Apple legt am 30. April die Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Die Zahlen gelten als wichtiger Gradmesser für die aktuelle Produktoffensive und den bevorstehenden Führungswechsel.
Rückblick auf Q1 2026 und das Vorjahresquartal
Apple veröffentlicht die Ergebnisse von Q2 2026 zunächst per Pressemitteilung, anschließend folgt um 23 Uhr deutscher Zeit die gewohnte Telefonkonferenz mit Analyst:innen und Investor:innen. Daran nehmen Vorstandschef Tim Cook und Finanzchef Kevan Parekh teil, sie ordnen das Quartal ein und geben einen Ausblick auf kommende Perioden. Analyst:innen können Fragen zur Entwicklung und zu den Erwartungen für Q3 und die Zeit danach stellen.
Im ersten Quartal 2026 erzielte Apple saisonbedingt die stärksten Umsätze des Geschäftsjahres. Das Unternehmen meldete einen Rekordumsatz von 143,8 Milliarden US‑Dollar (rund 134,2 Milliarden Euro), nach 124,3 Milliarden US‑Dollar (rund 116,0 Milliarden Euro) im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,84 US‑Dollar (rund 2,65 Euro), hinzu kam eine Bardividende von 0,26 US‑Dollar (rund 0,24 Euro) je Stammaktie.
Nach Produktbereichen stieg der Umsatz mit dem iPhone von 69,1 Milliarden US‑Dollar (rund 64,5 Milliarden Euro) auf 85,3 Milliarden US‑Dollar (rund 79,6 Milliarden Euro), der iPad‑Umsatz legte von 7,01 Milliarden US‑Dollar (rund 6,6 Milliarden Euro) auf 8,6 Milliarden US‑Dollar (rund 8,0 Milliarden Euro) zu. Der Mac ging leicht von 8,9 Milliarden US‑Dollar (rund 8,3 Milliarden Euro) auf 8,39 Milliarden US‑Dollar (rund 7,8 Milliarden Euro) zurück, während „Wearables, Home und Zubehör“ von 11,747 Milliarden US‑Dollar (rund 11,0 Milliarden Euro) auf 11,49 Milliarden US‑Dollar (rund 10,7 Milliarden Euro) sanken. Die Dienste setzten ihren Wachstumskurs fort und stiegen von 26,34 Milliarden US‑Dollar (rund 24,6 Milliarden Euro) auf 30,013 Milliarden US‑Dollar (rund 28,0 Milliarden Euro).
Q1 profitierte vom ersten vollen Verkaufsquartal für iPhone 17, iPhone Air, Apple Watch Series 11, Apple Watch SE 3, Apple Watch Ultra 3 und AirPods Pro 3. Zudem starteten in diesem Zeitraum das M5‑Upgrade für das iPad Pro, der M5‑Apple‑Vision‑Pro und das 14‑Zoll‑iPad‑Pro mit M5.
Als Vergleichsmaßstab für die kommenden Zahlen gilt Q2 2025, das im Jahresverlauf an gleicher Stelle liegt. Damals stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 5 Prozent auf 95,4 Milliarden US‑Dollar (rund 89,0 Milliarden Euro). Die iPhone‑Erlöse lagen bei 46,84 Milliarden US‑Dollar (rund 43,7 Milliarden Euro) nach 45,96 Milliarden US‑Dollar (rund 42,8 Milliarden Euro), der Mac‑Umsatz kletterte von 7,45 Milliarden US‑Dollar (rund 7,0 Milliarden Euro) auf 7,95 Milliarden US‑Dollar (rund 7,4 Milliarden Euro). iPad fiel von 6,4 Milliarden US‑Dollar (rund 6,0 Milliarden Euro) auf 5,56 Milliarden US‑Dollar (rund 5,2 Milliarden Euro), Wearables, Home und Zubehör sanken von 7,9 Milliarden US‑Dollar (rund 7,4 Milliarden Euro) auf 7,5 Milliarden US‑Dollar (rund 7,0 Milliarden Euro). Die Dienste wuchsen von 23,9 Milliarden US‑Dollar (rund 22,3 Milliarden Euro) auf 26,6 Milliarden US‑Dollar (rund 24,8 Milliarden Euro).
