedoch differenzierter aus. Immer wieder gibt es Stellenabbau, Outsourcing und den Trend, viele Abläufe zu automatisieren. Inzwischen werden zahlreiche Fachkräfte aus Asien via Visum eingeflogen; Bedenken in Bezug auf lokale Beschäftigung und faire Arbeitsbedingungen werden lauter.

Zudem gibt es immer wieder Berichte über Überstunden, unzureichende Schulungen und teils mangelhaften Arbeitsschutz. TSMC beispielsweise steht aktuell wegen Diskriminierungsvorwürfen vor Gericht. Bei Intel kam es bereits zu Zahlungen aufgrund von Diskriminierung afroamerikanischer, hispanoamerikanischer und weiblicher Beschäftigter. Gewerkschaften und Initiativen wie „Chips Communities United“ organisieren Proteste und fordern mehr Mitbestimmung und soziale Standards.

Umweltfolgen: Wasser, Chemikalien und Energiebedarf

Die Chipproduktion beansprucht enorme Mengen Wasser – ein heikles Thema in einem von Dürreperioden geplagten Bundesstaat. Allein TSMCs erste Fabrik in Phoenix verbraucht etwa 18 Millionen Liter täglich, künftig könnten es mehr als 60 Millionen Liter pro Tag werden. Zwar setzen die Unternehmen vermehrt auf Recycling, Kritiker:innen fordern jedoch weitergehende Nachweise, dass auch die Zulieferbetriebe nachhaltig mit Wasser umgehen. Gleichzeitig steigen Energiebedarf und Strompreise in der Region, zumal die Energieversorgung immer noch stark von fossilem Brennstoff wie Erdgas abhängt.

Hinzu kommt die Sorge um Giftstoffe: Die Produktion erfordert gefährliche Chemikalien, darunter sogenannte „Ewigkeitschemikalien“ (PFAS), die sich nur schwer abbauen und im Verdacht stehen, Gesundheit und Umwelt zu schädigen. Altlasten aus früheren Jahrzehnten belasten bis heute das Grundwasser in der Region. Für Arbeitssicherheit und Umweltschutz sehen viele Beobachter:innen noch deutlichen Nachholbedarf.

Bürgerinitiativen fordern Mitsprache und Nachhaltigkeit

Widerstand regt sich zunehmend auf lokaler Ebene. Einwohner:innen Peorias, einem Vorort von Phoenix, verhinderten jüngst den Bau einer Chipverpackungsfabrik von Amkor in der Nähe einer Schule – das Unternehmen verlegte sein Vorhaben daraufhin an einen anderen Standort. Anwohner:innen, Umweltorganisationen und Gewerkschaften verlangen strengere Vorschriften für Wasser-, Chemikalien- und Umweltschutz sowie transparente Beschäftigungspraxis, teilweise mit ersten Erfolgen.

Trotz aller Herausforderungen bleibt die Hoffnung, dass Arizona zum Vorbild für nachhaltige und faire Chipherstellung werden könnte – wenn Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in einen ehrlichen Dialog treten.

Via: https://www.theverge.com

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Tags: Wasserverbrauch, Intel, TSMC, Arbeitsbedingungen, Umweltschutz, Arizona, Halbleiterfertigung, Chipindustrie

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