Produkte, KI‑Strategie und CEO‑Wechsel im Fokus
Im zweiten Geschäftsquartal 2026 profitiert Apple weiter von den Herbstverkäufen, gleichzeitig rücken die Neuheiten des Zeitraums in den Vordergrund. Dazu zählen das M4‑Update für das iPad Air, das iPhone 17e, das M5‑MacBook‑Air sowie MacBook‑Pro‑Modelle mit M5 Pro und M5 Max. Unerwartet aktualisierte Apple zudem das Studio Display und ersetzte das Pro Display XDR durch das Studio Display XDR. Ein weiterer Punkt ist das MacBook Neo, ein günstig positioniertes MacBook mit A18‑Pro‑Chip.
In der Telefonkonferenz dürften Preissteigerungen ein zentrales Thema werden. Die Branche kämpft mit stark steigenden Kosten für Speicher, Prozessoren und SSDs, ausgelöst durch den Ausbau von KI‑Infrastruktur. Apple konnte sich dank Lieferverträgen bislang weitgehend abschirmen, langfristig ist das jedoch begrenzt.
Daneben steht das Thema künstliche Intelligenz im Raum. Apple wirkt im Branchenvergleich zurückhaltend, die überarbeitete Sprachassistenz Siri wird erst zur Entwicklerkonferenz WWDC 2026 erwartet. Hinzu kommt die Vereinbarung mit Google rund um Gemini für KI‑Funktionen direkt auf dem iPhone. Analyst:innen dürften detaillierte Pläne für die weitere KI‑Strategie einfordern.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der angekündigte Führungswechsel. Tim Cook gibt zum 1. September den Posten als Vorstandschef ab und wird geschäftsführender Verwaltungsratsvorsitzender. Nachfolger als CEO wird John Ternus. Ob Ternus schon vor Amtsantritt an der Telefonkonferenz teilnimmt, ist offen, Fragen zur Übergabe werden aber erwartet, da der Wechsel als bedeutend für künftige Investitionen gilt.
Erwartungen von Wall Street und großen Banken
Die Konsensschätzungen von Analyst:innen geben einen Rahmen für die zu erwartenden Zahlen vor. Yahoo Finanzen ermittelt aus 31 Einschätzungen einen durchschnittlichen Umsatz von 109,69 Milliarden US‑Dollar (rund 102,4 Milliarden Euro) für Q2 2026, die Spanne reicht von 107,08 Milliarden US‑Dollar (rund 100,0 Milliarden Euro) bis 115,37 Milliarden US‑Dollar (rund 107,8 Milliarden Euro). Beim Gewinn je Aktie liegen 32 Schätzungen im Mittel bei 1,95 US‑Dollar (rund 1,82 Euro), mit einer Bandbreite von 1,56 US‑Dollar (rund 1,46 Euro) bis 2,16 US‑Dollar (rund 2,01 Euro).
Der Dienst TipRanks kommt in seiner Auswertung vom 19. April auf eine ähnliche Konsensprognose. Dort liegt der erwartete Umsatz bei 109,45 Milliarden US‑Dollar (rund 102,2 Milliarden Euro), mit einem Korridor von 105 Milliarden US‑Dollar (rund 98,0 Milliarden Euro) bis 115 Milliarden US‑Dollar (rund 107,6 Milliarden Euro). Der erwartete Gewinn je Aktie beträgt ebenfalls 1,95 US‑Dollar (rund 1,82 Euro), mit einer Spanne von 1,56 US‑Dollar (rund 1,46 Euro) bis 2,16 US‑Dollar (rund 2,01 Euro).
Einige große Banken legen darüber hinaus eigene, detailliertere Schätzungen vor. JP Morgan rechnet in einer Mitteilung vom 21. April mit einem Quartalsumsatz von 112,7 Milliarden US‑Dollar (rund 105,2 Milliarden Euro) und einem Gewinn je Aktie von 2,05 US‑Dollar (rund 1,92 Euro). Das Haus erwartet Produktumsätze von 82,3 Milliarden US‑Dollar (rund 76,9 Milliarden Euro), über der Konsensschätzung von 78,8 Milliarden US‑Dollar (rund 73,6 Milliarden Euro). Der iPhone‑Umsatz soll dank hoher Nachfrage nach dem iPhone 17 bei 59,5 Milliarden US‑Dollar (rund 55,5 Milliarden Euro) liegen, die Dienste werden in etwa mit 30,4 Milliarden US‑Dollar (rund 28,4 Milliarden Euro) veranschlagt. Steigende Speicherkosten gelten zwar als Belastung, JP Morgan geht aber davon aus, dass Apple diese durch begrenzte Preiserhöhungen nach Optimierung der Materialkosten teilweise ausgleicht. Denkbar seien Aufschläge im mittleren einstelligen Prozentbereich, etwa 50 US‑Dollar (rund 47 Euro) pro 1.000 US‑Dollar (rund 933 Euro) Basispreis. JP Morgan stuft die Aktie als „Übergewichten“ ein und nennt ein Kursziel von 325 US‑Dollar (rund 303 Euro).
Die Bank of America bezeichnet Apple in einer Einschätzung vom 20. April als Premium‑Wert in einem schwierigen Marktumfeld. Dienste bleiben demnach eine tragende Säule, der Ausbau der KI könne eine zusätzliche Wachstumsquelle werden. Mit dem M5 sieht die Bank einen wichtigen Schritt für lokale KI‑Berechnungen auf den Geräten, was die Abhängigkeit von Cloud‑Ressourcen und damit verbundene Kosten für Nutzer:innen und Unternehmen senken könne. Bank of America bewertet Apple mit „Kaufen“, das Kursziel liegt bei 325 US‑Dollar (rund 303 Euro) und impliziert ein Aufwärtspotenzial von 23,4 Prozent.
Auch Morgan Stanley zeigte sich am 20. April vor Veröffentlichung der CEO‑Pläne optimistisch und erwartet Umsatz und Gewinn je Aktie jeweils 1 bis 2 Prozent über dem Konsens. Risiko sehen die Expert:innen vor allem bei möglichen Auswirkungen steigender Speicherpreise, gleichzeitig rechnen sie mit stabilen Geschäften bei iPhone, Mac und Diensten. In einer weiteren Analyse vom 22. April geht Morgan Stanley von rund 112,7 Milliarden US‑Dollar (rund 105,2 Milliarden Euro) Umsatz aus, angetrieben vor allem durch eine starke Entwicklung in China. Die Bank hält an der Einstufung „Übergewichten“ und einem Kursziel von 315 US‑Dollar (rund 294 Euro) fest. Nach Bekanntwerden des CEO‑Wechsels geht Morgan Stanley davon aus, dass Apples Kernstrategie weitgehend unverändert bleibt und sich die Prioritäten eher evolutionär als grundlegend verändern.
Goldman Sachs prognostizierte am 20. April vor der CEO‑Ankündigung einen Gewinn je Aktie von 2,00 US‑Dollar (rund 1,87 Euro) für Q2, über der damaligen Wall‑Street‑Konsensschätzung von 1,93 US‑Dollar (rund 1,80 Euro). Das Institut sieht positive Effekte durch das Dienstegeschäft und günstige Wechselkurse. Trotz eines als schwach eingeschätzten App‑Store‑Quartals rechnet Goldman mit einem Dienste‑Wachstum von 14 Prozent im Jahresvergleich, begünstigt auch durch Preiserhöhungen. Die Bank stellt sich damit gegen aus ihrer Sicht zu negative Erwartungen an Apples Ergebnisentwicklung und sieht die Kursentwicklung der Aktie nicht im Einklang mit der operativen Lage. In einer weiteren Analyse vom 22. April erwartet Goldman für die Dienste 30 Milliarden US‑Dollar (rund 28,0 Milliarden Euro) Umsatz, ebenfalls plus 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, iPhone‑Erlöse von 85,3 Milliarden US‑Dollar (rund 79,6 Milliarden Euro) und ein Gesamtumsatzwachstum von 13 bis 16 Prozent. Goldman bestätigt die Einstufung „Kaufen“ und gibt ein Kursziel von 330 US‑Dollar (rund 307 Euro) aus.
Via: https://appleinsider.com
Titelbild KI (Zur Illustration)
